Die Frauen der Schweizer ICT 17.01.2019, 07:00 Uhr

Gabriela Keller: «Frau wird in der IT-Branche mit offenen Armen empfangen»

Frauen sind in der Schweizer ICT-Branche selten anzutreffen – geschweige denn in Führungspositionen. Computerworld hat bei der Ergon-Chefin Gabriela Keller nach den Gründen des Frauenmangels und möglichen Lösungsansätzen gefragt.
Gabriela Keller leitet Ergon Informatik seit 2016
(Quelle: Ergon Informatik )
Computerworld: Von den 500 grössten Schweizer ICT-Anbietern werden nur 20 von Frauen geführt. Weshalb ist dieser Anteil so gering?
Gabriela Keller: Es gibt generell (noch zu) wenige Frauen in der IT, das schlägt sich auch in der Führung nieder. Ergon ist ein Engineering-Unternehmen, viele unserer Mitarbeitenden rekrutieren wir von der ETH Zürich. Der Frauenanteil dort liegt bei knapp 15 Prozent und so ist es dann auch bei uns. Dank der allgemein gestiegenen Studierendenzahlen sind aber aktuell so viele Frauen wie noch nie im Informatikstudium, und das ist doch sehr erfreulich!
CW: Wie kann das Interesse von Frauen an ICT-Berufen geweckt werden?
Keller: Indem wir als Branche zeigen, wie spannend unsere Berufe sind. Dafür gibt es zum Beispiel die Informatiktage, die dieses Jahr zum dritten Mal durchgeführt wurden und die auf reges Interesse stiessen. Die wachsende Anzahl Lernende und Studierende in der Informatik zeigen, dass solche Initiativen wichtig und erfolgreich sind. Unsere Branche hat ja auch für Arbeitnehmer viel zu bieten! Attraktive Arbeitsbedingungen mit flachen Hierarchien, Teilzeitmöglichkeiten, Home-Office, Jahresarbeitszeit, etc. Das ist uns auch bei Ergon wichtig. Verschiedene Ergon-Mitarbeiterinnen engagieren sich in ihrer Freizeit für Initiativen, die Frauen für die Informatik begeistern wollen, zum Beispiel «Rails Girls» oder «Django Girls». Wir begrüssen dies sehr und stellen ihnen Räumlichkeiten für ihre Workshops zur Verfügung.
CW: Wie fördern Sie Frauen in Ihrem Unternehmen?
Keller: Ein wichtiger Pfeiler unseres Unternehmens ist die Transparenz, die auch Lohntransparenz umfasst. Gerade Frauen äussern, dass sie es schätzen, sich beim Einstellungsgespräch nicht «verkaufen» zu müssen, sondern zu wissen, dass sie fair entlohnt und gleichberechtigt behandelt werden. Auch die Teilzeitarbeit ist bei uns möglich – für Mütter und Väter. Und dank Jahresarbeitszeit können Eltern ihre Arbeitszeit flexibel gestalten.
CW: Inwieweit achten Sie bei Einstellungen auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis?
Keller: Es gibt halt einfach weniger Frauen in der Softwareentwicklung. Bei gleich guten Bewerbern geben wir den Frauen den Vorzug.
CW: Ihr Tipp an Frauen, die in der ICT-Branche Karriere machen wollen?
Keller: Go for it! Es ist eine spannende Branche, in der sich so viel gestalten lässt und Teamarbeit absolut essenziell ist. Gemischte Teams sind erfolgreicher als reine Männer- oder Frauenteams. Auch wenn einige das noch nicht wissen: Frau wird in der IT-Branche mit offenen Armen empfangen!


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