Die Frauen der Schweizer ICT 23.01.2019, 10:51 Uhr

Sandra Völler: «In der Beratung zählen sehr viele weibliche Qualitäten»

Frauen sind in der Schweizer ICT-Branche selten anzutreffen – geschweige denn in Führungspositionen. Computerworld hat bei der Agilita-Chefin Sandra Völler nach den Gründen des Frauenmangels und möglichen Lösungsansätzen gefragt.
Sandra Völler ist Geschäftsführerin des SAP-Systemhauses Agilita
Computerworld: Von den 500 grössten Schweizer ICT-Anbietern werden nur 20 von Frauen geführt. Weshalb ist dieser Anteil so gering?
Sandra Völler: In der Schweiz gibt es generell wenig Frauen in Führungspositionen. Das ist kein Phänomen der ICT-Branche. Es ist nicht einfach, Familie und eine zeitlich dermassen anspruchsvolle Aufgabe unter einen Hut zu bringen.
Computerworld: Wie könnten aus Ihrer Sicht in Zukunft mehr Frauen für ICT-Berufe begeistert werden?
Völler: Schon in der Schule sollten die vielen Schattierungen der verschiedenen ICT-Berufe besser aufgezeigt werden. Es gibt nicht nur die verschrobenen Programmierer und die PC-Schrauber. Leider wird das Berufsbild schlecht vermittelt. Unsere Berufe in der IT-Beratung kommen beispielsweise gar nicht vor.
Computerworld: Wie unterstützen Sie die Mitarbeiterinnen Ihrer Firma?
Völler: Ich leite ein Mentoring-Programm und habe für unsere jungen Frauen eine Gruppe gegründet: die Mentos. Hier werden Themen diskutiert, die den jungen Frauen am Herzen liegen. Zudem werden sie mit Coaching und speziellem Training gefördert. Wir treffen uns regelmässig und haben eine eigene WhatsApp-Gruppe für spontanen Support.
Computerworld: Inwieweit achten Sie beim Anstellen von neuen Mitarbeitenden auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis?
Völler: Ich freue mich immer, wenn wir eine Stelle mit einer Frau besetzen können. Leider gibt es in der ICT-Branche so wenige von ihnen. Und trotzdem gelingt es manchmal. Die Leitung unseres Digital Transformation Consultings hat im August des letzten Jahres beispielsweise eine junge Dame übernommen. Bei uns wird aber jedes Dossier betrachtet – egal, ob Mann oder Frau. Denn SAP-Berater sind generell ein «knappes Gut».
Computerworld: Weshalb sollten Frauen aus Ihrer Sicht eine Karriere in der ICT-Branche starten?
Völler: Die IT ist eine junge, gleichberechtigte Branche. Gerade in der Beratung zählen sehr viele weibliche Qualitäten – Kommunikation, Organisation und Empathie. Es ist daher ein idealer Ort, um Karriere zu machen. Auch Teilzeitarbeit ist immer möglich, übrigens auch für junge Männer.


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