Maritimer Cyberangriff 13.06.2018, 14:53 Uhr

Schiffs-Hack könnte Ärmelkanal komplett lahmlegen

Britische IT-Security-Spezialisten ist eine Attacke auf das Navigationsinformationssystem ECDIS gelungen, auf das sich Kapitäne von Hochseeschiffen verlassen.
Falsche Daten über die Position des eigenen Schiffs und der anderen Boote könnte zu Chaos auf See führen
(Quelle: Stroller/Pixabay )
Wie IT-Security-Spezialisten von Pen Test Partners auf ihrer Webseite schreiben, könnten Hacker den Schiffsverkehr im Ärmelkanal zum Stillstand bringen. Möglich wäre das durch Ausnutzen von Lücken im gebräuchlichen Navigationsinformationssystem ECDIS. Dadurch liessen sich die Grösse und Position von Wasserfahrzeugen manipulieren, um bei anderen Schiffen für ständige Kollisionsalarme zu sorgen - was zumindest gröberes Chaos stiften sollte.

Riesenchaos mit Riesenschiffen

ECDIS ist ein System, das für die Schifffahrt eine moderne Alternative zu papierenen Seekarten bietet. Es ist auf vielen Schiffen mit dem Automatischen Identifikationssystem (AIS) verbunden, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Daten Sicherheit und Lenkung des Schiffverkehrs verbessern soll. Doch eben das könnten Hacker ausnutzen und stattdessen für Chaos sorgen - denn manipulierte ECDIS-Daten könnten dafür sorgen, dass das AIS auf vielen Schiffen falsche Kollisionsalarme auslöst. Möglich macht den Angriff, dass viele Schiffe ihre Satellitenkommunikation unzureichend sichern.
Dadurch könnten Hacker die ECDIS-Software manipulieren. Damit sei es möglich, die Position eines Schiffs um bis zu 300 Meter zu verändern, so Pen-Test-Mitgründer Ken Munro. «Das klingt nicht nach viel, doch bei schlechter Sicht macht es den Unterschied zwischen Kollidieren und Nicht-Kollidieren», meint er gegenüber der «BBC». Zudem könnten Schiffe in der Software einfach bis zu einem Quadratkilometer gross gemacht werden - viel grösser also als in der Realität. Auf einem Schiff am Meer würde das schnell zu vielen falschen Kollisionsalarmen führen. Wenn Kapitäne die vermeintlichen Hindernisse ständig umschiffen, würde dann zumindest Chaos auf den Routen herrschen.

Autor(in) Thomas Pichler


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