Schweizer Open Data sucht Anwendungen

Tausende Datensätze sind in der Schweiz öffentlich abrufbar. Den Behörden, Firmen und auch den Start-ups fehlen aber oft Ideen für nutzenstiftende Anwendungen von Open Data.

von Mark Schröder 28.06.2017 15:40

Schweizer Behörden und Unternehmen stellen seit gut fünf Jahren umfangreiche Datensätze kostenlos ins Netz. Mithilfe der Daten entwickeln Firmen eigene Apps und Start-ups neue Geschäftsideen. Das Portal opendata.swiss wird vom Schweizerischen Bundesarchiv gepflegt. Sein Direktor Andreas Kellerhals zog an der Konferenz «Opendata.ch» in Luzern ein positives Fazit des Engagements: «Die Organisationen zeigen heute eine grössere Bereitschaft, Daten öffentlich verfügbar zu machen als noch vor einem Jahr.»

Das Bundesarchiv listet mittlerweile 2269 Datensätze von 35 Anbietern. Vor einem Jahr seien es nur 21 Anbieter gewesen, die lediglich 1190 Datensätze bereitgestellt hätten, sagte Kellerhals. Zu den grössten Lieferanten zählen der Bund, die Kantone Basel-Stadt, Genf, St. Gallen und Zürich sowie die Städte Bern und Zürich. Weitere Datensätze stammen von den SBB.

Andreas Kellerhals vom Schweizerischen Bundesarchiv freute sich über mehr Datensätze Andreas Kellerhals vom Schweizerischen Bundesarchiv freute sich über mehr Datensätze © computerworld.ch

Viele der Datensätze liegen allerdings brach. «Die Nutzung ist eine Schwachstelle», sagte Kellerhals. Die heute auf dem Portal aufgeschalteten 31 Anwendungen nutzen insgesamt nur 35 Datensätze: Zwei Apps dienen der Entscheidungshilfe, neun Apps der Orientierung und die übrigen Zwanzig der Information. Das Potenzial ist nach den Worten des Direktors noch längst nicht ausgeschöpft. Er ermutigte die rund 120 Teilnehmer der «Opendata.ch»-Konferenz zu eigenen Anwendungen.

ÖV-Apps mit Mehrwert

Sowohl Lieferant für opendata.swiss als auch Betreiber eines eigenen Portals sind die SBB. Unter opentransportdata.swiss haben die Bundesbahnen die Plattform «öV Schweiz» lanciert, sagte Rahel Ryf von den SBB an dem Anlass. Dort sind aktuell 13 Datensätze gelistet, darunter Echtzeitdaten, Fahrpläne, Fahrtprognosen und Logistikinformationen der Transportfirmen. «Die Infrastruktur skaliert bis zu vielen Millionen Abfragen pro Tag», sagte die Head Open Data Platform der SBB. 

Rahel Ryf von den SBB bevorzugt ihren persönlichen Abfahrtszeitplan Rahel Ryf von den SBB bevorzugt ihren persönlichen Abfahrtszeitplan © computerworld.ch

Im Unterschied zu den Verwaltungsdaten ziehen die ÖV-Datensätze diverse Interessenten an. Als Beispiele für realisierte Anwendungen nannte Ryf die Ticketing-App Fairtiq, den TrainDelayBot für Facebook Messenger, Slack und unter anderem Skype sowie den interaktiven Fahrplan Viadi. Ihre favorisierte App ist Time for Coffee, die einen individuellen Abfahrtszeitplan darstellt. 

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Der Schweizer Tourismus erholt sich nur langsam vom starken Franken . Die Anzahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen ist mittlerweile bestenfalls konstant. Der Ferienort Arosa arbeitet seit mehreren Jahren daran, auch während der Sommermonate ein attraktives Reiseziel zu werden. 70 Prozent der Gäste besuchen Arosa im Winter. 

Pascal Jenny von Arosa Tourismus bezahlt mehr für IT, wenn die Skilifte fahren Pascal Jenny von Arosa Tourismus bezahlt mehr für IT, wenn die Skilifte fahren © computerworld.ch

Wie Tourismusdirektor Pascal Jenny sagte, spielen Daten und Computertechnologie bei der Planung neuer Attraktionen eine zunehmend wichtigere Rolle. Beispielsweise hatte das Projekt «Arosa Bärenland» 1173 Facebook-Abonnenten. Eine Analyse habe ergeben, dass davon 72 Prozent auch stimmberechtigte Aroser waren. Es sei wenig verwunderlich, dass das Projekt Ende vergangenen Jahres mit überwältigender Mehrheit bewilligt wurde, sagte Jenny. Die Eröffnung des «Arosa Bärenland» ist nun für 2018 geplant.

Geschäftsdaten steuern IT-Kosten

Bereits vollkommen digital ist die Tourismusorganisation von Arosa. Jenny und seine Kollegen arbeiten seit Jahren mit Laptop und Smartphone. Damit können die Angestellten auch unterwegs, an Anlässen oder Messen und zuhause arbeiten. Das Backend betreibt seit Mai der IT-Dienstleister UMB im eigenen Rechenzentrum. 

UBM-CEO Matthias Keller hat sich für Arosa ein besonderes Preismodell ausgedacht: «Business Linked Pricing». Arosa Tourismus zahlt nur dann, wenn die Betten belegt und die Bergbahntickets verkauft sind. Damit trägt UMB einen Teil des Unternehmerrisikos, profitiert aber vom guten Geschäftsgang. Dafür legt Jenny seinem Provider die Geschäftsdaten offen. «Das Preismodell von UMB erlaubt uns, Zahlungen liquiditätsschonend dem Geschäftsgang anzupassen», sagte er.