Angst vor der Flaute

Brexit und andere Unsicherheiten

Auch die vielen Unsicherheiten wie beispielsweise der drohende ungeregelte Brexit oder der Handelsstreit der USA mit China, die sich ausserhalb der Schweizer Landesgrenzen zusammenbrauen, werden von den Branchen­vertretern genau und teilweise auch mit der einen oder anderen Sorgenfalte beobachtet. 
«Solche Unsicherheiten bremsen häufig die Investitionstätigkeiten in grosse ICT-Vorhaben und führen verstärkt zu Kostendruck», gibt etwa Lehner zu bedenken. Auch die Co-Chefin von Trivadis sieht das ähnlich. Zwar sehe ihre Firma aktuell noch keine grösseren Auswirkungen auf das eigene Geschäft. 
“Die Konjunkturlage schätzen wir stabil ein, aber mit gebremstem Wachstumstempo„
Urs Lehner, Swisscom
«Eine Verschärfung, beispielsweise des Handelsstreits China/USA, würde aber sicher einen Einfluss auf die Investitionstätigkeit unserer multinationalen Kunden haben», betont sie hierzu.Gerade der von Campos hervorgehobene drohende Handelskrieg gibt auch Swisscoms Lehner zu denken. «Wenn die USA und China im Disput liegen, merken wir dies sehr wohl auch», sagt er. Schliesslich sei die ICT-Branche sehr global aufgestellt.
«Lösungen bestehen aus zahlreichen Komponenten internationaler Hersteller. Da kann es schnell durch solche Unsicherheiten zu Vertrauensverlust bei Kunden oder zu Lieferengpässen kommen, die auch die Akteure der ICT-Branche in der Schweiz stark spüren», argumentiert er. Funktionierende Lieferketten mit bestehender Planungssicherheit seien so schnell durch geopolitische Verwerfungen im Grundsatz infrage gestellt und müssten neu bewertet werden.
Camuso von T-Systems kann den Missstimmungen zwischen China und den USA aber auch Positives abgewinnen. Potenzielle Kunden könnten in dieser Situation versucht sein, Firmen mit einer Schweizer oder europäischen DNA zu bevorzugen, da diese ihnen mehr Sicherheit und Stabilität geben könnten.

Gutes Investitionsklima

Trotz der beschriebenen Unsicherheiten ist die ICT-Industrie hierzulande guten Mutes. Das hat nicht zuletzt auch mit der Negativzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank zu tun. Denn dadurch sitzt das Geld sowohl bei den Anbietern als auch bei den Anwenderfirmen etwas lockerer in der Tasche. 
«Es eröffnet uns und auch unseren Kunden eine gute Chance, neue Investitionen in Innovation günstig und langfristig zu finanzieren», meint etwa Pierre Savoy, CEO von SPIE Schweiz. Gabriele Meinhard, Managing Director von Tech Data Schweiz, sieht das ähnlich. 
«Geld ist – bei entsprechender Bonität des Kunden – so günstig wie fast noch nie», sagt er. Es sei daher eine gute Zeit zum Investieren. «Das wirkt sich positiv auf die gesamte Industrie aus», führt er an.


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