Interview CEO, CTO & CIO 08.01.2019, 06:31 Uhr

«Innovation ist in der DNS und Kultur von Bühler»

Der Industriekonzern Bühler treibt die Digitalisierung voran. Welche Vorteile daraus entstehen, erläutern der CEO Stefan Scheiber, der CTO Ian Roberts und der CIO Manfred Goetz im Interview.
CTO Ian Roberts, CEO Stefan Scheiber und CIO Manfred Goetz (von links) drücken bei der Digitalisierung von Bühler aufs Gas
(Quelle: Samuel Trümpy )
Die Geschäfte des Uzwiler Industriekonzerns Bühler laufen gut. Das Unternehmen ist global bekannt für Maschinen zur Verarbeitung von Getreide, Pasta und Schokolade. Die Maschinen sollen in Zukunft mit digitalen Services angereichert werden – zum Beispiel aus der Cloud oder in Form eines digitalen Zwillings. Welche Vorhaben ausserdem Teil der Digitalisierungsstrategie sind, sagen CEO Stefan Scheiber und CTO Ian Roberts im Interview. CIO Manfred Goetz gewährt einen Einblick, wie die Konzern-IT die Industrie 4.0 unterstützt.
Computerworld: Mit den letzten Produktlancierungen positioniert sich Bühler nicht mehr nur als Maschinenbauer, sondern auch als Datenkonzern. Wie viele Daten fliessen zwischen den Maschinen und Bühler?
Manfred Goetz: Lassen Sie mich mit der internen IT beginnen. Bei Bühler fliessen mittlerweile so gut wie alle Daten digital. Heisst im Umkehrschluss: Die IT bildet die Grundlage. Unsere IT-Prozesse und Systeme müssen immer funktionieren. Das gilt für die gesamte Bühler Gruppe, also auch für alle unsere Niederlassungen global. In den letzten zehn Jahren haben wir die regionalen IT-Systeme konsolidiert. Wir arbeiten mit einem einzigen ERP, einem CRM und einem PDM (Product Data Management System). Das SAP-ERP ist heute in 90 Prozent der Gesellschaften ausgerollt, was eine gute Grundlage für die weiteren Digitalisierungsprojekte ist. Zum Beispiel wird das Portal «MyBühler» aus dem ERP gespeist: Daten wie der Bestand eines Ersatzteils, der Preis und die regionale Verfügbarkeit liefert SAP.
Ian Roberts: Durch die Kooperation mit Microsoft haben wir die Voraussetzung geschaffen, heute rund 85 Prozent unserer Anlagen mit digitalen Services in der Cloud zu verbinden – diese Verbindungen setzen wir Schritt für Schritt um. Zum Beispiel können wir bereits seit Jahren auf die Sortiermaschinen aus unserer Division in London aus der Ferne zugreifen. Dies ist ein hoher Nutzen für unsere Kunden, denn die Anlagen sind sehr komplex und ihre Inbetriebnahme und Wartung ist sehr aufwendig.
Ein weiteres Beispiel sind die Produktneuheiten, die bereits mit einem direkten Link in die Cloud arbeiten. Der Analysekoffer «TotalSense» kontrolliert die Qualität von Reiskörnern mithilfe einer Cloud-Anwendung. Oder unsere «MoisturePro»-Lösung. Es ist ein IoT-Set für Trocknungsmaschinen, das via Cloud die optimalen Einstellungen für das Saatgut wählt. Für diese Lösungen haben wir erste Käufer gefunden, die es uns erlauben, neben den «Maschinen» auch Abonnements für die Cloud-Services anzubieten.
Sie sprechen die Partnerschaft mit Microsoft an. Warum fiel die Wahl auf diesen Anbieter?
Roberts: Ich würde gerne zuerst etwas ausholen und den Prozess schildern, wie es zu der Partnerschaft kam. Zu Beginn unserer Reise in das Internet of Things wussten wir noch nicht, welches der richtige Weg für Bühler ist. Wir hatten die Wahl zwischen langen internen Projekten oder externen Beratern ohne interne Lernkurve. Beide Optionen haben uns nicht überzeugt.
Welches Vorgehen wählten Sie stattdessen?
Roberts: Wir wählten sechs Partner aus und initiierten mit ihnen gemeinsam Pilotprojekte über sechs Monate. Anschliessend besassen wir 36 Monate Erfahrungen in verschiedenen IoT-Anwendungen, was uns viel besser positionierte für die Entscheidungsfindung. Und auch die Partner waren euphorisch: Fünf glaubten, schon während der Pilotphase die optimale Lösung gefunden zu haben, die sie uns sofort verkaufen wollten. Der sechste Partner sagte uns, dass niemand in der Branche zu 100 Prozent weiss, wie sich das umsetzen lässt. Dieser Partner arbeitete aber mit mehreren Unternehmen zusammen und konnte Erfahrungen aus verschiedenen Projekten teilen, um den Erfolg zu sichern. Das war Microsoft. Diese Ehrlichkeit und Offenheit für den Austausch auf Augenhöhe überzeugte uns. Wichtig war dann auch der hervorragende kulturelle Fit zwischen Bühler und Microsoft.
Goetz: Ein Vorteil von Microsoft ist das grosse Partnernetzwerk. Bei Marktbegleitern ist man auf den Software-Lieferanten oder wenige Partner beschränkt, bei Microsoft haben wir die Auswahl. Unser Partner, die Firma Codit, hat viele der Lösungen zusammen mit uns entwickelt.
Roberts: Hinzu kommt die mediale Aufmerksamkeit, welche die Partnerschaft mit sich bringt. Microsoft-CEO Satya Nadella und seine Kollegen sind offenbar begeistert von Bühler. Wenn Nadella im US-amerikanischen Fernsehen über die Projekte mit uns spricht, ist das die beste Werbung, die man sich vorstellen kann.


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