Connected Car 10.01.2018, 08:03 Uhr

Das Auto wird zum rollenden Rechner

IoT und Big Data sollen das Automobil sicherer, ökologischer und komfortabler machen. Welche technischen Hürden dabei zu nehmen sind, zeigt Computerworld.
(Quelle:  a-image / Shutterstock.com )
Immer mehr Staus, kaum Parkplätze und dann auch noch «Dieselgate». Man kann wirklich nicht behaupten, dass das Auto derzeit einen leichten Stand hat.
Um die Zukunft des Autos langfristig zu sichern, wird an vielen Stellen daran gearbeitet, Fahrzeuge «intelligenter» zu machen. Ein zentrales Ziel ist, den Verkehrsfluss zu optimieren und die Umweltbelastung zu reduzieren. Zudem sollen autonom fahrende Autos den Fahrer entlasten. Er kann dann während der Fahrt sinnvollere Dinge tun, etwa E-Mails beantworten oder Anrufe tätigen.
Bosch
Quelle: Bosch
Laut einer Prognose von Bosch liessen sich durch vernetzte Fahrzeuge und assistiertes Fahren im Jahr 2025 in Deutschland 30'000 Unfälle mit Personenschaden vermeiden, in den USA sogar 210'000. Die Zahl der Verletzten würde sich hierzulande um 37'000 verringern, die der Verkehrstoten um 300, wenn smarte Autos Standard wären. Angenehmer Nebeneffekt: Die Versicherungen müssten laut Bosch 450 Millionen Euro weniger aufwenden.
Jensen Huang von Nvidia
“In Zukunft heisst es: Je mehr Rechenleistung ein Wagen hat, desto schöner und ruhiger ist die Fahrt.„
Jensen Huang
CEO von Nvidia
Nicht zuletzt würden China, USA und Deutschland 400'000 Tonnen CO2 weniger ausstossen. Ein Grund ist, dass die Suche nach Parkplätzen weniger Zeit und weniger Herumfahren erfordert. Denn Parkleitsysteme signalisieren dem Fahrer, ob beziehungsweise wo Parkplätze vorhanden sind, und lenken ihn dorthin. Das spart Benzin und brächte den Autofahrern in den drei Ländern einen Zeitgewinn von 70 Millionen Stunden.

Millionen Zeilen Code

Techniken wie autonomes Fahren sowie die Vernetzung von Autos untereinander und mit Ampeln und Verkehrsleitsystemen gelten derzeit als die Königsdisziplinen in den Bereichen Smart Car und Connected Car, also Autos, die über eine Anbindung an Kommunikationsnetze verfügen. Dabei wird häufig übersehen, dass Autos bereits heute «rollende Rechner» sind. So enthält ein Auto nach Einschätzung des Halbleiterherstellers NXP schon jetzt etwa 150 Millionen Zeilen Software-Code.
Vorteile selbstfahrender Autos: Die Hersteller sehen den grössten Vorteil autonomer Fahrzeuge im höheren Fahrkomfort, die Bevölkerung im besseren Verkehrsfluss.
(Quelle: Bitkom)
Mitverantwortlich ist die steigende Zahl von Assistenzsystemen – vom Spurhalteassistent über das Kollisionswarnsystem bis zum Müdigkeitswarner. Gefüttert werden diese Komponenten von 60 bis 100 Sensoren, die in jedem Fahrzeug verbaut sind. Bis 2025 dürfte ihre Zahl auf 200 oder mehr steigen. Die Folge: Auch die Software im Auto wächst – auf etwa 650 Millionen Zeilen Code. Zum Vergleich: Eine Boeing 787 bringt es auf gerade mal 7 Millionen Zeilen.
«In der alten Welt gilt, dass eine Autofahrt umso angenehmer verläuft, je leistungsstärker der Motor des Fahrzeugs ist. In Zukunft heisst es jedoch: Je mehr Rechenleistung ein Wagen hat, desto schöner und ruhiger ist die Fahrt», kommentiert Jensen Huang, Gründer und CEO von Nvidia, diese Entwicklung. Nvidia ist zwar vielen Technik-Fans vor allem für seine Grafikkarten bekannt, doch zählt es auch zu den führenden Anbietern von Hard- und Software-Plattformen für autonome Fahrzeuge und Assistenzsysteme mit KI-Funktionen.
Zusammen mit dem Friedrichshafener Unternehmen ZF und Hella hat Nvidia beispielsweise ein System für selbstfahrende Lastwagen entwickelt. Solche Fahrzeuge könnten den Gütertransport auf den Strassen revolutionieren. So arbeiten Forscher bereits an fahrerlosen Lastern, die quasi Stossstange an Stossstange in Konvois auf Highways und Autobahnen unterwegs sind. Dies soll den Verkehrsfluss verbessern und die Zahl der Unfälle verringern. Der Logistikdienstleister DHL will 2018 einen Feldversuch mit solchen selbstfahrenden Lieferfahrzeugen starten.


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