Drehkreuze der Bildung

Studiengänge individuell zusammenstellen

Ein Alleinstellungsmerkmal der FH Rapperswil sei auch, dass die Schule den Studierenden viele Freiheiten lasse. Das zeigt sich etwa in einem flexiblen Studienplan. Im Gegenzug werde von den Studierenden grosse Selbstständigkeit verlangt. «Wir folgen somit einem eher universitären Ansatz», sagt Richter. Das Konzept scheint aufzugehen. «Unsere Abgänger finden fast alle eine Stelle in der Region. So sind wir auch das Tor in die Ostschweiz für viele Zürcher, die bei uns studieren», schliesst Richter.
Zürich ist Sitz zahlreicher Hochschulen, wie etwa der Kaleidos Fachhochschule. An ihr können IT-Studierende ihren Bachelor aus 50 Modulen frei zusammenstellen. Hinzu kommen Variablen wie Unterrichtssprache und Klassengrösse. Bei der Kombination erhalten Studierende Unterstützung von der Berufsberatung und teilweise auch ihres Arbeitgebers.
Insgesamt stehen ihnen so etwa 200 Bausteine zur Auswahl. «Ganz neu werden wir auch die Möglichkeit anbieten, dass Studierende mit einem Projekt aus ihrem Unternehmen zu uns kommen und wir unterstützen sie dabei, das Studium so zu gestalten, dass sie alle nötigen Kompetenzen erwerben und stärken können, die sie für dieses Projekt brauchen», sagt Andrea Rögner, Prorektorin Innovation und Entwicklung. Gerade in der ICT passiere viel durch Lear­ning by Doing. «Wenn wir das Lernen am Arbeitsplatz fördern und fundiert mit Know-how und Expertise stützen können, ist das ein deutlicher Mehrwert für die Studierenden und die Unternehmen.» Die Fachhochschule richtet ihr Angebot in Aus- und Weiterbildung auf Studierende aus, die neben dem Studium arbeiten, oft in Vollzeit.

Hacken in der Teilzeitausbildung

Diese Entwicklung beobachtet auch Stefan Richter von der HSR: «An unserer Fachhochschule bemerken wir einen sehr viel stärkeren Trend zur Teilzeitausbildung», konstatiert er. Das habe auch damit zu tun, dass Firmen mit hohem IT-Anteil ihren selbst ausgebildeten Informatik-Lehrabgängern immer öfter ein Studium neben der Arbeit ermöglichten. «Das tun sie nicht etwa aus Spass, sondern weil sie händeringend Fachkräfte suchen.» Die Ausgebildeten gingen danach oft an die Fachhochschule und weil die Unternehmen ihre angehenden Fachleute natürlich halten wollten, seien sie heute eher dazu bereit, ihre neuen Mitarbeiter in Teilzeit zu beschäftigen.
Wer sich für Sicherheit interessiert, kann auch in einem Labor arbeiten, in dem Studierende versuchen, sich gegenseitig zu hacken. «Das Labor ist bei den Studenten unglaublich beliebt», sagt Richter.
Auszeichnungen
Von der FH zum Tech-Oscar
Cyrill Beeler/ETHZ
Thabo Beeler (2. v. l.) ging nach der Matur an die ETH Zürich – und brach das Studium gleich wieder ab. Lieber wandte er sich einer Ausbildung als Multimedia Producer zu und absolvierte danach ein Informatikstudium an der FH Rapperswil.
Für den Master ging er schliesslich zurück an die ETH und legte dort den nächsten Grundstein für einen Oscar: In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit der Gesichtsrekonstruktion. So kam er in Kontakt mit Disney Research in Zürich, wie Beeler im ETH-Blog erzählt.
Aus der Arbeit entstand das Capturing-System Medusa, das für Filme Gesichtszüge aufnimmt und auf digitale Figuren überträgt. Heute leitet Beeler bei Disney in Zürich das Team Capture & Effects und ist Teil des strategischen Programms Digital Humans bei Disney. Medusa wurde etwa bei «Pirates of the Caribbean», «Avengers» oder den jüngsten «Star-Wars»-Filmen verwendet.
Für Medusa wurde Beeler Anfang des Jahres zusammen mit drei seiner Kollegen mit einem Sci-Tech-Oscar ausgezeichnet (Scientific and Technical Award).


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