Finanzplatz Schweiz 22.08.2019, 16:19 Uhr

Privatbanken droht ohne Digitalisierung das Aus

Bei den Schweizer Privatbanken trennt sich offenbar bald die Spreu vom Weizen: Im schwierigen Marktumfeld hilft nur die Digitalisierung des Geschäfts. Das können sich nicht alle leisten.
Philipp Rickert von KPMG Schweiz hat auch die Auswirkung der Digitalisierung auf Privatbanken untersucht
(Quelle: KPMG Schweiz)
Den Schweizer Privatbanken geht es auf den ersten Blick relativ gut. Die Sparte insgesamt konnte ihre Geschäftszahlen im Jahresvergleich verbessern. Das Wachstum wird allerdings hauptsächlich von den grossen Privatbanken getragen. Kleinere Unternehmen mussten aufgrund hoher Betriebsausgaben, dem schwierigen Marktumfeld und dem Fehlen von Neukundengeldern teilweise herbe Verluste verbuchen. Das sind Momentaufnahmen aus der «Privatbankenstudie» der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und der Universität St. Gallen, die am Donnerstag in Zürich präsentiert wurde.
Die Studie basiert auf der Analyse der Geschäftsberichte von 87 in der Schweiz tätigen Privatbanken. Insgesamt sind noch 101 Institute präsent, nachdem während der letzten 18 Monate acht Unternehmen vom Markt verschwunden sind und ein Institut von der Finma die Bankenlizenz erhalten hatte. Nach Angaben von KPMG sind damit seit 2010 insgesamt 62 Privatbanken vom Finanzplatz Schweiz verschwunden.
Wie Christian Hintermann, Head of Advisory Financial Services bei KPMG Schweiz, an der Studienpräsentation sagte, zeigten die Ergebnisse, dass die Privatbanken übermässig von den Finanzmärkten abhängig sind. Das schwierige Marktumfeld des Jahres 2018 habe die Schwäche der Institute offengelegt: Die meisten – vornehmlich kleinen – Privatbanken hätten ihre Prozesse nicht ausreichend verbessert, um ihren Geschäftserfolg nachhaltig zu sichern. Nun litten sie unter hohen Kosten und den geringen Neukundenzuflüssen.

Mensch und Maschine

Ein grosser Kostenblock sind die Aufwendungen für das Personal, sagte Philipp Rickert, Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz. Rund 70 Prozent der Ausgaben entfallen typischerweise auf die Saläre der Mitarbeiter. Mittlerweile hätten die durchschnittlichen Jahresgehälter von 238'000 Franken wieder das Niveau von vor der Finanzkrise 2008 erreicht. Sie seien damit so hoch wie noch nie. Gleichzeitig verharre die Effizienz der Angestellten auf dem Nachkrisenniveau. Hier identifizierte Rickert einen Hebel, mit dem die Banken ihre Kosten drücken könnten.
Eine Minderheit von zumeist grossen Privatbanken hätte schon Massnahmen ergriffen, um ihre Effizienz zu erhöhen. Einerseits hätten sie Geschäftsprozesse im Backend grossflächig automatisiert. Andererseits arbeiteten sie mit Robo Advisors und neuen digitalen Schnittstellen für die wohlhabende Kundschaft. Diese Initiativen hätten einen positiven Effekt auf das Geschäftsergebnis, sagte Hintermann und doppelte nach: «Die Digitalisierung können sich aber nur die grossen Privatbanken leisten.»


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