Tagung SNoUG 22.11.2019, 10:59 Uhr

HCL umgarnt Schweizer Notes-User

An der Tagung der «Swiss Notes User Group» gab sich der IT-Anbieter HCL hemdsärmelig, gestand Fehler ein und gelobte den Kunden rasche Hilfe für die Installationen in der Schweiz.
Helmut Sproll begrüsste rund 90 Gäste an der SNoUG-Tagung in Zürich
(Quelle: computerworld.ch )
Die Übernahme der früheren IBM-Produkte Connections, Domino, Notes und Sametime durch den IT-Konzern HCL klappte offenbar nicht so problemlos wie gewünscht. HCL sieht sich in dem Prozess weiterhin am Anfang, sagte General Manager Richard Jefts an der Jahrestagung der «Swiss Notes User Group» (SNoUG) in Zürich. SNoUG-Präsident Helmut Sproll monierte hauptsächlich die «holprige» Kommunikation mit den neuen Ansprechpartnern. Abseits der Kritik äusserten sich die Schweizer Notes-Anwender aber zufrieden mit den Fortschritten bei Produkten und Services.
Für offene Fragen oder bestehende Probleme der Schweizer Kunden mit den früheren Lotus-Produkten hatte HCL an dem Anlass einen «Help Point» aufgebaut. Er wurde von den rund 90 Teilnehmern rege besucht. Auch die Möglichkeit zum Eröffnen von Support-Tickets bei den Angestellten von HCL traf auf Interesse.
Allein die Tatsache, an einem Usergroup-Treffen mit Supportdienstleistungen präsent zu sein, offenbart die hemdsärmelige Herangehensweise von HCL: Der indische IT-Riese ist sich nicht zu schade, Fehler einzugestehen und wenn irgend möglich schnell auszubügeln. Und Fehler wurden gemacht. Der Chef der DACH-Organisation von HCL Software, Thomas Zeizel, ging so weit, die Versäumnisse auf einer Präsentationsfolie zu benennen: Bei zahlreichen Kunden seien die Bestandsdaten falsch gewesen. Weiter sei die Anmeldung an das Download-Portal «FlexNet» «holprig» gewesen und einige Downloads waren/sind nicht verfügbar.
Thomas Zeizel von HCL zählt weltweit rund 45'000 Kunden mit Domino-Installationen
Quelle: computerworld.ch
Den meisten Kunden konnte auf «Einzelfallbasis» schnell geholfen werden, betonte Zeizel aber auch. Und warb für Verständnis, denn er und seine Kollegen hätten seit der Übernahme im Sommer alle Hände voll zu tun gehabt. Darunter: Es mussten Ansprechpartner gefunden, Teams weltweit integriert, überall neue Systeme (für Entwicklung, Test, Vertrieb) aufgesetzt, neue Prozesse auf anderen Systemen (FlexNet, ServiceNow) abgebildet werden. Die meisten Umstellungen seien bis heute nicht beendet, sagte Zeizel. Allerdings arbeite HCL mit Hochdruck daran, den weltweit rund 45'000 Kunden mit Domino einen geregelten Betrieb anbieten zu können.
Die Bemühungen des Anbieters tragen offenbar erste Früchte: Einige Kunden mit Domino-Installationen, die in der Vergangenheit keine Wartungsgebühren mehr gezahlt haben, nehmen die Zahlungen wieder auf. «Die Software läuft auch ohne Wartung rund. In den Jahren des Stillstands gab es keinen Grund, für Produktinnovation zu zahlen. Nun entdecken die Kunden, dass HCL neue Funktionen und Software liefert, für die sich die Service-Gebühren wieder lohnen», benannte Zeizel den Grund für den Sinneswandel auf der Anwenderseite. Auf Jahressicht wachse die Anzahl der Rückkehrer um 60 Prozent.

Produktneuheiten bis Ende Jahr

Vor gut einem Jahr hatte HCL die Version 10 von Domino und Notes lanciert. Die ersten grossen Updates der Collaboration-Lösungen seit fünf Jahren waren von der Kundschaft nur zögerlich angenommen worden. Weder HCL noch die SNoUG konnten oder wollten auf Nachfrage von Computerworld ein Unternehmen benennen, das seine Systeme auf Version 10 migriert hat. Und nun steht schon Version 11 an.
HCL will am 4. Dezember an einem Anlass in Tokio die Produkte Domino 11, Notes 11, Connections 7.5 und Digital Experience 10 (früher: WebSphere Portal) lancierten, sagte Zeizel. Und weitere Versionen seien schon in der Planung, doppelte er nach. Das erklärte Ziel sei: «Einzigartige integrierte Lösungen anbieten, die Produktivität schaffen, wo andere Lösungen Grenzen haben.»

Die Schwächen von Microsoft

Grenzen hat HCL auch bei den marktführenden Produkten von Microsoft identifiziert. Wollten die Inder vor anderthalb Jahren noch den Wettbewerb frontal attackieren (Richard Jefts: «Wir werden Apple und Microsoftim Mail-Bereich die Stirn bieten.»), sind die Töne mittlerweile schon leiser – und vermutlich auch realistischer. «E-Mail ist kein grosses Investitionsziel mehr, die Domino-Applikationen allerdings schon», sagte Jefts diesmal. HCL wolle sich auf die Stärken der Software konzentrieren und die Commodity dem Markt – sprich grösstenteils Microsoft – überlassen.
HCLs Richard Jefts sucht in den nächsten Software-Generationen die Nähe zu Microsoft
Quelle: computerworld.ch
Die nächsten Versionen von Domino & Co. sollen sich in die marktgängigen Collaboration-Lösungen integrieren lassen, kündigte Jefts an. Zunächst ist eine Integration mit Microsofts Active Directory in Domino 11 geplant, weiter auch der Anschluss an Office 365. So hat HCL beispielsweise in SharePoint den Mangel an Collaboration-Funktionen identifiziert: Das Produkt werde hauptsächlich als Dateiablage mit Workflows verwendet. Mit einem Connections-Anschluss könnte SharePoint zu einer echten Plattform für die Zusammenarbeit ausgebaut werden, sagte Jefts. Bei dem populären Teams bemängelte der HCL-Manager die Praktikabilität in grösseren Arbeitsgruppen. Bis 20 Mitglieder sei Teams ideal, werden es mehr Teilnehmer, wird die Kommunikation bald unübersichtlich. Mit einem Connections-Layer liessen sich Projektgruppen in Teams besser isolieren und so die Produktivität aufrechterhalten.
Die Microsoft-Ergänzungen sind nach den Worten Jefts aber erst für die übernächste Software-Generation geplant. Einen konkreten Zeitplan nannte der Manager hier nicht.


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