Rein in die Cloud – raus aus der Cloud

Private Cloud mit Public-Draht

Quelle: IDC
Doch mittlerweile sind neben Containern weitere Technologien verfügbar, die den Transfer von Workloads zwischen unterschiedlichen Clouds zumindest erleichtern sollen. Eine Option sind Datenmanagement-Lösungen und Datenbanken wie DataStax Enterprise. Dieses Angebot basiert auf der Open-Source-Datenbank Apache Cassandra, die wiederum für Private, Hybrid und Public Clouds in Betracht kommt. Nutzer können ein Database-Cluster aufsetzen, auf das Clouds unterschiedlicher Anbieter und Systeme im Unternehmensrechenzentrum zugreifen können. «Die Datenbank funktioniert auf jeder Plattform. Dadurch werden Anwender unabhängig vom Cloud-Anbieter», hebt Kasten Stöhr von DataStax hervor. Der Nutzer behält zudem die Kontrolle über seine Datenbestände.
Eine weitere Möglichkeit, die Portabilität von Workloads zu erhöhen, ist der Einsatz von speziellen Hyper-Converged-In­frastructure-Systemen. Ein Beispiel ist die Hybrid Cloud In­frastructure (HCI) von NetApp. Im Gegensatz zu klassischen Hyper-Converged Infrastructures, die ebenfalls als HCI bezeichnet werden, lassen sich bei NetApps Version Storage- und Server-Ressourcen separat erweitern. Bei traditionellen HCIs erfolgt der Ausbau immer im Gleichschritt, indem weitere HCI-Knoten hinzugefügt werden. «Die NetApp-HCI-Plattform kann als Erweiterung der Public Cloud in das eigene Rechenzentrum betrachtet werden», so NetApp-VP Peter Wüst. Die Orchestrierung von Kubernetes und weiteren cloudnativen Apps findet in der Cloud statt - in einem Serviceportal. Dort wird festgelegt, ob die Services auf Azure, AWS oder auf der Google Cloud Platform laufen sollen oder auf dem eigenen HCI-System. «Damit wird die Multi-Cloud Realität, die Grenzen zwischen Cloud und Rechenzentrum verschwimmen», ergänzt Wüst. Das gilt auch für Daten und Anwendungen.

Unabhängigkeit

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der HCI-Pionier Nutanix mit seiner Enterprise Cloud. Mit dieser Software kann ein Nutzer eine Private Cloud einrichten, und das unabhängig von den eingesetzten Infrastruktur-Komponenten und Hypervisoren. Über Schnittstellen (APIs) lässt sich diese In­fra­struktur mit Public Clouds koppeln, beispielsweise IaaS-Plattformen und Online-Storage-Diensten wie Amazon S3. «Auch die Migration von Workloads in die Public Cloud und zurück ist möglich, und zwar auf Basis geschäftlicher Überlegungen», erläutert Markus Pleier, Director Systems Engineering Central Europe bei Nutanix.
“Ein einfacher Weg zur Migration von Workloads zwischen Cloud-Services hat sich durch Container ergeben, egal ob dabei Private oder Public Clouds involviert sind. „
Markus Hahn, Director Data Center bei Logicalis
Aber auch Pleier räumt ein, dass die Cloud-Portabilität Grenzen hat. Wenn Unternehmen IaaS-Dienste als Basis für Workloads nutzen, ist es mit Lösungen wie Nutanix Enterprise Cloud machbar, diese Anwendungen und Daten in eine Private Cloud zurückzuverlagern. Bei Software-as-a-Service-Angeboten ist das problematisch. Das heisst, Firmen müssen sehr genau überlegen, welche Applikationen sie as a Service nutzen wollen. Denn ein Wechsel des Public-Cloud-Service-Providers oder eine Cloud Repatriation ins eigene Data-Center kosten Zeit und Geld.
Für Unternehmen, die Virtualisierungslösungen von VMware einsetzen, kommen zudem Angebote wie VMware Cloud on AWS oder Azure VMware Solutions in Betracht. Damit können Firmen eine Private Cloud auf Basis von VMware in Richtung Public Clouds von AWS und Microsoft erweitern. Nach Angaben des Herstellers ist dabei die Portabilität von Workloads zwischen den hausinternen und Public Clouds sichergestellt. VMware hat im November auf der «VMworld Europe 2019» angekündigt, dass VMware Cloud on AWS künftig auch über Anbieter von Managed Services (MSPs) verfügbar sein wird. Sie können Kunden somit bei der Migration von Workloads in die Public Cloud von AWS unterstützen.

Express-Weg in die Cloud

Auch für Unternehmen, die wegen zu hoher Latenzzeiten und Performance-Problemen über einen Rückzug aus Public Clouds nachdenken, gibt es eine Option. Sie können besonders schnelle Datenverbindungen nutzen, die die Cloud-Service-Provider anbieten. Alle führenden An­bieter stellen solche Express-Wege bereit, etwa Microsoft mit ExpressRoute oder AWS mit Direct Connect. Je nach Anbieter sind Verbindungen ab 50 MBit/s verfügbar. Die Obergrenze beträgt derzeit 100 GBit/s. Die Provider nutzen für die Datenübertragung ihre eigene Netzwerk-Infrastruktur. Eine Klippe lässt sich jedoch auch mit Hilfe solcher Breitbandverbindungen nicht umschiffen: Wenn zwischen dem Firmenrechenzentrum und dem nächstgelegenen Zugangspunkt (Point of Presence) zum Netz des Providers lahme Internetverbindungen vorhanden sind, hilft auch eine Gigabit-Leitung nicht weiter.


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