SwissID und Zuger Blockchain 23.03.2018, 13:23 Uhr

Der lange Weg zur digitalen Schweizer ID

Heute haben über 300'000 Schweizer Einwohner eine digitale Identität. Sie können damit allerdings kaum etwas anfangen. Zuger Bürger stimmen demnächst elektronisch ab.
Markus Naef von SwissSign hat bereits mehr als 300'000 digitale IDs ausgestellt
(Quelle: computerworld.ch )
Der Weg zur digitalen Schweizer ID ist offenbar noch weit. Das notwendige Gesetz ist noch nicht in Kraft, die Technologie noch in der Entwicklung. Einige Ausblicke in die digitale Zukunft gewährten das Unternehmen SwissSign und die Stadt Zug an einem Anlass des Entwicklungshauses ti&m in Zürich.
Das Gemeinschaftsunternehmen SwissSign hat bis anhin bereits über 340'000 digitale Identitäten ausgestellt. Täglich kommen Tausende hinzu. Das waren Aussagen von SwissSign-CEO Markus Naef. Er hat mit seinen Kollegen die Logins der Post auf SwissID (zwangs)umgestellt. Das frühere Post-Login wurde durch SwissID ersetzt. Nun sollen die 3,5 Millionen Kunden der SBB folgen, die Kunden von Versicherungen im Herbst. Weiter laufen Gespräche mit Kantonen und dem Bund, sagte Naef. Obgleich die Zahl der SwissIDs schon beachtlich ist, mahnte er zu höherem Tempo: «Die Schweiz ist nicht so weit wie sie sein sollte bei der digitalen Identität. Das Baltikum und Skandinavien sind weiter.»
Weiteren Fortschritt will SwissSign einerseits durch die Kooperation mit dem Gesetzgeber erzielen, anderseits mit dem Ausbau der Technologie. Das Unternehmen begrüsst nach Naefs Worten den aktuellen Gesetzesentwurf und rechnet mit dem Inkrafttreten spätestens Anfang 2020. Bereits Ende dieses Jahres sollen alle Funktionen der SwissID verfügbar sein: Login, Zwei-Faktor-Authentifizierung, geprüfte Identität, Datenübergabe an Identitätsprovider und die elektronische Unterschrift. Parallel will SwissSign die noch vorhandenen SuisseID migrieren.

Blockchain-ID der Stadt Zug

Einen eigenen Weg bei der digitalen Identität geht die Stadt Zug. «Wir wollen mit der Lösung einen Beitrag leisten zur Diskussion um die digitale Identität. Sie soll aber keine Lösung für die ganze Schweiz werden», sagte Stadtschreiber Martin Würmli über die Anwendung. Die Stadt Zug setzt auf die Blockchain-Technologie. Bürger bestimmen selbst, mit welchen Attributen (zum Beispiel Name, Geburtsdatum, Heimatort, Passnummer, Adresse) sie ihre Identität nachweisen wollen. Diese Attribute hinterlegen sie in einer Smartphone-App. Dann bestätigt die Stadtverwaltung ausschliesslich die Richtigkeit der Attribute. Dieses Zertifikat wird in einer Blockchain unveränderlich festgehalten.
Der Zuger Stadtschreiber Martin Würmli testet Anwendungen für die digitale ID
Quelle: computerworld.ch
Auch wenn sich Zug hinsichtlich der Bedeutung der lokalen Lösung bescheiden gibt, will die Stadtverwaltung doch verschiedene Anwendungsfälle testen. Würmli nannte beispielsweise die Alterskontrolle in einer Bar beim Kauf von alkoholischen Getränken, die Zufahrt zu einem Parkhaus oder die Kontoeröffnung bei der Zuger Kantonalbank. Gemeinsam mit ti&m soll zudem eine Abstimmungslösung programmiert werden. Die Zuger sollen allerdings nicht über die Zusammensetzung des Gemeinderats elektronisch abstimmen, sondern eher über die Farbe der Tulpen im Stadtpark. «Wir wollen uns als Verwaltung an das Thema herantasten», sagte Würmli. Angedacht sei auch, Fahrten mit dem selbstfahrenden Kleinbus «Milu» der SBB mithilfe der Blockchain-ID abzurechnen. Das Pilotprojekt startet Ende März.


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