Partnerzone SAP 29.03.2019, 11:03 Uhr

SAP Leonardo steuert Heizung und Lüftung per Handy

Heizung, Lüftung und Warmwasser mobil bedienen: Hoval hat eine prädiktive Fernwartungslösung für Hotels, Büros, Spitäler und Rechenzentren entwickelt. Der Feldtest in Österreich startet Anfang April.
(Quelle: Hoval )
Die Liechtensteiner Hoval, Spezialist für Raumklima-Lösungen, hat zusammen mit SAP eine Online-Fernsteuerung für Heizung, Lüftung und Warmwasser entwickelt. Ein zusätzliches Plus: Fehler und Alarme beheben die Techniker bei der Option HovalRemote sehr schnell in der Zentrale. Ein zeitaufwändiger Einsatz vor Ort ist in vielen Fällen gar nicht notwendig, was Ärger bei Kunden und unangenehme Ausfallzeiten reduziert.
Hoval sorgt dafür, dass in Hotels, Spitälern, Schulen und Mehrfamilienhäusern die Duschen warm und im Sommer die Räume kühl bleiben. Die Spezialistin für integrierte Raumklimalösungen blickt auf mehr als 70 Jahre Erfahrung zurück, exportiert seine Systeme in mehr als 50 Länder. Darunter die Wärmepumpe UltraSource, der Gas-Brennwertkessel TopGas comfort und die vernetzten Fernwärmelösungen TransTherm.
Schweizer Qualitätssiegel
Hoval fördert die Verbreitung klimafreundlicher Technologien. Sämtliche Biomassekessel führen das Schweizer Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz, alle Wärmepumpen das Gütesiegel EHPA, alle Solaranlagen die Keymark-Zertifizierungen.
Peter Schatte, Hoval: Vorausschauende Wartung erkennt Störungen, bevor sie Schaden anrichten können. Ausfallzeiten werden dadurch nahezu komplett vermieden und die Kundenzufriedenheit steigt.
Quelle: Hoval
PoC hat Feuerprobe bestanden

Auf Basis von SAPs IoT-Plattform Leonardo hat das Unternehmen eine Fernwartung und -Konfiguration für seine Systemlösungen entwickelt. Seine Feuerprobe hat die Innovation im SAP-Inkubator, der ‘Mode-2 Garage’ in Dübendorf bereits bestanden. «Anfangs waren wir skeptisch, ob wir zusammen mit SAP das Projekt zum Fliegen bringen», berichtet Peter Schatte, Leiter Produkt- und Projekt-Management bei Hoval. «Beim Pitching mit mehreren Anbietern hat SAP dann aber die insgesamt überzeugendste Lösung präsentiert».
Hoval hat schon vor SAP mit dem Internet der Dinge (IoT) Lösungen gebaut. Das Upscaling der firmeneigenen IoT-Plattform, der Hoval Desk, wäre aber sehr kostenaufwändig gewesen. «Wir hätten sehr viel Geld in den Hoval Desk stecken müssen, um ein Upscaling für die Use Cases der Zukunft gewährleisten zu können», beschreibt Schatte die Situation. Deshalb fiel nach gründlicher Überlegung die Entscheidung, den Desk durch SAP Leonardo abzulösen.
Kernproblem Konnektivität gelöst
Das Kernproblem anfangs war die Konnektivität und die sehr hohe Anzahl von Datenpunkten (24.000 im Vollausbau). Der Heizkessel oder die Wärmepumpe stehen im Keller. Sie sollen aber trotz der ungünstigen Lage auf Parameteränderungen, die etwa der Hausmeister auf seinem Handy vornimmt, in Echtzeit reagieren. Ändert sich zum Beispiel das Wetter, dann muss die Vorlauftemperatur im Kessel zweckentsprechend angepasst werden. Ansonsten besteht die Gefahr, das Gebäude am nächsten Tag zu unter- oder zu überheizen.
SAP löste das Kommunikationsproblem durch eine sogenannte TargetValue Property (aus IoT Application Enablement), die vom Mobile über ein eigens entwickeltes Kommandosystem der Heizanlage mitteilt, dass bestimmte Parameter geändert werden sollen. Im Detail: Ein Cloud Agent, der auf dem Gateway läuft, empfängt über das für Machine-to-Machine-Kommunikation optimierte Transportprotokoll MQTT (Message Queuing Telemetry Transport) die Befehle, verarbeitet sie und stellt sie an die Anlage durch. Akzeptiert die Anlage die gewünschten Werte, wird eine Kommandobestätigung (Command Acknowledge) zurückgesendet und der Befehl in der mobilen App als abgeschlossen markiert.
Simon Kessler, Consultant bei SAP Schweiz
Quelle: SAP
Prototyp erfolgreich getestet

