Nach Datenskandal 09.04.2018, 12:15 Uhr

Facebook informiert und räumt auf

Heute will Facebook alle Nutzer informieren, deren Daten an Dritte weitergegeben wurden. Zudem suspendierte das Unternehmen einen weiteren Datenanalyse-Anbieter, bei dem Verbindungen zur Muttergesellschaft von Cambridge Analytica bestünden.
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(Quelle: I AM NIKOM / shutterstock.com )
Heute will Facebook seine Nutzer weltweit über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren. «Wir werden es jedem mitteilen, dessen Daten von Cambridge Analytica betroffen sein könnten», sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Information soll ganz oben im Newsfeed von Facebook auftauchen. Auch alle Apps, mit denen Nutzer auf Facebook verbunden sind, sollen dort in einer eigenen Mitteilung zu sehen sein. Es soll eine einfache Möglichkeit geben, diese Apps zu löschen, kündigte Sandberg an.
Mitte März wurde bekannt, dass die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica unrechtmässig an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war – ohne deren Wissen. Zuletzt war zudem bekannt geworden, dass das Ausmass der Datenaffäre deutlich grösser ist, als zuvor angenommen. So könnten Information von bis zu 87 Millionen Nutzern auf unrechtmässige Weise an die britische Datenanalyse-Firma gelangt sein, die US-Präsident Donald Trump zum Sieg verholfen haben soll. Auch in der Schweiz sind rund 30'000 Nutzerinnen und Nutzer vom Datenskandal betroffen, wie ein Facebook-Sprecher dem «Blick» mitteilte.

Details unklar

Noch immer ist aber unklar, welche Informationen der Nutzer genau bei der umstrittenen Firma Cambridge Analytica gelandet sind und was damit passiert ist. «Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat», sagte Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Interview mit der «Financial Times». Sandberg kündigte an, dass Facebook den Fall genau untersuchen werde. Zuerst sei aber die britische Regierung mit ihren Ermittlungen am Zuge. «Sie haben Vorrang, weshalb wir zum Stehen gekommen sind.» Wie schon Konzernchef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler in der Affäre ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.
Zuckerberg, der sich bereits in mehreren Interviews reumütig zeigte, stehen die ganz grossen Befragungen noch bevor. In dieser Woche muss er gleich zweimal vor US-Gremien Rede und Antwort stehen: Am Dienstag vor dem Justizausschuss des US-Senats, am Mittwoch vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses.

Aufräumaktion

In der Aufarbeitung des Datenskandals hat Facebook nun noch eine weitere Firma suspendiert. Sie soll eine Rolle beim Brexit-Referendum gespielt haben. Bei dem kanadischen Datenanalyse-Anbieter AggregateIQ hatten die Befürworter des Austritts Grossbritannien aus der Europäischen Union mehrere Millionen Pfund ausgegeben. Ein Facebook-Sprecher erklärte am Wochenende, Auslöser für die vorläufige Suspendierung seien jüngste Berichte über Verbindungen zwischen AggregateIQ und der Muttergesellschaft der Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica, SGL.


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