Neuer Elektroden-Typ könnte Blinden zu Lichteindrücken verhelfen

Spezifische Signale

Ghezzi, Micera und ihr Team von der EPFL und der Scuola Superiore Sant'Anna entwickelten ein Array aus 12 Elektroden, das sie OpticSELINE nennen. Die Elektroden sollen die verschiedenen Nervenfasern im Sehnerv stimulieren. Das System testeten sie an Kaninchen, indem sie die implantierten Elektroden aktivierten und die Hirnaktivität der Tiere beobachteten. So konnten sie nachweisen, dass sich mit den einzelnen Elektroden spezifische Signale übermitteln lassen.
Diego Ghezzi von der ETH Lausanne präsentiert OpticSELINE
Quelle: Alain Herzog/EPFL
Noch ist nicht klar, welche visuellen Eindrücke das Elektroden-Array vermittelt. «Bisher wissen wir, dass die intraneurale Stimulation das Potenzial hat, informative visuelle Muster zu erzeugen», erklärte Ghezzi gemäss der Mitteilung. «Es wird Rückmeldung von Patienten in künftigen klinischen Studien brauchen, um diese Muster genau abzustimmen.» Rein aus der technologischen Perspektive könne man bereits morgen mit klinischen Studien beginnen.
Für den Einsatz beim Menschen könnte OpticSELINE aus 48 bis 60 Elektroden bestehen, schrieb die EPFL. Mit dieser limitierten Anzahl liesse sich das Sehvermögen nicht komplett wieder herstellen. Die vermittelten visuellen Eindrücke, könnten aber zumindest eine Hilfestellung im Alltag sein.

Lichteindruck ohne Licht

Eine weitere Möglichkeit, Blinden zumindest zu einer rudimentären Form des Sehens zu verhelfen, wäre beispielsweise die Stimulation des visuellen Cortex des Gehirns. Die Implantation von Elektroden im Gehirn ist jedoch mit gewissen Risiken verbunden. Eine andere Möglichkeit sind Retina-Prothesen, an denen verschiedene Unternehmen und Forschungsinstitutionen arbeiten. Allerdings ist der Einsatz solcher Prothesen aus medizinischen Gründen nur bei einem Bruchteil der Patienten möglich.
Intraneurale Elektroden kämen wahrscheinlich für eine Vielzahl Betroffener in Frage, da in den meisten Fällen der Sehnerv und damit der Pfad ins Gehirn intakt ist.
Ziel all dieser Ansätze ist, sogenannte Phosphene zu erzeugen: Lichtwahrnehmungen in Form weisser Muster, die nicht durch Licht, sondern durch andere Reize erzeugt werden. Ein Alltagsbeispiel für Phosphene sind die Lichtblitze, die man sieht, wenn man auf den Augapfel drückt.


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