«Fehlende Fokussierung bremst Innovation»

Innovative Technologien für das Swisscom-Geschäft

CW: Sehen Sie neben dem 5G-Mobilfunk noch weitere innovative Technologien im Swisscom-Geschäft?
Lehner: Es mag nicht sehr attraktiv tönen, aber die All-IP-Umstellung war auch ein grosser Schritt für die Kunden und uns. Das Austauschen der alten Telefonanlagen und Voice-Applikationen hat viel Mühe bereitet. Aber es war die Vo­raussetzung dafür, um mit der Kommunikation im digitalen Zeitalter anzukommen.
Insbesondere bei den Grosskunden räumen wir derzeit noch die «Altlasten» auf. Heikel waren hier die Blaulicht­organisationen, bei denen die Kommunikation natürlich von besonders hoher Bedeutung ist. Die Verantwortlichen haben teilweise fünfmal nachgefragt, ob die IP-Technologie wirklich so sicher wie die früheren Funknetzwerke ist. Nun nähern wir uns aber dem Abschluss, sodass wir im Frühjahr nächsten Jahres auch alle Lifttelefone und Kühltruhen auf die digitale Technik umgestellt haben.
CW: Vermutlich hat Swisscom mit den alten Anlagen und auch der Umstellung viel Geld verdient …
Lehner: Das ist sicher richtig. Mit dem Ablösen mancher Installationen wurden aber auch bestehende Umsätze vernichtet. Jedoch haben wir uns bei der Umstellung nicht allein von kommerziellen Aspekten leiten lassen. Es ging um die Zukunftsfähigkeit der Schweizer Kunden, die wir dank IP-Technologie nun mit neuen Produkten und Dienstleistungen bedienen können – sei es Cloud, IoT (Internet of Things) oder Security.
CW: Welche Hilfestellung gibt Swisscom den Kunden bei Innovationsprojekten?
Lehner: Wir haben vor ca. zwei Jahren ein Dienstleistungsportfolio für KMU zusammengestellt: Smart ICT. In erster Linie wird hier der digitale Arbeitsplatz thematisiert. Es sind einerseits die klassischen Desktop-Anwendungen und andererseits zentrale Services wie Dateiablage und Benutzerverwaltung via Active Directory. Die Anwender können alle Standarddienste – jenseits der Fachapplika­tionen – von Swisscom beziehen. Wer mehr individuelle Leistungen und Kundennähe wünscht, kann den digitalen Arbeitsplatz auch via Partner einkaufen.
CW: Sie bezeichnen den Workplace als ersten Schritt in der Digitalisierung. Wie sieht der digitale Arbeitsplatz aus der Perspektive der Swisscom aus?
Lehner: Der Standardarbeitsplatz basiert in erster Linie auf HP-Hardware und hauptsächlich Microsoft-Software. Wir arbeiten aber daran, dass sich zum Beispiel Apple-Produkte und andere Lösungen im Workplace nutzen lassen.
Hinzu kommen die zentralen Infrastrukturdienste wie eben Benutzerverwaltung, File-Ablage und Workflows. Sie sollen nicht mehr aus dem lokalen Rechenzentrum oder dem Abstellraum, sondern je länger, je mehr aus der Cloud bezogen werden. Für die Migration haben wir Tools ent­wickelt, die den Prozess nahezu komplett automatisieren.


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