Buchrezension 16.08.2018, 14:32 Uhr

Wie die Welt in den Computer kam

Damit die Welt mit Computern verwaltet und organisiert werden kann, muss sie der digitalen Logik der Maschinen folgen. Mit grossem Unterhaltungswert erzählt der Historiker David Gugerli die Geschichte dieses eindrücklichen Anpassungsprozesses.
Relaisrechner Zuse Z4 an der ETH Zürich: Der erste Computer an einer kontinentaleuropäischen Hochschule
(Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv)
Ausschalten: So lautet die letzte Kapitelüberschrift in David Gugerlis neuestem Werk über die Geschichte des Computers. Das heisst, eigentlich ist es eine Geschichte über Ingenieure – ganz am Rande kommen auch Ingenieurinnen vor – sowie über die Anwenderinnen und Anwender ihrer Maschinen und Programme. Und damit dreht sich das Buch letztlich um uns alle.
Wir sind heute dauernd online, schauen uns die neuesten Nachrichten an, schreiben E-Mails, laden Posts hoch, planen Reisen und rufen den Wetterbericht auf. Wer sich dafür interessiert, welche Entwicklungen in den letzten 70 Jahren dazu geführt haben, dass Computer zu unseren täglichen Begleitern geworden sind, nimmt sich die letzte Kapitelüberschrift zu Herzen, schaltet also das Smartphone aus, gibt sich Gugerlis Erzähllust hin und beginnt mit dem ersten Kapitel: «Einschalten».

Grosses Thema leichtfüssig erzählt

David Gugerli hat sich eines grossen Themas angenommen: der Entstehung der digitalen Wirklichkeit. In seinen Schilderungen gerät der Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich dennoch nirgends ins Dozieren, ganz im Gegenteil. Der essayistische Stil des Buches und ein wohltuend ironisch-distanzierter Grundton, der mitschwingt, machen das Buch zu einer erquicklichen Sommerlektüre. Anhand von offiziellen Publikationen, Einschätzungen und Prognosen zeitgenössischer Akteure – und manchmal derer Falsifizierung im Nachhinein – schildert der Autor auf 200 Seiten, was es alles braucht, bis sich eine neue Technologie durchsetzt. In diesem Fall eine Technologie, die unsere ganze Gesellschaft im Innersten erfasst hat und immer noch verändert. Dass es sich trotz des lockeren Stils um ein seriöses Werk handelt, unterstreichen der rund 20-seitige Anmerkungsapparat und 25 Seiten Bibliographie.

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