«Datenschutz kann eine grosse Chance sein»

Pläne für Folgestudien

CW: Welche Aspekte würden Sie gerne in einer Folgestudie untersuchen?
Ebert: Interessant wäre sicherlich primär herauszufinden, ob die Auskunftsanfragen von Verbrauchern mit Einführung der neuen Regelungen zugenommen haben in den Firmen. Dann könnte man den Umsetzungsgrad erforschen. Haben Firmen sich schon um Privacy by Design gekümmert oder haben sie erst grundlegende Dinge erledigt wie das Erstellen eines Verfahrensverzeichnisses.
Ein weiterer Punkt wäre herauszufinden, ob die Datenschutzbemühungen der Firmen aus Sicht des Konsumenten überhaupt wirksam sind. Ist das Datenschutzniveau gestiegen oder wird nur ein bürokratischer Overhead mit viel Papier erzeugt? Das wäre eine spannende Frage.
Ein weiterer Forschungspunkt wäre herauszufinden, inwiefern der Datenschutz als Wettbewerbsvorteil sichtbar wird. Wäre es zudem möglich, das Mehr an Datenschutz auch mit höheren Preisen zu belegen? In der Schweiz gibt es ein paar Start-ups, die genau dies versuchen wie ProtonMail, SnowHaze und Threema. Meine Frage lautet hier: Wenn Anwender dem Datenschutz eine grössere Bedeutung zukommen lassen, sind sie dann auch bereit, hierfür mehr zu zahlen?
CW: Apropos Endverbraucher: Sind diese in letzter Zeit sensibler geworden in Sachen Datenschutz?
Ebert: Hier beobachten wir einen grossen Unterschied zwischen der Einstellung und dem Verhalten. Wenn man die Konsumenten fragt, ob der Datenschutz für sie ein wichtiges Thema ist, dann bejahen sie dies meist. Das konkrete Verhalten ist dann aber meist anders und sehr situativ. Hier obsiegt dann oft die Bequemlichkeit. Aber auch hier erwarte ich mit zunehmender «Awareness» der Bevölkerung datenschutzorientierteres Verhalten.
Zur Person
Dr. Nico Ebert
ist Dozent für Wirtschaftsinformatik an der Fachstelle für Prozessmanagement und Informationssicherheit der ZHAW School of Management and Law. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Business-Analyse und im Datenschutz. Er leitet den Studiengang «MAS Business Analysis».
Zur Person
Dr. Michael Widmer
ist Dozent für Datenschutzrecht am Zentrum für Sozialrecht/Zurich Center for Information Technology and Privacy der ZHAW School of Management and Law. Zudem ist er Rechtsanwalt bei Probst Partner in Zürich. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind IT-Recht, insbesondere Datenschutzrecht, sowie Immaterialgüterrecht. An der ZHAW betreut er unter anderem die Weiterbildung «CAS Datenschutzverantwortliche».


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