Schweizer Internetnutzer: Grosse Angst vor Überwachung

Vertrauen in Inhalte nimmt ab

Rund 6 von 10 Schweizer Internetnutzern (63 Prozent) halten zumindest die Hälfte aller Internetinhalte für glaubwürdig. Im Jahresvergleich zeigt sich seit 2013 ein deutlicher Rückgang in der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Internetinhalten. Webseiten von Regierung und Behörden, der SRG und Bezahlzeitungen werden als überwiegend vertrauenswürdig eingeschätzt. Seiten von Gratiszeitungen und Inhalten auf sozialen Netzwerken wird weniger Vertrauen geschenkt. Der Anteil an Personen, welche im Internet Fakten überprüfen, ist zwischen 2013 und 2017 stark angestiegen und liegt dieses Jahr bei 71 Prozent.

Skepsis bezüglich E-Voting

Insgesamt glaubt die Schweizer Bevölkerung nicht, dass sich durch das Internet die demokratische Qualität des politischen Systems der Schweiz weiter verbessert. Nur jeweils eine Minderheit glaubt, dass Bürger aufgrund der Internetnutzung mehr Mitsprache (21 Prozent) und mehr Macht (27 Prozent) haben können, dass sie Politik besser verstehen (39 Prozent), oder dass Verwaltung und Politik wichtiger nehmen, was sie denken (27 Prozent).
Im Jahresvergleich zeigt sich dennoch eine Tendenz zu steigender Zuversicht in digitale Demokratisierung. Die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (51 Prozent) würde eine elektronische Wahl- oder Abstimmungsmöglichkeit begrüssen, wobei Personen ab 70 Jahren E-Voting deutlich skeptischer gegenüberstehen als Jüngere. «Die vieldiskutierten Sicherheitsmängel bisheriger E-Voting-Systeme zeigen Wirkung, doch liegt hier ein Potenzial, die geringe Wahlbeteiligung der Jungen zu erhöhen», sagt Latzer.
Weltweite Vergleichstudie
World Internet Project
Das World Internet Project (WIP) ist eine vergleichende Langzeitstudie. Sie erfasst in 30 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internets im internationalen Vergleich und analysiert soziale, politische und ökonomische Implikationen der Netzentwicklung.
Das WIP-CH-Projekt wird von der Abteilung Medienwandel & Innovation des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Michael Latzer seit 2011 durchgeführt. Es basiert auf einer repräsentativen telefonischen Befragung von 1122 Personen ab 14 Jahren, die im Mai/Juni 2019 von DemoSCOPE durchgeführt wurde. Mitglieder des Projektteams 2019 sind Moritz Büchi und Noemi Festic.

Autor(in) pd/ jst


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