Windows 10 erhält Augensteuerung

Microsoft implementiert nativen Eye-Tracking-Support in Windows 10. Dadurch lässt sich das Betriebssystem allein über den Blick des Nutzers steuern.

von Stefan Bordel 03.08.2017 16:03

Windows 10 soll schon bald nativen Eye-Tracking-Support erhalten. Microsoft hat nun die hierfür benötigte Erweiterung der Eingabehilfe entwickelt, wie das Unternehmen in einem Blogpost mitteilt. Nutzern ermöglicht die Technologie im Zusammenspiel mit entsprechender Hardware, das Betriebssystem allein über die Augen zu steuern. Davon sollen in erster Linie körperlich stark eingeschränkte Anwender profitieren.

NFL-Profi Steve Gleason (hier mit seinem Sohn) regte die Redmonder an, die Technik zu entwickeln NFL-Profi Steve Gleason (hier mit seinem Sohn) regte die Redmonder an, die Technik zu entwickeln

Idee aus einem Hackathon entstanden

Die Entwicklung des Systems geht zurück auf einen Hackathon aus dem Jahr 2014. Damals hatte der an ALS erkrankte NFL-Profi Steve Gleason die Redmonder dazu aufgefordert, neue Eingabehilfen für beeinträchtigte Nutzer wie ihn zu entwerfen. Bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) handelt es sich um eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Zumeist sind lediglich die Augen der Erkrankten nicht von den Symptomen der Krankheit betroffen.

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Ein erstes Ergebnis des Hackathons war der für Gleason entwickelte elektrische Rollstuhl «Eye Gaze Wheelchair», der sich rein über Augenbewegungen steuern lässt. Das Projekt sei von den Microsoft-Entwicklern derart enthusiastisch betrieben worden, dass die Redmonder ein eigenes Untersuchungsteam für Eye-Tracking-Technologie ins Leben riefen. Dies führte in der Folge zur Implementierung der Technologie in Windows.

Dank der nativen Eye-Tracking-Technologie lässt sich das Surface Tablet mit den Augen bedienen Dank der nativen Eye-Tracking-Technologie lässt sich das Surface Tablet mit den Augen bedienen

Der Eye-Tracking-Support in Windows 10 erlaubt die Bedienung des Mauszeigers und der virtuellen Tastatur über Augenbewegungen. Dadurch lassen sich prinzipiell sämtliche Operationen im Betriebssystem ausführen, die auch mit herkömmlichen Peripheriegeräten möglich sind. Darüber hinaus eröffnet die bereits vorhandene Text-to-Speech-Technologie in Windows körperlich eingeschränkten Personen neue Kommunikationswege.

Aktuell befindet sich der Eye-Tracking-Support noch in der Beta-Phase. Interessierte Nutzer können über die Insider-Builds von Windows 10 auf das Feature zugreifen. Um die Eye-Tracking-Funktion nutzen zu können, ist zusätzliche Peripherie wie etwa der Tobii Eye Tracker 4C erforderlich. 

Windows 10 Creators Update im Detail