Google entlässt den Verfasser des sexistischen Manifests

Beim Suchmaschinenriesen Google sorgte das sexistische Schreiben eines Entwicklers für grossen Aufruhr. Nun wurde der Verfasser vom Management freigestellt.

von lp, dpa 09.08.2017 07:00

Ein Google-Entwickler hat in einem internen Manifest die Meinung vertreten, Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet. Das Schreiben machte in den letzten Tagen die Runde und sorgte für grossen Aufruhr. Der Verfasser ist nun vom Internet-Konzern gefeuert worden. Er bestätigte seine Entlassung unter anderem dem Finanzdienst «Bloomberg».

In seinem Text hatte der Autor desweiteren geschrieben, Frauen seien weniger widerstandsfähiger gegenüber Stress als Männer und schafften es auch deshalb so selten in Führungspositionen in der Tech-Industrie. Versuche, mehr Frauen in die Branche zu bringen, seien ein Fehler – das dürfe man aber nicht laut sagen.

Seine Argumente waren auch von ultrakonservativen US-Medien aufgegriffen worden, die Technologie-Firmen sowieso oft eine zu linke ideologische Ausrichtung vorhalten. Viele Mitarbeiter äusserten sich laut Medienberichten in internen Foren empört bis fassungslos über den Text und kritisierten ihn als Ansammlung sexistischer Stereotypen. Von anderen Teilen der Belegschaft bekam der Autor hingegen auch Zusprüche.

E-Mail an die Mitarbeiter

Nach den heftigen Debatten rund um das Manifest unterbrach Google-Chef Sundar Pichai seinen Familienurlaub. Denn der Mitarbeiter hatte damit auch die Google-Führung in eine schwierige Lage gebracht: Er beklagte nämlich, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten.

Aufgrund des Manifestes musste sich auch CEO Sundar Pichai erklären Aufgrund des Manifestes musste sich auch CEO Sundar Pichai erklären © Google

Pichai schickte darauf am späten Montag eine E-Mail an die Mitarbeiter – sie wurde später von Google veröffentlicht. Teile des Textes hätten gegen interne Verhaltensregeln verstossen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotypen über Geschlechter eine Linie überschritten, schrieb der Google-Chef. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei «beleidigend und nicht Okay».

Zugleich schränkte Pichai aber auch ein, dass es ebenfalls «nicht Okay» sei, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äussern könnten – insbesondere wenn sie von der Meinung der Mehrheit abweichen.