Test: Internetbox 2

Die Swisscom lanciert ihren neusten Router. Doch er ist mehr als ein Router. Vermag die Box auch anderweitig zu überzeugen? Computerworld hats überprüft.

von Florian Bodoky 18.01.2017 15:12

Zum Jahresende lancierte die Swisscom ihren neusten Router, den sie schlicht Internetbox 2 nennt und so die Namensgebung (Internetbox, Internetbox Plus etc.) weiterführt. Das Gerät unterstützt den Wave-2-Standard und kommt im 5-GHz-Funkband angeblich auf einen maximalen Datendurchsatz von 2,2 Gbit/s. 450 Mbit/s sind es im 2,4-GHz-Band. Gleichzeitig bewirbt die Swisscom zahlreiche Zusatzfunktionen, soll die Internetbox 2 doch für eine ganzheitliche Heimvernetzung sorgen.

Das senkrechte Aufstellen bringt das beste Signal, benötigt aber fast 20 Zentimeter in der Höhe Das senkrechte Aufstellen bringt das beste Signal, benötigt aber fast 20 Zentimeter in der Höhe © PD

Doch dazu später mehr. Zunächst sticht der komplett neue Formfaktor ins Auge. Die Internetbox 2 ist ein rechteckiger Kasten, der senkrecht aufgestellt wird und ganze 18,8 Zentimeter in die Höhe schiesst. Die in Weiss gehaltene Front weist lediglich ein dezent eingeprägtes Swisscom-Logo, einen WPS- und WLAN-Button sowie eine kleine LED auf. Durch das unauffällige Design und interne Antennen lässt sich die Box eher ins Interieur des Wohnzimmers integrieren als ein Monster-Router wie z.B. ein Armor Z2. Und das muss die Box auch, denn im Unterschied zu den Swisscom-Vorgängern kann die Internetbox 2 nicht einfach mal so unter dem Bett oder im Schrank platziert werden.

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Rückseitig finden sich vier Gigabit-Netzwerk-Ports, ein Uplink- und ein Fibre-Port, zwei USB-Schnittstellen sowie zwei analoge Telefonbuchsen. Auch an einen (noch nicht aktivierten) Einschub für Smart-Home-Devices wurde gedacht. Da die Abschaltung des analogenelefonnetzes ins Haus steht, lässt die Swisscom ihre Box als DECT-Basisstation fungieren. Falls der Haushalt des Kunden also bereits auf IP-Telefonie umgestellt ist, lassen sich die Telefone drahtlos mit der Box verbinden, um so in den Genuss von HD-Telefonie zu kommen. Im Lieferumfang findet sich derweil das Übliche: Netzteil, LAN-Kabel, DSL-Kabel, Anleitung.

Die Inbetriebnahme gestaltet sich problemlos. Es empfiehlt sich, das Gerät für das Setup per LAN an einen PC oder Laptop anzuschliessen. Einmal angeschlossen, startet ein automatisches Setup, das durch die Sprach- und Sicherheitseinstellungen führt. Weitere Geräte lassen sich via Key-Eingabe oder WPS ins WLAN einbinden. Verschlüsselungsprotokoll ist WPA2.

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Ein spezielles Kränzchen winden muss man dem Router-Interface. Abgesehen von der grafisch angenehmen Gestaltung des GUIs sind alle Funktionen sinnvoll und nachvollziehbar angeordnet, zu keiner Einstellung benötigt man mehr als zwei Klicks.

Das Firmware-Update-Einspielen geht auch manuell Das Firmware-Update-Einspielen geht auch manuell © PCtipp

Zudem erlaubt die Internetbox 2 ein manuelles Einspielen von Firmware-Updates, Einrichten von Port-Weiterleitungen, MAC-Filtern etc. Da hat man bei Provider-eigenen Routern schon proprietärere Konfigurationen gesehen. Zu gefallen weiss auch die Vielfalt an angebotenen Funktionen. So verfügt die Internetbox 2 über eine Zeitschaltuhr, mittels derer genau festgelegt werden kann, wann die Verbindung zum Internet unterbrochen werden soll und wie lange. Dies erledigt die Box zum fraglichen Zeitpunkt selbstständig. Auch eine separate Zeitschaltuhr für das Gäste-WLAN wird angeboten, sodass man, nachdem die Gäste wieder gegangen sind, das Gäste-WLAN nicht mehr selbstständig deaktivieren muss.

