Bedrohungen 24.07.2019, 13:15 Uhr

Angeblich «kritische» Lücke im VLC-Player offenbar nur halb so wild

BSI und CERT hatten vor einer kritischen Sicherheitslücke im VLC Media Player gewarnt, sogar mit der Empfehlung, das Programm zu deinstallieren. Nun entpuppt sich die Warnung als Sturm im Wasserglas.
(Quelle: Richard C. G. Øiestad/VideoLAN)
Update 24. Juli 2019, 13:15 Uhr:

Lücke im VLC Media Player nur halb so wild

Die schwerwiegende Sicherheitslücke (siehe ursprünglichen Artikel, unten), vor der die deutschen Bundesorganisationen BSI und CERT gewarnt hatten, ist offenbar entweder weit weniger schlimm als zunächst behauptet oder sogar auf den allermeisten Systemen überhaupt nicht existent.
Die VideoLAN-Entwickler halten sowohl in ihren Kommentaren im Bugtracker als auch auf Twitter daran fest, dass sie die angebliche Sicherheitslücke nicht reproduzieren könnten. Schuld sei eine externe (also nicht von VideoLAN stammende) Softwarebibliothek namens libebml, die jedoch vor über einem Jahr (libedml Version 1.3.6) bereits gepatcht worden sei. Seit Version 3.0.3 des VLC Media Players werde die korrekte, reparierte Version dieser Bibliothek ausgeliefert:

Alles Folge eines Irrtums?

Zur Zeit sieht es so aus, als habe der Fehler mit der möglichen Remote-Code-Ausführung lediglich auf einem Computer mit einem älteren Ubuntu 18.04 gezeigt werden können. Auf diesem war offenbar die (nicht von VideoLAN stammende) Softwarekomponente libebml noch in der verwundbaren Version vorhanden.
Jean-Baptiste Kempf, der Chef-Entwickler bei VideoLAN in seinem vorläufig letzten Kommentar im Bugtracker: «Merke: Wenn du eine Sicherheitslücke meldest, update wenigstens vorher deine Linux-Distribution».
Computerworld  empfiehlt: Ein Deinstallieren des VLC Media Players ist nicht nötig. Prüfen Sie den VLC Media Player sowie Ihr Betriebssystem gelegentlich nach Updates. Öffnen Sie im VLC das Menü Hilfe. Hier lässt sich im Menüpunkt Über die aktuelle VLC-Version anschauen und es gibt auch einen Befehl Nach Aktualisierungen suchen.

Ursprünglicher Artikel:

Kritische Sicherheitslücke im VLC-Player entdeckt

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einer kritischen Sicherheitslücke im VLC Player. Angreifer haben durch das Leck die Möglichkeit, beliebigen Code auf infizierten Rechnern auszuführen. Nutzer des Open-Source-Programms sollten sich laut BSI dringen nach einer Alternative umsehen.
Auch das Computer Emergency Response Team (CERT) des Bundes warnt vor der Gefahr. Version 3.0.7.1 des beliebten Media Players VLC Player weisst eine schwerwiegende Schwachstelle auf. Diese ermöglicht Remote-Attacken auf die Systeme der Opfer. Hacker könnten damit beliebigen Code aufspielen und ausführen. Betroffen sind Nutzer der Plattformen Windows, Linux sowie UNIX.
Während die deutschen Behörden aus Sicherheitsgründen darauf verzichten, die Schwachstelle näher zu beschreiben, stellt die «National Vulnerability Database» der USA mehr Informationen dazu bereit.
Angriffsvektor mit niedriger Komplexität
Auch die USA stufen die Lücke im VLC Media Player als kritisch ein, da zu deren Ausnutzung weder explizite Zugriffsrechte für die Hacker benötigt werden. Laut den Experten weisst der Angriffsvektor eine niedrige Komplexität auf. Eine Interaktion mit der Software auf dem betroffenen System vonseiten des Nutzers ist nicht erforderlich.
Auch VLC beziehungsweise die zuständigen Entwickler von VideoLAN haben sich des Problems angenommen. Wann ein Sicherheitsupdate ansteht, ist noch nicht bekannt. Allerdings ist bisher auch noch kein Fall bekannt, in dem die Lücke tatsächlich ausgenutzt wurde. Bis ein entsprechendes Update bereit steht, ist allerdings dringend davon abzuraten, den VLC Media Player zu verwenden. Nutzer sollten sich besser nach einer alternativen Lösung umsehen, so auch das BSI.



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