Jobs in Zeiten der Digitalisierung: Mut ist gefragt

Daten führen zu neuen Ideen

An innovativen Mitarbeitern fehlt es dem Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen nicht. Für Amtsleiter und Kantonstierarzt Albert Fritsche steht daher die Digitalisierung der Daten im Zentrum: «Früher haben wir Daten erhoben, eine Auswertung gemacht, die Ordner dann im Archiv deponiert und irgendwann dem Kanton übergeben», sagt er. Heute arbeite das Amt vermehrt elektronisch und entwickle sich zum papierlosen Büro. «Die Digitalisierung eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten. War früher oft eine einzige Daten­auswertung die Regel, bevor der Aufwand zu gross geworden wäre, sind heute schnell zwei oder drei weitere durchgeführt. Und je mehr Daten wir haben, desto mehr Ideen kommen.»
“Je mehr Daten wir zur Verfügung haben, desto mehr Ideen kommen„
Albert Fritsche, Leiter Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, Kanton St. Gallen
Der Einbezug von Datenbeständen anderer Kantone und der Bezug von weiteren Beständen beim Bund seien Beispiele, die für eine ganz neue Datenqualität sorgten und neue Möglichkeiten eröffneten. «Das sind Dinge, die früher gar nicht möglich waren», betont Fritsche. Und wie geht der Amtsleiter mit dem Tatendrang seiner Mitarbeiter um? «Eine der grössten Neuerungen ist eine neue Datenbank, die uns auch das effiziente Erarbeiten von Abfragen erlaubt. In ihr sind die Daten aller Betriebe im Kanton St. Gallen abgelegt», führt Fritsche aus. Und genauso wichtig: Die Datenbank führen die Mitarbeiter im Aussendienst stets mit sich. «Unsere Kontrolleure haben nicht mehr nur einen Ordner, sondern alle Daten dabei, wenn sie einen Bauernhof besuchen», sagt Fritsche.
Zuvor wurden Berichte noch von Hand geschrieben und ein Durchschlag den Bauern überreicht. «Diese Durchschläge verblassten so schnell, dass sie nach zwei Tagen überhaupt nicht mehr lesbar waren.» Heute ist nicht nur das Laptop oder ein Tablet mit dabei, sondern auch ein mobiler Drucker: Der Bericht kann vor Ort ausgedruckt und mit einer automatisch generierten Rechnung überreicht werden. Das kommt nicht nur bei den Kontrolleuren, sondern auch bei den Bauern gut an. Das Amt erscheint transparenter. Eine der grössten Sorgen ist für Fritsche der Datenschutz: «Uns stellen sich Fragen, etwa ob wir die Daten von Bauernhöfen in einem anderen Kanton überhaupt besitzen dürfen und wie weit Datensätze analysiert und ausgewertet werden dürfen. Die Einhaltung der geltenden Bestimmungen hat für uns oberste Priorität.»

Mut, Vertrauen und Fachkräfte

Die präsentierten Beispiele stimmen zuversichtlich. Viele Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand kommen bereits gut durch die Digitalisierung und transformieren erfolgreich ihre Geschäftsprozesse. Und nicht nur das: Sie bauen Wissen auf, fördern die Entwicklung ihrer Mitarbeiter und bieten ihren Kunden verbesserte Services. Für den Erfolg braucht es aber auch die Bereitschaft zu Investitionen: in Mut, Vertrauen und Manpower.
Allerdings zeichnet sich auch ab, dass viele Arbeitnehmer schon früher an ihre Grenzen stos­sen, als manchen bewusst ist. Die Automatisierung von Aufgaben in Abteilungen wie Produktion, Lagerung oder dem kaufmännischen Bereich, der Datenanalyse und vielem mehr lässt erahnen, dass die digitale Trans­formation nicht nur Möglichkeiten schafft, sondern auch Arbeitsplätze überflüssig machen und Karrieren beenden wird. Bleibt zu hoffen, dass neben der Wirtschaft auch die Politik frühzeitig die Weichen stellt und in die digitale Grund- und Weiterbildung investiert.


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