Ein Gast-WLAN ist heute schon fast Pflicht und lässt sich hier auch fernsteuern Ein Gast-WLAN ist heute schon fast Pflicht und lässt sich hier auch fernsteuern © PCtipp

Dem Anspruch, für eine ganzheitliche Vernetzung sorgen zu wollen, kommt der Schweizer Branchenprimus nach: So fungiert die Internetbox 2 auf Wunsch als NAS. Wird über USB eine externe Festplatte oder ein Stick angeschlossen, kann von jedem im (W)LAN befindlichen Gerät auf die Daten zugegriffen werden. Dank der App ist auch ein Zugriff von ausserhalb, z.B. mit dem Smartphone oder dem Tablet, möglich. Hier machten wir allerdings die Erfahrung, dass die Geschwindigkeit des Datentransfers nicht ganz an jene eines klassischen NAS-Servers herankommt. Auch das Streamen von Filmen auf mobile, nicht im (W)LAN befindliche Geräte brauchte zu Beginn einen Moment fürs Buffering.

NAS, VPN, DNS-Dienst: In Sachen Fernzugriff ist die Internetbox 2 gut ausgerüstet NAS, VPN, DNS-Dienst: In Sachen Fernzugriff ist die Internetbox 2 gut ausgerüstet © PCtipp

Danach funktionierte es allerdings vorbildlich. Darüber hinaus rechtfertigt die Swisscom den hohen Preis des Routers (Fr. 299.–) mit VPN- und DNS-Funktion. Somit kann auch von extern auf das heimische Netzwerk zugegriffen werden und dank der Schritt-für-Schritt-Anleitung ist das Einrichten der VPN-Funktion kein Problem.

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Ein weiteres Feature des Geräts ist, wie bereits weiter oben angesprochen, die DECT-Basisstation (DECT = Digital Enhanced Cordless Telecommunications). Als DECT werden die Basisstationen bezeichnet, in denen man bis anhin das schnurlose Telefon nach dem Gespräch verstaut hat. Diese ist nun in der Internetbox 2 integriert und lässt sich, sofern HD-Telefon der Swisscom vorhanden, per Knopfdruck kabellos verbinden. Somit muss die Basisstation des Telefons nur noch mit der Stromsteckdose, nicht aber mit der Telefonbuchse verbunden werden. Ein HD-Telefon empfiehlt sich ohnehin sehr, denn ansonsten muss man die Telefongeräte per Kabel mit der Box verbinden.  Alles lässt sich via App steuern

Alles lässt sich via App steuern Alles lässt sich via App steuern © PCtipp

Hat man also mehrere Geräte, müssen diese alle im gleichen Raum stehen, oder aber man zieht meterlange Kabel durch die ganze Wohnung. Im Test mit den HD-Telefonen klappte die Inbetriebnahme bestens. Praktisch: Telefonbucheinträge werden automatisch zentral gespeichert. Somit kann jedes Telefon auf die Nummern zugreifen. Mittels Internet-Box-App (verfügbar für iOS und Android) lassen sich auch die Smartphone-Kontakte auf das zentrale Telefonbuch übertragen.

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Die ungewöhnliche Bauart der Internetbox 2 soll der Signalstärke förderlich sein. Ob dem so ist, können wir in diesem Test nicht sagen. Dass das Signal allerdings stark ist, können wir bestätigen. Auch mit zwei Stockwerken (Betonwände) zwischen dem Endgerät und der Box hatten wir noch 3 von 5 Balken auf dem Smartphone.

Auch mit dem Energiesparmodus weiss die Box zu brillieren Auch mit dem Energiesparmodus weiss die Box zu brillieren © PCtipp

Die Performance beim Streaming und bei Datentransfer schwankte ein wenig, jedoch kamen wir beim Zwei-Stockwerke-Test immer noch auf einen Durchschnitts-Speed von gut 10 MB/s bei einem 2-GB-File. Weniger wars, wenn der Energiesparmodus aktiviert wurde.

Fazit 

Hier ist der Swisscom ein Coup gelungen. Die Box performt stark und ist äusserst anwenderfreundlich. Zudem wissen Features wie das NAS und VPN zu überzeugen. Nachteile: Für beste Performance soll die Box aufrecht stehen, was ein dezentes Verstecken schwierig macht. Darüber hinaus entwickelt die Oberfläche eine gewisse Wärme und sollte daher nicht bedeckt sein. Dazu kommt ein happiger Preis, wobei es zu beachten gilt, dass Neukunden oder Bestandskunden mit älteren Routern die Internetbox 2 kostenlos erhalten. Welche dies sind, erfahren Sie auf der Website des Providers. Trotz des Preises von 299 Franken gibts ein klares «Daumen hoch» von Computerworld. 

Swisscoms neues Rechenzentrum Bern-Wankdorf