29.09.2006, 09:09 Uhr

ERP auf offenen Wegen

Auch vor der ERP-Welt macht Open Source nicht Halt. Mit dem offenen AvERP betritt ein bereits bekanntes System mit grossen Schritten die Bühne der Geschäftsprozesse.
Max Kleiner ist Projektingenieur und Inhaber von Kleiner Kommunikation.
Jede Firma ist anders, hat in Sachen ERP andere Anforderungen, Vorstellungen und Wünsche. Obwohl ein System versucht, die Prozesse einer Firma sehr weitläufig abzudecken, werden bei fast allen Unternehmen Veränderungen benötigt. Diese variieren in Umfang von Anpassung und Erweiterung von optischen Komponenten oder Umbenennen von Feldern bis zur Neuentwicklung von Modulen. AvERP wurde mit dem Gedanken entwickelt, dass ein System schnell und leicht anzupassen sein muss.
Kleinere logische oder optische Anpassungen lassen sich zum Teil sogar während des laufenden Betriebs von AvERP ändern, das heisst, es ist nicht nötig, dass Mitarbeiter sich ausloggen oder AvERP verlassen, nur weil beispielsweise eine Maske oder ein Formular eine Änderung erfahren hat. Grössere Modifikationen setzen meist Programmierkenntnisse voraus, sind aber möglich, auch wenn es sich um ganz neue Module handelt. Dies ist realisierbar, denn der Quellcode befindet sich gleich mit auf der CD-ROM.
Wie sieht das Lizenzmodell aus? Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Das Lizenzmodell untersagt Dritten, kostenpflichtige Dienstleistungen wie Beratungen an AvERP zu erbringen und AvERP- oder Synerpy-Markenzeichen, -Rechte oder Domain-Namen zu benutzen. Dies gilt jedoch nicht für die durch Synerpy zertifizierten Unternehmen.
Sonst wird die Software unentgeltlich zum Download oder durch Datenträger jeder interessierten Firma überlassen. Der Lizenznehmer ist auch berechtigt, unkompilierte Versionen von AvERP uneingeschränkt zu verändern.

Schnell einsatzbereit

Die Installation ist für ein derartiges Gesamtpaket erstaunlich einfach. Wird den Installationshinweisen gefolgt, so ist AvERP in wenigen Minuten einsatzbereit. Auf der CD sind alle für eine Installation auf einem Einzelrechner oder einem Netzwerk von AvERP benötigten Programme vorhanden. Im Weiteren müssen zusätzlich Interbase Server und Interbase Client auf den jeweiligen Rechnern installiert werden. Später folgende Änderungen lassen sich in einer Konfigurationsdatei (AvERPConnect.cfg) speichern.
Nach dem Start erscheint das Hauptmenü (siehe Abbildung). Als Erstes gilt es in der Regel, das Geschäftsjahr umstellen. Die Navigation selbst ist intuitiv strukturiert und in einzelne Masken aufgeteilt. Masken, die aufgerufen werden können, sind durch ein eigenes Symbol gekennzeichnet. Ein Doppelklick auf das Symbol oder die Bezeichnung öffnet die entsprechende Maske. Unterprogramme der Masken sind durch das jeweilige Symbol gekennzeichnet. Diese lassen sich generell aus der übergeordneten Maske starten, sind aber für Suchzwecke auch direkt aufrufbar. Ein zugehöriges Favoritenmenü kann sich jeder Benutzer selber einrichten.
Anhand des Bestellvorganges einer Ware lässt sich kurz exemplarisch zeigen, wie AvERP funktioniert:
1. Maske Bestellungen öffnen,
2. In den Einfügen-Status wechseln, um einen neuen Datensatz anzulegen,
3. Lieferantennummer eingeben, gegebenenfalls über Relation suchen,
4. Eventuell Versand- und Zahlungsbedingungen eingeben,
5. Abspeichern oder Versenden.
Über die Masken von AvERP lassen sich Informationen nur bedingt abfragen und darstellen. Um komplexe Abfragen und Statistiken zu ermöglichen, ist es möglich direkte Datenbankabfragen zu stellen, die das System entweder in einem Auflistfenster anzeigt oder in einer Datei speichert. Dann sind die Dateien weiter für eine Tabellenkalkulation oder Ähnlichem verfügbar. Sowohl die Statistiken wie der Abfragegenerator bieten diese Flexibilisierung an. Die Anweisungen für die Abfrage lassen sich von jenen, die der Sprache SQL 95 mächtig sind, direkt im Textfeld eingeben. Ein so genannter Griddruckmanager bietet die Möglichkeit, die in einer Maske oder der Datenübersicht angezeigten Felder und Daten optisch aufzubereiten, Formeln und Kalkulationen zu hinterlegen und Auswertungen zu fahren.
Lesen Sie mehr darüber in der aktuellen Ausgabe 39 der Computerworld.
Max Kleiner



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