Produktentwicklung 11.07.2018, 11:49 Uhr

Design Thinking: Kundenbedürfnisse stehen im Mittelpunkt

Design Thinking stellt bei der Entwicklung neuer Produkte den Nutzer in den Fokus. Das hilft, Bruchlandungen zu vermeiden.
Kreatives Chaos: Studenten an der HPI School of Design Thinking in Potsdam
(Quelle: HPI/Kay Herschelmann )
Selbst grosse und unschlagbar wirkende Internet- Konzerne wie Google produzieren immer wieder spektakuläre Flops. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Datenbrille Google Glass, die mit viel Rummel präsentiert wurde, aber bei den Kunden mit Pauken und Trompeten durchfiel. Schon nach ein paar Monaten wurde das Produkt wieder vom Markt genommen. Nun wird es in einer neuen, rein an Unternehmen ausgerichteten Form erneut vertrieben – aber weit stiller und ohne den vorherigen Wirbel.

Vermeidbare Misserfolge

Diese und weitere Pleiten sammelt das Museum of Failure im schwedischen Helsingborg. Dort sind ausserdem der Apple-PDA Newton, der BIC-Kugelschreiber nur für Frauen, eine Fleisch-Lasagne des Zahnpastaherstellers Colgate sowie ein Parfüm von Harley-Davidson zu sehen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie meist mit grossem Tamtam angekündigt wurden und auch eine Weile auf dem Markt zu finden waren. Aber dann mussten sie wieder aus den Regalen verschwinden, weil sie bei den Kunden keinen Erfolg hatten. Schon gar nicht auf Dauer. Bei den in Schweden ausgestellten Exponaten mag das aufgrund der teils skurrilen Produkte einerseits amüsant wirken, andererseits kosteten diese Fehlschläge die betroffenen Unternehmen in der Regel sehr viel Geld. Im schlimmsten Fall können solche Fehlschläge dazu führen, dass eine Firma bank­rottgeht oder aus finanziellen Gründen an einen Investor verkauft werden muss.
Entwicklung neuer Ideen: Design Thinking setzt neben dem mehrstufigen Prozess auf optimierte räumliche Gegebenheiten und multidisziplinäre Teams
Mit Design Thinking wären diese Bruchlandungen vermutlich nicht passiert. Dahinter versteckt sich ein theoretischer Ansatz, der zu einem strukturierten Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Insbesondere stehen dabei nach Angaben des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam «Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden im Zentrum». Beim Design Thinking sollen die Entwickler «in die Rolle des Anwenders» schlüpfen und «durch die Brille des Nutzers auf das Problem» schauen. Das HPI beschäftigt sich bereits seit 2007 mit Design Thinking und bietet seitdem Kurse zu diesem Thema an.
In den HPI-Workshops lernen Entwickler, Designer und andere Interessierte, die «Bedürfnisse ihrer Kunden und Nutzer besser zu verstehen». In sogenannten Open Courses sollen die Teilnehmer in kleinen Gruppen von maximal sechs Personen «Methoden zur Entwicklung von Problemlösungen kennenlernen», die sie dann später direkt im beruf­lichen Alltag einsetzen können. Des Weiteren sollen sie eine «neue Form von Arbeitskultur erleben, die auf Empathie, spielerischem Ausprobieren und einer nutzerorientierten Herangehensweise basiert». So sollen sie in die Lage versetzt werden, «wilde Ideen» zu entwickeln.

Andreas Fischer
Autor(in) Andreas Fischer


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