Algorithmus für bessere Fahrpläne 13.08.2018, 14:47 Uhr

Die SBB lancieren einen Crowdsourcing-Wettbewerb

Um das Erstellen von Fahrplänen zu optimieren, gehen die SBB neue Wege. IT-Cracks sollen Ideen für die Entwicklung eines neuen Algorithmus liefern. Der Sieger erhält 7000 Franken.
Täglich befördern die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) über 1,2 Millionen Menschen und 210'000 Tonnenkilometer Fracht auf mehr als 10'000 Zügen. Dabei erreichen die SBB im internationalen Vergleich eine herausragende Pünktlichkeit. Was auch notwendig ist, denn Herr und Frau Schweizer erwarten bekanntlich, dass der Zug oder Bus pünktlich eintrifft und wieder losfährt. Bereits wenige Minuten Verspätung verärgern viele.
Die Planung des dicht getakteten Fahrplans ist eine Herausforderung. Das wissen die SBB und gehen nun neue Wege, wie «Watson» schreibt. Auf der Plattform crowdAI.org haben die SBB eine sogenannte «Train Schedule Optimisation Challenge» ausgeschrieben. CrowdAI ist eine gemeinnützige Open-Source-Plattform für datenwissenschaftliche Herausforderungen. Die Plattform wurde durch das Digital Epidemiology Lab der ETH Lausanne (EPFL) gebaut und wird durch das EPFL betreut. Genutzt wird CrowdAI von Universitäten, Behörden, NGOs und Unternehmen.

Ideen für einen Algorithmus

Ziel des Wettbewerbs ist es, dass die Teilnehmer den SBB Ideen für einen Algorithmus liefern, um das Problem der Fahrplanerstellung und -optimierung anzugehen. Laut SBB gibt es keine kommerzielle Software auf dem Markt, die ein algorithmisches Entscheidungsunterstützungssystem in dem Umfang erfüllt, wie sie dies bräuchten.
Die SBB stellen eine Reihe von Beispielproblemen zur Verfügung, die aus einer Liste der zu planenden Züge, ihren kommerziellen Anforderungen und einer Reihe von Routen bestehen, welche die Teilnehmer durch das Netz fahren können. Die Herausforderung besteht darin, einen Zeitplan für diese Problemfälle zu erstellen. Das Datenset steht hier zur Verfügung.
Momentan sind 122 Teilnehmer registriert (Stand: 13. August 2018/12:24 Uhr). Der Wettbewerb läuft noch 88 Tage; somit haben die Teilnehmer noch bis zum 9. November Zeit, ihre Beiträge einzureichen. Die SBB bezeichnen das Echo auf Nachfrage als «sehr gut». «Es machen bereits auch Teams von ausserhalb der Schweiz mit», so SBB-Sprecher Daniele Pallecchi, zu Computerworld.

Bis zu 7000 Franken Preisgeld

Die drei besten Einsendungen werden mit Geldpreisen ausgezeichnet. Für den ersten Preis winken 7000 Franken, für den zweiten Platz gibt es 5000 Franken und der Gewinner auf dem dritten Treppchen erhält noch 3500 Franken. Laut Pallecchi eine angemessene Entschädigung, was auch das internationale Echo auf die Ausschreibung zeige. «Es geht um Denkanstösse und nicht ums Entwickeln eines ganzen Fahrplans», sagt der SBB-Sprecher weiter. Für die Entwicklung hätten sie bereits seit Langem eigene Fahrplan-Planungskompetenzen aufgebaut.
Laut der Ausschreibung werden ausgewählte Teilnehmer mit «vielversprechenden Lösungen» zudem an die Applied Machine Learning Days 2019 in Lausanne eingeladen. Die Reisestipendien erhalten jedoch nicht automatisch die bestbewerteten Einreichungen. Es könne sein, dass eine Einreichung nicht sehr gut abschneide, weil z.B. nur die Hälfte der Problemfälle gelöst werden konnte. Wenn der gewählte Ansatz jedoch eine originelle und vielversprechende Idee zeigt, welche die SBB weiter ausbauen möchten, könne man zu den Gewinnern gehören, heisst es in der Projektbeschreibung weiter.

Publikation der Resultate ist gestattet

Wie der SBB-Sprecher erklärte, dürfen alle Teilnehmer ihre wissenschaftlichen Resultate publizieren. «Man darf nicht vergessen, dass sich herausragende Talente auf diese Weise weltweit der Scientific Community präsentieren können.»
Ab wann die Erkenntnisse in die SBB-Planung einfliessen, ist noch unklar. «Weiter ins Detail möchten wir beim derzeitigen Projektstand nicht gehen», sagt der SBB-Sprecher dazu.


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