Eidgenössische Wahlen 2019 26.09.2019, 13:25 Uhr

Kandidierende schieben Digitalisierung auf die lange Bank

Gemäss einer Studie von Swico scheinen viele Politiker das Thema Digitalisierung im Hinblick auf die kommenden Wahlen zu unterschätzen. Nur 18 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten beantworteten die Fragen des Digitalisierungsmonitors 2019.
(Quelle: Parlamentsdienste 3003 Bern )
Am 20. Oktober stehen die National- und Ständeratswahlen an. Wie Computerworld im Rahmen der diesjährigen Top-500-Umfrage ermittelte, schätzen nach wie vor viele ICT-Anbieter den Einfluss der Branche auf Bundesbern als gering ein. Die Hoffnung liegt im Hinblick auf die Wahlen deshalb auf Kandidatinnen und Kandidaten, die zusätzliches IT-Know-how ins Parlament bringen könnten.
In Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule und den Universitäten Zürich und Genf befragte der IT-Verband Swico diese vor den Wahlen nun nach ihrer Haltung zu Digitalisierungsthemen. Durchgeführt wurde die Umfrage gemeinsam mit der Online-Wahlhilfe Smartvote. Dabei wurde der Smartvote-Standardfragebogen, der bereits vier Fragen zur Digitalisierung enthält, mit einer Zusatzumfrage zu verschiedenen Dimensionen der Digitalisierung ergänzt.

Wenig Interesse am Digitalisierungsmonitor

Gemäss Swico beantworteten lediglich 18 Prozent der Politikerinnen und Politiker die Fragen des Digitalisierungsmonitors 2019 und machten ihre Haltung zu Digitalisierungsthemen so gegenüber der Öffentlichkeit transparent. Von den insgesamt knapp 4600 Kandidierenden erstellten 3571 ihr Smartvote-Profil, 828 füllten schliesslich den Zusatzfragebogen aus. Der Verband fragt deshalb aufgrund der Rücklaufzahlen: «Riskiert die Schweiz einen digitalen Blindflug?»
Andreas Knöpfli, der Präsident von Swico, ist deswegen der Meinung, dass die Digitalisierung in Bern immer noch nicht angekommen ist. «Von den rund 4600 Kandidierenden, die nach Bern wollen, hat sich nur ein Bruchteil mit dieser Entwicklung auseinandergesetzt, die unsere Gesellschaft gerade grundlegend verändert», wird er in einer Mitteilung des Verbands zitiert.

Mehr Chancen als Risiken

Immerhin sehen jene Personen, die an der Befragung teilgenommen haben, punkto digitale Transformation mehr Chancen als Risiken. Frauen sind dabei laut der Auswertung von Swico skeptischer unterwegs als Männer. Gegenüber der Digitalisierung ist die FDP offenbar am positivsten eingestellt, gefolgt von der GLP. Viele skeptisch eingestellte Personen gibt es dagegen bei den Grünen.
Die FDP ist punkto digitale Transformation besonders positiv eingestellt
Quelle: Swico
Interessantes führt die Analyse des Digitalisierungsmonitors 2019 auch bei den einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten zutage. Dabei zeigt sich, dass Politiker, die sich neu für Plätze im Nationalrat bewerben, teils affiner für Digital-Themen sind als jene, die bei den Wahlen ihren Sitz verteidigen wollen.
Neue sind insgesamt affiner für Digital-Themen als die aktuellen Natinalrätinnen und Nationalräte
Quelle: Swico
Wer von den Neuen es schliesslich in den Nationalrat schafft und wer seinen Sitz verteidigen kann, das wird sich im Oktober zeigen. Mit dem Digitalisierungsmonitor 2019 erhält man zur Vorbereitung auf die Wahlen jedenfalls nun Infos über die Haltung von Kandidierenden zu Digital-Themen – zumindest von jenen, die den Fragebogen ausgefüllt haben. Das gesamte Rating lässt sich übrigens unter diesem Link downloaden.


Das könnte Sie auch interessieren