Drohnen stressen die Vögel

Vögel und Drohnen vertragen sich nicht immer. Die Vogelwarte Sempach hat Forschungsergebnisse zum Thema zusammengetragen und gibt konkrete Tipps zum richtigen Verhalten.

von sda / jst 22.06.2017 08:50

Wie stark nehmen Vögel Drohnen als Gefahr wahr? Dieser Frage sind Forschende der Vogelwarte Sempach in einer Studie nachgegangen. Demnach reagieren Vögel auf die Flugobjekte empfindlicher als andere Wildtiere, allerdings gibt es Unterschiede von Art zu Art.

Drohnen bewegen sich im Luftraum und damit dort, wo Vögel bisher weitgehend ungestört waren Drohnen bewegen sich im Luftraum und damit dort, wo Vögel bisher weitgehend ungestört waren © Marcel Burkardt / Vogelwarte Sempach

Bisher waren Vögel im Luftraum relativ ungestört. Mehr und mehr müssen sie ihn aber mit Drohnen teilen. Generell sind Vögel empfindlicher auf die ferngesteuerten Flugobjekte als andere Wildtiere, wie nun eine umfassende Literaturstudie der Vogelwarte Sempach im Fachblatt «PLOS One» zeigt. Allerdings reagieren Vögel je nach Vogelart unterschiedlich.  Manche Vögel ergriffen bereits die Flucht, wenn die Drohne noch weit entfernt sei, hiess es in der Mitteilung der Vogelwarte zu der Studie. Andere Arten zeigten nur gesteigerte Aufmerksamkeit oder schienen gar nicht zu reagieren.

Das heisse aber nicht, dass die Drohnen keinen negativen Einfluss hätten, warnen die Experten: Brütende Vögel blieben auch bei einer Störung meist im Nest, könnten aber trotzdem unter Stress stehen. Werden sie zu stark und wiederholt gestört, können sie die Brut abbrechen oder gar nicht erst beginnen.

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Schwärme ergreifen schneller die Flucht

Generell reagieren grosse Vögel eher als kleine, und Vogelschwärme ergreifen eher die Flucht als einzelne Individuen oder kleine Gruppen, halten die Forschenden fest. Die Grösse der Drohne und der durch sie verursachte Lärm spielen ebenfalls eine Rolle.

Wasservögel (im Bild eine Löffelente) sind auf störungsfreie Gebiete angewiesen. Werden sie wiederholt zur Flucht gezwungen, droht eine massive Schwächung und im Extremfall der Tod durch Erschöpfung, insbesondere im Winter Wasservögel (im Bild eine Löffelente) sind auf störungsfreie Gebiete angewiesen. Werden sie wiederholt zur Flucht gezwungen, droht eine massive Schwächung und im Extremfall der Tod durch Erschöpfung, insbesondere im Winter © Mathias Schäf / Vogelwarte Sempach

Aus den Erkenntnissen hat die Vogelwarte Empfehlungen erarbeitet, um den Einfluss von Drohnen auf Vögel und andere Wildtiere möglichst gering zu halten (siehe Kasten nächste Seite). Gemeinsam mit Behörden, Drohnennutzern und Naturschutzakteuren sollen in den nächsten Monaten daraus Regeln für den wildtier-freundlichen Drohneneinsatz entwickelt werden.

Den Empfehlungen zufolge sollten Flüge entlang von Felswänden unterlassen werden. Dies gelte insbesondere von Februar bis Juli, wenn Wanderfalke und Uhu brüten, die beide empfindlich auf Störungen reagieren. Auch sollte man Starts und Landungen sowie abrupte Richtungswechsel in der Nähe von Vögeln vermeiden.

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Ein Dilemma für die Forschung?

Ebenfalls sollten Flüge in und über Naturschutzgebieten tabu sein, heisst es in der Mitteilung. Über Vogelreservaten und Eidgenössischen Jagdbanngebieten herrsche bereits ein Flugverbot, das es einzuhalten gelte.

Für Forschende ergibt sich daraus aber ein gewisses moralisches Dilemma, werden doch Drohnen auch immer mehr für die Bestandsaufnahme von Vögeln und anderen Wildtieren eingesetzt.

«Im Vergleich zu einer Begehung des Geländes zum Zählen oder dem Aufstieg einer Person zu einem Horst stellen Drohnen eine deutlich geringere Störung dar», sagte Michael Schaad von der Vogelwarte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Allerdings sei durch die Einfachheit des Drohneneinsatzes die Versuchung gross, mehr Daten zu sammeln als bisher, so dass die Gesamtstörung grösser werden könnte. Die Vogelwarte selbst setze bisher keine Drohnen ein.

Die Vogelwarte empfiehlt:

• nicht in der Nähe von Vögeln starten oder landen, und abrupte Richtungswechsel in ihrer Nähe unterlassen

• Vögel nie direkt anfliegen und sofort umkehren, wenn Vögel eine Reaktion zeigen

• kleine und leise Geräte bevorzugen

• Flüge entlang von Felswänden unterlassen, insbesondere von Februar bis Juli, der Brutzeit sensibler Arten wie Wanderfalke oder Uhu

• Flüge in und über Naturschutzgebieten unterlassen und eine Distanz von mindestens 200 m einhalten

• Flugverbote, wie sie in Wasser- und Zugvogelreservaten und Eidgenössischen Jagdbanngebieten gelten, unbedingt einhalten.

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