Jobs in Zeiten der Digitalisierung: Mut ist gefragt

200 Millionen für die digitale Bildung

Adrian Wüthrich ist Präsident des Dachverbands der Arbeitnehmenden TravailSuisse
Quelle: TravailSuisse
Fast die Hälfte aller Berufe könnte durch die Digitalisierung wegrationalisiert werden, prophezeite bereits 2013 eine Studie der beiden Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael Osborne. «Dass es soweit kommt, glauben wir allerdings nicht», sagt Adrian Wüthrich, Präsident des Dachverbands der Arbeitnehmenden TravailSuisse. «Allerdings ist der Wandel im Gang und Berufe verschwinden tatsächlich.» Er rät Firmen, ihre Belegschaft für die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen zu sensibilisieren und wo möglich auch Weiterbildungen zu offerieren. «Das können nicht alle Unternehmen bieten. Viele Arbeitnehmer, die in Folge veränderter Berufsbilder aus dem Arbeitsleben ausscheiden, haben heute kaum Möglichkeiten, den Wiedereinstieg zu schaffen», warnt Wüthrich. Denn regionale Arbeitsvermittlungszentren bieten in aller Regel Weiterbildungen an und sind nicht in der Lage, umfangreiche Ausbildungen anzubieten – selbst wenn das womöglich die einzige Chance auf eine Rückkehr ins Arbeitsleben ist. «Hier sehen wir auch den Bund in der Pflicht», sagt Wüthrich. Seit Längerem weibelt er deshalb für ein entsprechendes Budget beim Bund.
«Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat mir mit­geteilt, dass er vorsieht, für bessere Weiter­bildungs­mög­lichkeiten im Bundesrat einen Sonderkredit in der Grössenordnung von 200 Millionen Franken vorzuschlagen.» Neu ist der Sonderkredit mit dem Namen «Aktionsplan Digitalisierung» nicht, geändert hat sich allerdings dessen Umfang. Bereits letzten Sommer sprach Schneider-Ammann von einem Zusatzkredit «in der Grössenordnung von 150 Millionen Franken», der für die digitale Grundbildung bereitgestellt werden solle. Das eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), dessen Vorsteher Schneider-Ammann ist, bestätigte auf Anfrage Wüthrichs Aussagen und erklärte den Hintergrund: Im Herbst vergangenen Jahres seien die Massnahmen des Aktionsplans zusammen mit den Kantonen, der ETH und der KTI (die heutige Innosuisse) vertieft worden.
Für die Umsetzung des Ak­tionsplans 2019/2020 plant das WBF nach eige­nen Angaben Investitionen von rund 200 Millionen Franken. Die Mittel sollen zum grossen Teil aus bestehenden Krediten für Bildung, Forschung und Innovation des WBF getragen werden. Für Wüth­rich ein Schritt in die richtige Richtung. «Der Bundesrat hat erkannt, dass es Handlungsbedarf gibt. Allerdings gehen wir bei TravailSuisse davon aus, dass es rund eine halbe Milliarde Franken braucht, um die Folgen der Digitalisierung durch Bildung auffangen zu können.» Dabei hat Schneider-Ammann im Bundesrat bereits einen schweren Stand mit seiner For­derung. Schon die von ihm im Sommer des letzten Jahres vorgeschlagenen 150 Millionen Franken wurden zurückgewiesen.


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