Eclipse Foundation 20.01.2023, 15:53 Uhr

Vorhersagen für die Open-Source-Welt

Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, Europas grösste Open-Source-Organisation, hat sich Gedanken gemacht, was 2023 der Open-Source-Welt bringen wird.
Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation
(Quelle: Copyright: Eclipse Foundation)
Von Mike Milinkovich.
Gleich mal das Gute zu Beginn: 2023 ist das Jahr, in dem die Welt die Vorteile von Open Source erkennen wird. Während 2022 ein Jahr der geteilten Meinungen war, insbesondere für die Softwarebranche und die Verbreitung von Open Source Software (OSS), sieht es für 2023 in dieser Hinsicht wesentlich positiver aus. 2022 gab es, auch aufgrund der Nachwehen der Pandemiejahre, zahlreiche gesamtwirtschaftliche Warnungen. Dennoch wuchs der Markt für Cloud-Dienste kontinuierlich und auch das Open-Source-Modell fand Anklang. In diesem Artikel werden nun einige Trends und Vorhersagen für 2023 aufgezählt, die im vergangenen Jahr bereits erkennbar waren und die Branche in diesem Jahr wesentlich stärker beeinflussen werden:
Vorhersage 1: Die Java-Renaissance wird immer wichtiger - Der Einsatz von Java in Unternehmen und anderen Bereichen stösst überall auf immer grösseres Interesse. Von MicroProfile und Jakarta EE hat die Konzernwelt stark profitiert. Die Veröffentlichung von Jakarta EE 10 und MicroProfile 6.0 im Jahr 2022 ebnete den Weg für quelloffene, herstellerübergreifende Java-Lösungen in einer Cloud-nativen, an Microservices orientierten Infrastruktur. Unternehmen, die schon seit langer Zeit um Talente kämpfen müssen, suchen nun gezielt Java-Entwickler, um ihre digitale Transformation hin zu einer Cloud-nativen Infrastruktur voranzubringen. Hinzu kommt, dass Unternehmen derzeit überall Strategien einsetzen, um die Komplexität von Kubernetes-basierten Umgebungen abzubauen. Auch dafür ist Open Source Enterprise Java eine praktische und kurzfristige Lösung.
Eine anderer wichtiger Fokus der Stiftung lag im Jahr 2022 auf der Adoptium Working Group, mit der die Eclipse Foundation qualitativ hochwertige Laufzeiten und damit verbundene Technologien für den Einsatz im gesamten Java-Ökosystem fördert. Ziel ist es, auf diese Weise die Bedürfnisse der breiteren Java-Community durch die Bereitstellung von Laufzeiten für Java-basierte Anwendungen zu erfüllen. Auch 2022 wurde die Eclipse Adoptium wieder millionenfach heruntergeladen, da sie in der Branche als hochwertige Open-Source-Laufzeitumgebung für Unternehmensentwickler gilt. Auch die Adoptium-Laufzeitumgebung Temurin wurde von zahlreichen Anbietern übernommen. Zusätzlich haben Google, Microsoft und Red Hat die Unterstützung von Temurin für Cloud-Implementierungen angekündigt. Dank der Zusammenarbeit mit Aquavit verfügt die Branche zudem erstmals über ein Qualitätszertifizierungsprogramm für Java. Es gibt Entwicklern nicht nur die Gewissheit, dass ihre Laufzeitumgebung funktioniert, sondern wurde auch auf Skalierbarkeit, Sicherheit und Leistung getestet, die über die Bedeutung der Java-Sprache hinausgehen.
Vorhersage 2: Ein eigener Beitrag zur Leistungsfähigkeit der OSS-Gemeinschaften wird unverzichtbar - Mittlerweile verlässt sich die Welt bei so gut wie jeder wichtigen Funktion in der Cloud und im Internet auf Open-Source-Software. Deswegen erkennen derzeit auch mehr und mehr Unternehmen, dass die Beteiligung an der Open-Source-Gemeinschaft in ihrem ureigenen Interesse liegt. In den meisten Fällen nutzen Konzerne OSS in Bereichen, die für ihre Kernkompetenzen entscheidend sind.
Unternehmen werden in diesem Jahr vermehrt nach Möglichkeiten suchen, zu den für sie und ihre Märkte wichtigsten OSS-Projekten und -Gemeinschaften beizutragen. Während viele Unternehmen noch daran gewöhnt sind, alle Aspekte ihrer Produktentwicklungen zu kontrollieren, wird zunehmend deutlich, dass eine gute und offene Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg unerlässlich ist, um Innovation und Produktentwicklung voranzutreiben. Darüber hinaus werden dieselben Unternehmen erkennen, dass ein Stiftungsmodell wie das der Eclipse Foundation das beste Modell ist, um Hürden in Bezug auf Sicherheit, Nachhaltigkeit, Herstellerneutralität und Langlebigkeit von OSS-Projekten abzubauen.
Vorhersage 3: Das softwaredefinierte Fahrzeug (SDV) wird Wirklichkeit – Im vergangenen Jahr sind der Software-Defined Vehicle Working Group (SDV WG) der Eclipse Foundation Dutzende neuer Mitglieder beigetreten. Dabei ist wichtig zu wissen, dass SDV WG ein Forum für Einzelpersonen und Organisationen bietet, um Open-Source-Software, Spezifikationen und offene Kooperationsmodelle zu entwickeln und zu fördern, die für die Schaffung einer skalierbaren, modularen, erweiterbaren und industrietauglichen Open-Source-Softwareplattform für lizenzierte Fahrzeuge erforderlich sind. Hintergrund ist, dass Automobilunternehmen mittlerweile erkannt haben, dass sie nicht unabhängig vom Rest ihrer Branche zu einem hauseigenen Produkt, einem sogenannten «pure model» gelangen, sondern zusammenarbeiten müssen, um Open-Source-Technologien und offene Standards zu entwickeln, von denen die Branche als Ganzes profitiert. Dieser gemeinsame Weg hilft dabei, Geld zu sparen und Innovationen zu beschleunigen, und er ist den Automobilbauern schon lange bekannt, beispielsweise bei der Nutzung vorgefertigter Komponenten im Karosseriebau.

Bernhard Lauer
Autor(in) Bernhard Lauer



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