QR-Rechnung: Sind die Software-Hersteller parat?

Global Player und Schweizer QR

IFS' Country Manager Christoph Lüönd registriert wenig Nachfrage nach der QR-Rechnung
Quelle: IFS
In der Aufzählung und teilweise auch in den Listen fehlen die grossen internationalen Software-Hersteller: IFS, Microsoft, Oracle und der Weltmarktführer SAP. Alle vier waren ebenfalls fleissig, um ihre Schweizer Kunden bei der Umrüstung zu unterstützen. Sie haben sich dabei allerdings hauptsächlich auf ihre Vorzeigeprodukte beschränkt. Computerworld hat nachgefragt.

IFS: Kunden in der Testphase

Der schwedische Anbieter IFS ist mit der Lösung IFS Applications hauptsächlich in der Schweizer Industrie vertreten. Kunden sind mittelständische Betriebe wie der Büromaterialproduzent Biella, der Hausgerätehersteller Schulthess und der Prüfgeräte-Spezialist Sotax. Sie alle empfangen und stellen Rechnungen. «Die kundenseitige Nachfrage nach der QR-Rechnung ist zurzeit gering und wir gehen davon aus, dass sobald die Lieferanten unserer Kunden dies verstärkt einsetzen werden, sich auch die Nachfrage steigern wird», erklärt Christoph Lüönd, Country Manager Switzerland bei IFS. Allerdings seien die technischen Voraussetzungen für die QR-Rechnung bei der aktuellen Version von IFS Applications 10 bereits umgesetzt und erfolgreich bei SIX validiert. «Bei einigen Kunden sind wir derzeit in der Testphase», doppelt Lüönd nach.
Nach seiner Aussage werden künftig die QR-Rechnungen auch direkt in IFS Applications eingelesen und die Zahlungsläufe an die Banken – mit und ohne QR-Code – generiert und übertragen. Allerdings gäbe es bei einigen Kunden Abhängigkeiten von Drittanbietern und Schnittstellen, so dass die Implementierung individuell pro Kunde betrachtet werden müsse.

Microsoft: QR-Rechnung aktivieren

Aus Sicht von Adriano Perolini von Microsoft Schweiz ist die Einführung der QR-Rechnung ein «wichtiger Schritt in der Digitalisierung der Schweiz». Deshalb wolle der Anbieter seinen Kunden «von Anfang an die Möglichkeit bieten, von dieser Vereinfachung zu profitieren», so der Partner Technical Architect for Business Applications. Er und sein Team hätten für die Implementierung intensiv mit den Schweizer Dynamics-Partnern zusammengearbeitet. Ausserdem sei man über die technischen Anforderungen im regelmässigen Austausch gewesen mit SIX und mit Crealogix, der die Scanner-Geräte zum Einlesen der QR-Rechnungen verkauft.
Perolini lässt sich mit der Aussage zitieren, dass heute «die QR-Rechnungs-Funktionalität in den folgenden Applikationen aktiviert werden kann: Dynamics 365 Business Central (BC) und Dynamics 365 Finance & Operations (F&O).» Ausserdem könnten auch die Kunden mit den Vorgängerversionen, die sich im Mainstream-Support befinden, QR-Rechnungen verarbeiten. Der Microsoft-Verantwortliche nennt hier explizit Dynamics AX 2012 R3 (Support bis 12.10.2021) sowie Dynamics NAV 2016/2017/2018 (Support bis 13.04.2021, 11.01.2022 und 10.01.2023).

Oracle: keine Auskunft

Die Schweizer Banken sind mit fünf verschiedenen Oracle-Produkten bei den Firmenkunden in Kontakt: Oracle 12, Oracle Application 11.5.9, Oracle E-Business Suite Release 12.1.3, Oracle Payment Type 3 CHF Unstructured 1.01 und Oracle PS-FSCM Version 9.2. Sie alle sind mit Stand 3. Juli 2020 nicht kompatibel mit der QR-Rechnung.
Während die Software-Liste der Finanzinstitute immerhin Treffer zu Oracle liefert, fehlt der Hersteller in den Aufstellungen der Software-Partner von SIX als auch der Software-Bibliothek des Beratungshauses Topsoft. Oracle selbst hat innerhalb einer Woche keine Auskunft über die Unterstützung der QR-Rechnung in seinen Produkten geben können.


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