Der gesamte Vorgang dauert weniger als eine Sekunde. «Mit dem in der Mode-2 Garage gebauten Prototypen in Dübendorf wurden sowohl die Reaktionszeiten des Systems optimiert als auch die Warnmeldungen der Anlage mit einem Testsystem umgesetzt»; erklärt Simon Kessler, Consultant bei SAP Schweiz. Der Prototyp (Proof of Concept) hat seinen Testlauf erfolgreich absolviert. Für die Entwicklung der bidirektionalen Kernkommunikation hat der Heizungs- und Raumklimaspezialist nicht mehr als zwei Wochen benötigt.
Hovals innovative Online-Lösung besteht aus zwei Komponenten: (1) HovalConnect verbindet die Anlagen der Kunden mit dem Server. Das Paket besteht aus einem Gateway, auf dem der oben beschriebene Cloud Agent läuft. Zusätzlich wird eine Zugriffsberechtigung für den Kunden eingerichtet. (2) HovalRemote ist eine Dienstleistung, welche die Verfügbarkeit der Anlage erhöht. Störungen werden schnell und effizient behoben. Zusammen mit HovalConnect und einem Wartungsvertrag für den Vor-Ort-Service bildet HovalRemote das Gesamtpaket für eine Rundum-Dienstleistung.
Alarm im Hotel Monfort
In vielen Störfällen ist ein Vor-Ort-Wartungstechniker gar nicht mehr nötig. Angenommen, um 2:00 Uhr nachts fällt im Hotel Monfort die Wärmepumpe aus. Das System sendet eine Störmeldung an die HovalRemote-Zentrale. Dort kann die Wartungsmannschaft das Problem lösen. Die Gäste des Grand Hotels bemerken nichts davon und geniessen morgens wie gewohnt ihre warme Dusche.
Kunden wünschen Business Continuity
«Unsere Kunden – Hotels, Schulen, Schwimmbäder, Wohnanlagen, Gewerbe und Industrieanlagen – legen auf einen unterbruchfreien Geschäftsbetrieb (Business Continuity) grossen Wert», betont Schatte.  Dieses Feedback habe er aus vielen Gesprächen mit Kunden erhalten. Anfang April dieses Jahres startet in Österreich ein gross angelegter Feldtest von HovalRemote, um das System unter realen Praxisbedingungen auszutesten.
Aber «das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang», sagt Schatte begeistert. Weitere Use Cases für Leonardo sind bereits angelaufen. So zum Beispiel ein Metering und eine Hydraulik-Visualisierung des Gesamtanlage beim Kunden. Das, so betont Schatte, seien jedoch kostenpflichtige Zusatzmodule, die sukzessive und auf Wunsch die Kernlösung ergänzen.
Meteo-Prognose steuert Heizkessel
Meteo-Prognosedaten steuern schon heute die Vorlauftemperatur des Heizkessels für den folgenden Tag. Bislang regelte das System die Vorlauftemperatur automatisch über den gemittelten Durchschnitt der letzten Tage. Abrupte Wetterwechsel, wie eine plötzliche Warm- oder Kaltfront, kann es nicht exakt berechnen. In Folge wird das Gebäude unter- oder überheizt. Eine Meteo-Prognose hilft, die Vorlauftemperatur des Heizkessels präziser einzustellen.
Vorausschauende Wartung
Der bereits realisierte Use Case Fernwartung (remote maintenance) soll ausserdem, so Schatte, durch eine prädiktive Wartung (predictive maintenance) erweitert werden, die Fehlerquellen aufspürt und behebt, bevor sie Schaden anrichten können. Mithilfe von Analytics und Künstlicher Intelligenz werden dadurch Ausfallzeiten nahezu komplett vermieden.
SAP Leonardo: die Kernbereiche
SAPs Cloud-Plattform Leonardo hilft Kunden, die Herausforderungen der digitalen Transformation gewinnbringend zu meistern. Es teilt sich in die Kernbereiche Internet der Dinge (IoT), Maschinelles Lernen, Analytics, Big Data und Blockchain auf. Der Kernbereich IoT, den Hoval im Einsatz hat, teilt sich auf in die applikativen Bereiche Connected Produkts, Connected Assets, Connected Fleet (Flotten-Management), Connected Infrastructure, Connected Markets und Connected People. Für alle Bereiche bietet SAP dedizierte Lösungen an, um Produkte, Anlagegüter und Gebäudeinfrastrukturen zu vernetzen und mit Services auszustatten. Wie zum Beispiel einer Fernwartung für Heizungs-, Lüftungs- und Warmwassersysteme. Einen weiteren Bonus bekommen SAP-Kunden wie Hoval kostenfrei mitgeliefert. Leonardo ist sehr gut in die Lösungswelt von SAP integriert, was sich auch bei der Entwicklung von innovativen Prototypen in der Mode-2 Garage immer wieder zeigt.

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