Umbruch beim Rüstungskonzern 19.03.2019, 17:33 Uhr

Bund privatisiert internationalen Teil der Ruag

Der Bundesrat macht den Technologiekonzern Ruag ab 2020 zu einer Beteiligungsgesellschaft mit zwei Subholdings. Die beiden Bereiche sollen sowohl finanziell als auch aus Sicht der IT-Systeme voneinander getrennt werden.
Der eine Teil der Beteiligungsgesellschaft – Ruag International – soll zu einem Aerospace-Konzern umgebaut und mittelfristig privatisiert werden
(Quelle: RUAG )
Beim bundesnahen Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag bleibt in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen: Der internationale Unternehmensteil soll vollständig privatisiert oder verkauft werden. Bereits im vergangenen Sommer hatte die Regierung bekanntgegeben, dass die für die Schweizer Armee tätigen Geschäftseinheiten der Ruag von den internationalen Bereichen getrennt werden sollen. Dadurch würden die Finanzflüsse und die Informatiksysteme der beiden Unternehmen getrennt und damit die Sicherheit und Transparenz erhöht, argumentierte der Bundesrat damals, zwei Jahre nach einer Cyber-Attacke auf den bundesnahen Betrieb.
Ebenfalls zur Disposition stellte die Regierung eine Privatisierung der internationalen Abteilung sowie den Verkauf einzelner Geschäftseinheiten. Diese vom Ruag-Verwaltungsrat durchgeführte und von Bund und Externen evaluierte Prüfung ist nun abgeschlossen, mit dem Ergebnis: In den nächsten rund zwei Jahren soll die heutige vom Bund kontrollierte Division Ruag International in ein eigenes privates Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen verwandelt werden.

Schrittweise Privatisierung

Weil das öffentliche Interesse am Eigentum eines solchen Unternehmens nicht mehr gegeben sei und die Rechtsgrundlage für eine Beteiligung an einem solchen Konzern fehle, wolle und müsse sich der Bund davon trennen, sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd. Die Aufgaben der Ruag für die Schweizer Armee blieben aber unter der Obhut des Bundes. Wann und wie genau die Privatisierung des internationalen Ruag-Teils über die Bühne gehen soll, ist noch offen. Im Vordergrund steht ein Börsengang, frühestens und «im Idealfall» im Jahr 2021. Alles solle aber «schrittweise» geschehen. Entscheide würden in den kommenden Monaten fallen.
Zu Beginn werden unter Ruag International auch jene Unternehmensbereiche weitergeführt, die nicht zur neuen Ausrichtung passen oder die aufgrund der Vernetzung mit dem Ausland nicht in den Schweizer Teil überführt werden können. Für diese Einheiten werden Partner gesucht, die für sie bessere Zukunftschancen bieten. Verkauft werden soll unter anderem die Munitionsdivision Ammotec. Nicht infrage kommt für den Bundesrat dagegen die Privatisierung der Beteiligungsgesellschaft sowie des Schweizer Teils der Ruag, der künftigen MRO Schweiz. Er wolle weiterhin deren Alleinaktionär bleiben und damit die für die Armee tätige Geschäftseinheit zu 100 Prozent beherrschen. Dazu gehören unter anderem die Wartung und Reparatur des Armeematerials und die Instandhaltung von «einsatzrelevanten Systemen» wie zum Beispiel der F/A-18-Flotte.

Getrennte Informatiksysteme

Juristisch wird die Ruag Holding AG ab Anfang 2020 eine neue Beteiligungsgesellschaft mit zwei Subholdings: Einerseits MRO Schweiz, die mit rund 2500 Mitarbeitenden für die Armee tätig sein wird; andererseits Ruag International für die übrigen Geschäftsbereiche mit rund 6500 Mitarbeitenden, wovon zwei Drittel im Ausland beschäftigt sind.
Diese beiden Subholdings werden separat geführt werden, finanziell voneinander unabhängig sein und mit getrennten Informatiksystemen arbeiten. Das Informatiksystem von MRO Schweiz wird in den Sicherheitsperimeter des VBS integriert. Damit werde die Informatiksicherheit auch im Nachgang zum Cyber-Angriff von 2016 weiter gestärkt, sagte Amherd.

«Folge unseres langjährigen Erfolgs»

Für Ruag-Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf ist mit der Teilprivatisierung der Weg frei, «die Erfolgsgeschichte der Ruag weiterzuschreiben». Das Unternehmen habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren von der Waffenschmiede des Bundes in einen international tätigen Technologiekonzern verwandelt. «Die Teilprivatisierung ist die Folge unseres langjährigen Erfolgs.»
Um in den verschiedenen Bereichen weiter wachsen zu können, brauche es Investitionen, die auch mit Risiken verbunden seien, sagte der Leiter der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Serge Gaillard. Der Bund sei dafür der falsche Ansprechpartner. Das Kapital, um den international tätigen Unternehmensteil langfristig auf gesunden Beinen halten zu können, müsse anderswo beschafft werden. Die Teilprivatisierung sei deshalb der richtige Schritt.


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