Nachfrage nach IT-Fachkräften in der Schweiz steigt weiter an

Spezielle Situation in Zürich

Eine besondere Situation herrscht in Zürich, wo Google seinen mit 4000 Entwicklern zweitgrössten Forschungsstandort weltweit betreibt und weiter wachsen will. Google hat natürlich keinen Mangel an Bewerbern. Entwickler, die Google verlassen, haben jedoch nicht selten Schwierigkeiten, eine neue Stelle zu finden. Oft sind sie auf Technologien spezialisiert, die noch lange nicht marktreif sind. Kaum jemand spricht Deutsch. Sie sind ausgesprochen verwöhnt, was Arbeitszeiten und Arbeitsumfeld betrifft, und schliesslich haben sie deutlich mehr verdient, als ihr zukünftiger Vorgesetzter in einem anderen Unternehmen erhält. Für viele Firmen kommen daher Ex-Googler nicht als Mitarbeiter in Frage – wie es auch ehemalige Banker schwer haben, in anderen Industriesegmenten eine neue berufliche Heimat zu finden.

Einstellung in den Unternehmen muss sich ändern

Manche Unternehmen haben sich noch immer nicht von der Vorstellung verabschiedet, Kandidaten müssten dankbar sein, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Doch es ist genau umgekehrt: Die Firma muss dankbar sein, dass jemand vorbeikommt! Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend noch verschärfen wird. Entsprechend gross ist der Handlungsbedarf bei den Unternehmen.
Die Herausforderung beginnt mit der Eigenwerbung, die sich – wenn sie überhaupt vorhanden ist – in erster Linie an potenzielle Kunden richtet. Die Wirkung auf Stellenbewerber wird kaum berücksichtigt. Allein eine veraltete Website kann jedoch reihenweise Spezialisten davon abhalten, sich weiter für einen Arbeitgeber zu interessieren.
Dann die Stellenausschreibung: Wenn sie nicht frisch und jugendlich formuliert ist, werden sich die gewünschten Kandidaten kaum darauf bewerben. Auch der Bewerbungsprozess ist massgeblich – und zwar nicht die Systeme, die dabei zum Einsatz kommen, sondern die Wertschätzung, die den Kandidaten entgegengebracht wird. Dazu gehört auch, dass sich der Prozess nicht in die Länge zieht. Kommt es doch einmal zu Verzögerungen, gilt es die Kandidaten zu informieren, will man sie nicht an die Konkurrenz verlieren. Viele Unternehmen sind noch viel zu sehr in den alten Denkmustern haften geblieben und betrachten den Stellenbewerber als Bittsteller.
Ganz besonders müssen Unternehmen sich anstrengen, um die Arbeitsumgebung zu modernisieren. Die richtigen Leute sollen nicht nur angezogen, sondern auch gehalten werden! Denn wenn die Mitarbeiter erst einmal produkt- und prozessspezifisches Wissen aufgebaut haben, kommt es einem Aderlass gleich, wenn sie das Unternehmen verlassen.
In der Schweizer Politik hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden; der Lehrplan 21 sieht sogar Programmierkurse in der Schule vor. Als rohstoffarmes Hochlohnland bleibt der Schweiz auch gar kein anderer Weg, als sich auf Technologien und somit auf IT zu konzentrieren.
Autoren
Patricia Jergen und Thorsten Morschheuser 
sind IT-Recruiting-Experten beim Personaldienstleister Hays.


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