Dropbox, aber sicher

Mit Boxcryptor lassen sich Dateien und Ordner auf recht einfache Art und Weise in grossen, internationalen Cloud-Diensten verschlüsselt und damit sicher ablegen.

von Jens Stark 02.03.2017 15:01

Viele Anwender haben bei der Nutzung von Cloudspeichern wie Dropbox, Google Drive, OneDrive, iCloud und Box ein ungutes Gefühl und setzen lieber auf Schweizer Alternativen zu den grossen US-Diensten. Das geht allerdings teilweise auf Kosten der Grösse des Gratisspeichers oder der Funktionalität.

Boxcryptor verschlüsselt Dateien und Ordner bevor sie in bekannte Cloud-Dienste wandern Boxcryptor verschlüsselt Dateien und Ordner bevor sie in bekannte Cloud-Dienste wandern © Screen: jst/nmgz

Mit Boxcryptor der im bayrischen Augsburg beheimateten Firma Secomba erhält man dagegen schon fast den «Foifer und's Weggli». Denn mit der Software lassen sich einerseits die in den Cloud-Speichern abgelegten Daten und Ordner recht einfach verschlüsseln und somit Schnüffelorganisationen wie der NSA ein Schnippchen schlagen. Andererseits kann man die ausgedehnte Funktionalität wie etwa die Synchronisation von Dropbox und Co. weiterhin nutzen.

Die iOS-Version von Boxcryptor: Damit sind die verschlüsselten und beispielsweise in Dropbox gespeicherten Files auch auf dem Smartphone einsehbar Die iOS-Version von Boxcryptor: Damit sind die verschlüsselten und beispielsweise in Dropbox gespeicherten Files auch auf dem Smartphone einsehbar © Screen: jst/nmgz

Boxcryptor ist für diverse Plattformen erhältlich, darunter Windows, Mac-OS sowie den mobilen Betriebssystemen iOS, Android und Windows Phone. In Sachen Cloud-Speicher werden derzeit die Dienste von 23 Anbietern unterstützt. Zudem lässt sich auch ein lokaler Speicherort für die Verschlüsselung bestimmen.

Starke Verschlüsselung

Die Sicherheit der Chiffrierung wird durch die beiden bekannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselungsstandards AES-256 und RSA-4096 garantiert. Darüber hinaus nennt sich Secomba einen Zero-Knowledge-Anbieter. Das heisst gemäss Anbieter, dass Passwörter, Passwortschlüssel und Dateischlüssel zu keinem Zeitpunkt das Gerät des Nutzers verlassen. Zudem würden alle Verschlüsselungsoperationen immer Client-seitig auf dem Gerät des Nutzers ausgeführt und niemals auf den Servern des Dienstleisters, verspricht das Unternehmen. User werden deshalb bei der Registrierung und Wahl des Passworts eindringlich darauf hingewiesen, dieses nicht zu vergessen. Denn dieses lasse sich nicht zurücksetzen und die einmal verschlüsselten Daten auch nicht mehr entschlüsseln.

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Boxcryptor ist in verschiedenen Ausgaben verfügbar. Die Gratis-Version ist auf einen Cloud-Provider und zwei Geräte beschränkt. Mit der Version «Unlimited Personal» für Einzelpersonen lassen sich soviele Clouds und Speicherorte wie gewünscht unterstützen. Zudem werden auch die Dateinamen verschlüsselt, nicht nur die Inhalte. Diese Ausgabe kostet 48 Franken im Jahr. Für 96 Franken jährlich erhält man die «Unlimited Business»-Version, bei der beispielsweise Gruppen definiert werden können. Auch für Unternehmen gibt es Boxcryptor. Hier werden 8 Franken pro User und Monat fällig. Dafür erhalten Firmen etwa eine verwaltbare Lösung, bei der sich beispielsweise User-Passwörter zurücksetzen lassen.

Einfach in der Handhabung

Im Einsatz ist Boxcryptor recht einfach zu bedienen. Nach der Installation des Programms und der Erstellung eines Kontos wird der Software mitgeteilt, in welchem Cloud-Dienst Dateien oder ganze Ordner verschlüsselt werden sollen. Hierzu muss der entsprechende Dienst schon mit einem Synchronisations-Ordner und entsprechendem Client auf dem eigenen PC präsent sein.

Der Dropbox-Folder auf dem Desktop wird vom Programm automatisch erkannt und als Speicherort vorgeschlagen Der Dropbox-Folder auf dem Desktop wird vom Programm automatisch erkannt und als Speicherort vorgeschlagen © Screen: jst/nmgz

Ist dies einmal alles definiert, wird der Cloud-Ordner mit Boxcryptor, respektive der virtuelle Boxcryptor-Drive geöffnet. Dort lassen sich dann einzelne Dateien und Ordner auswählen und per Rechtsklick mit dem Programm der Augsburger verschlüsseln. Anschliessend synchronisiert das jeweilige Cloud-Programm die nun chiffrierten Files und speichert diese in der Datenwolke.

Praktisch: Hat man einmal einen Ordner dazu ausersehen, dass alle darin gespeicherten Dateien verschlüsselt werden sollen, chiffriert Boxcryptor auch alle Dateien die neu in diesen Ordner verschoben werden. Auch Files die via Speichern unter... hier neu angelegt werden, gehen automatisch durch die Kryptomangel der Bayern.

Im Dropbox-Ordner sind die Dateien verschlüsselt (erkennbar an der Dateiendug .bc), während im virtuellen Boxcryptor-Dirve (rechts) die Originaldateien angezeigt werden und auch als solche genutzt werden können Im Dropbox-Ordner sind die Dateien verschlüsselt (erkennbar an der Dateiendug .bc), während im virtuellen Boxcryptor-Dirve (rechts) die Originaldateien angezeigt werden und auch als solche genutzt werden können

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Unkenntlich im Web

Allerdings: Die so bearbeiteten Dateien lassen sich danach nur noch mit Boxcryptor betrachten, also nicht direkt über die Weboberfläche des Dienstes. Dort sieht man – und allfällige schnüffelnde Naseweise – nur verschlüsselten Datenmüll. Will heissen: Mit der Gratis-Version können die Files an maximal zwei Geräten betrachtet werden, beispielsweise am PC und am Smartphone.

Und so sieht das Ganze mit der Weboberfläche aus. Klarer Hinweis an Neugierige: Hier gibt's nichts zu schnüffeln! Und so sieht das Ganze mit der Weboberfläche aus. Klarer Hinweis an Neugierige: Hier gibt's nichts zu schnüffeln! © Screen: jst/nmgz

Fazit: Wer die grossen, internationalen Cloud-Dienste zwar nutzen, aber auch relativ sicher vor Schnüffeleien sein will, sollte Boxcryptor in Erwägung ziehen.

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