«Gates rief mich an»

Legendäre Partys mit Bill Gates

CW: Wie war Ihr Verhältnis zu den Microsoft-Mitgründern Steve Ballmer und Bill Gates?
Blum: Mit Steve Ballmer pflegte ich stets ein sehr herz­liches und offenes Verhältnis. Allerdings war die Arbeit mit ihm auch knallhart. Ballmer ist hochintelligent und sehr getrieben von Marketing sowie Sales. Er arbeitete bis zum Umfallen mit dem höchsten Commitment, was ich jemals erlebt habe von einer Person für eine Firma. Mit Bill Gates war das Verhältnis anfangs noch distanziert. Über die Jahre hinweg näherten wir uns aber sehr an – auch über das Geschäftliche hinaus. Auch für ihn stand das Business immer an erster Stelle, wobei er aber stets darauf achtete, dass der Spass nicht zu kurz kam. Die Partys mit Gates waren legendär. Hier über Details zu sprechen, verbietet jedoch der Anstand. Durch die herausragenden Geschäfte in der Schweiz, die in den zehn Jahren unter meiner Führung eines der profitabelsten Länder war, hatte ich viele Freiheiten. Einmal im Jahr wurden wir zur Budgetpräsentation nach Redmond eingeflogen. Dort konnte ich zumeist berichten, dass die Schweiz ihre Ziele übertroffen hatte. Den entsprechenden Bonus gab ich in Form von «Big Partys» an die Mitarbeiter in der Schweizer Niederlassung weiter.
Peter A. C. Blum (links) 1995 mit dem dama­ligen Microsoft-CEO Bill Gates an einer Fragerunde im Bundeshaus
Quelle: Peter A. C. Blum privat
CW: Wie war Ihr beruflicher Werdegang nach Ihrem Ausscheiden bei Microsoft 2001?
Blum: Nach dem Abgang bei Microsoft dauerte es einen Monat, bis 14 meiner ehemaligen Microsoft-Mitarbeiter mir den Vorschlag unterbreiteten, gemeinsam eine Firma zu gründen. Es entstand das Software-Haus Skybow, das ich nach weiteren zehn erfolgreichen Jahren wieder verkaufte. Zudem stieg ich 2002 bei Goldbach Media als Verwaltungsratspräsident ein. Als die Firma 2007 an die Börse ging, gab ich den Vorsitz ab, blieb aber noch bis 2015 im Verwaltungsrat. Daneben gründete ich im Jahr 2003 mit einem Freund die erste Billigfluggesellschaft der Schweiz. Die Helvetic Airways verkauften wir dann 2006.
CW: Haben Sie noch heute Bezug zu Microsoft Schweiz?
Blum: Wenig. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums nahm ich 2014 an einem Anlass mit allen früheren CEOs von Microsoft Schweiz teil. Abseits davon vermeide ich es, unnötig mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten.
CW: Sind Sie weiterhin operativ tätig?
Blum: Ja, allerdings nicht mehr im IT-Markt. Ich bin seit 2013 Verwaltungsratspräsident von SwissComply. Die Firma bietet Dienstleistungen für Vermögensverwalter, Family Offices und kleinere Banken an. Wir beraten die Kunden zu den neuen Regulierungsvorschriften wie Fidleg, Finig etc. betreffend Compliance- und Riskmanagement.Im Jahre 2010 gründete ich zudem – als reines Hobby – gemeinsam mit Freunden die Webseite Zwischengas.com. Das digitale Nachschlagewerk listet ausnahmslos alle Oldtimer – inklusive sämtlicher technischen Daten. Zwischengas.com hat sich unterdessen zum grössten deutschsprachigen Oldtimer-Portal entwickelt.
CW: Natürlich bietet sich hier die Frage nach Ihrem absoluten Lieblingsauto an …
Blum: [lacht] Eines meiner Autos, das mir wirklich am Herzen liegt, ist der Jaguar XK 150 S. Mit dem zweisitzigen Roadster war ich viel unterwegs, fuhr unter anderem Rallyes in Frankreich und Marokko. Mein Modell von 1957 ist nicht einmal besonders selten oder teuer. Aber ich bin mit ihm während der letzten 20 Jahre immer gerne und zuverlässig unterwegs gewesen.
Zur Person
Peter A. C. Blum
gründete 1979 die Software-Firma Computer- Terminal AG. Zehn Jahre später übernahm er als erster General Manager die Leitung von Microsoft Schweiz. Das Unternehmen baute er während zehn Jahren auf. Anschliessend startete er mit Skybow eine weitere Firma, die er ebenfalls nach zehn Jahren verkaufte. Parallel war Blum an der ersten Schweizer Billigfluggesellschaft, Helvetic Airways, beteiligt. Goldbach Media und heute SwissComply waren weitere Stationen.


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