Bei SAS Schweiz gehorchen Daten aufs Wort

Eine Verknüpfung von Analytik-Software mit Amazons elektrischem Assistenten Echo macht es möglich: Am «SAS Forum» in Zürich gehorchten Daten aufs Wort. Nur die Demo misslang.

von Mark Schröder 19.05.2017 10:30

Die Spracheingabe gilt als die Benutzerschnittstelle der Zukunft. Elektronische Assistenten von Amazon, Apple, Google und Microsoft sind erste Prototypen der künftigen Technologie. Bereits heute lassen sich Echo, Siri, Google Assistant und Cortana dafür nutzen, eine Software mit der Sprachsteuerung auszurüsten. 

Am «SAS Forum» am Donnerstag in Zürich wollten die Techniker des Schweizer Büros von SAS demonstrieren, wie sich über die Spracheingabe des Amazon-Assistenten die Software Visual Analytics bedienen lässt. Visual Analytics beherrscht Benutzeranfragen in natürlicher Sprache, etwa: «Wie viele Stück des Produkts XYZ haben wir in diesem Monat schon verkauft?» Diese Frage tippt der User üblicherweise ein, Amazons Echo übernimmt die Tipparbeit. Dafür benötigt Echo eine Internetverbindung. Das WLAN stand im Zürcher Kongresshaus nicht zur Verfügung. Deshalb misslang die Demo.

Patric Märki begrüsste rund 430 Teilnehmer am «SAS Forum» im Zürcher Kongresshaus Patric Märki begrüsste rund 430 Teilnehmer am «SAS Forum» im Zürcher Kongresshaus © computerworld.ch

Alle anderen Vorträge am neunten «SAS Forum» klappen problemlos. Der frühere Schweiz-Chef und neue Vice President DACH, Patric Märki, begrüsste rund 430 Gäste an dem Anlass. Angesichts dieser Teilnehmerzahl läuft das Geschäft in der Schweiz offenbar gut. «Business Analytics ist in allen Industrien zum unverzichtbaren Wertschöpfungstreiber geworden», waren Märkis einleitende Worte.

Bereits seit Jahren präsent sind SAS-Lösungen in Schweizer Versicherungsunternehmen. In Referaten berichteten zuerst Vertreter der Helsana und anschliessend Manager der Baloise Group von ihren Projekten. Beide Versicherungen haben ihre in die Jahre gekommenen Data Warehouses erneuert. Neu haben die Fachbereiche Zugang zu Analytik-Anwendungen.

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Helsana entschied sich vor zwei Jahren für eine Kompletterneuerung seines Data Warehouse. Bis dahin waren unter anderem Microsoft Access, R Server, SAS Data Miner und SPSS für die Analyse von Geschäftsvorfällen im Einsatz, sagte Bernhard Brabec, Head of Customer Analytics bei Helsana. Die Anwendungen krankten allerdings an teils manuellen Schnittstellen mit der Notwendigkeit, Daten via Excel-Tabelle oder Text-File austauschen zu müssen. Diesen Missstand haben Brabec und seine Kollegen durch die Installation von SAS-Programmen beseitigt.

Markus Grob von Helsana erspart den Kollegen manuelle Arbeit bei Datenanalysen Markus Grob von Helsana erspart den Kollegen manuelle Arbeit bei Datenanalysen © computerworld.ch

Die Analytik-Anwendungen kommen bei Helsana heute in diversen Fachabteilungen zum Einsatz, sagte der Head of Business Intelligence, Markus Grob. Unter anderem würden die Tools für das Kunden-Management verwendet. Mithilfe von statistischen Methoden wie der linearen Regression kann der Wert einer Kundenbeziehung ermittelt werden. Die Verweildauer (Kunde tritt nach einem Jahr nicht wieder aus) lässt sich mit einer Überlebensanalyse (Kaplan-Meier-Schätzung) bestimmen. Und die Churn-Modellierung mit Entscheidungsbäumen und logistischer Regression ermittelt die Wechselwahrscheinlichkeit von Krankenversicherten, sagte Grob.

Millionen-Projekt der Baloise Group

Noch nicht ganz so weit fortgeschritten mit der Erneuerung des Data Warehouses ist die Baloise Group. Die bisherigen Systeme waren 1996 installiert worden und bestehen aus diversen Insellösungen, sagte Gesamtprojektleiter EDWH Christoph Geering. Die verteilten Installationen bedeuteten hohen Betriebsaufwand und seien fehleranfällig. Der Konzern entschied sich vor gut zwei Jahren für eine Erneuerung. Bis 2021 sollen alle bisherigen Insellösungen in einem zentralen Data Warehouse zusammengeführt werden. Daran arbeiten heute 20 Kollegen. Das Projekt ist mit rund 40 Millionen Franken budgetiert, sagte Geering.

Daniel Meier von der Baloise Group stellt den Fachbereichen eine neue Infrastruktur bereit Daniel Meier von der Baloise Group stellt den Fachbereichen eine neue Infrastruktur bereit © computerworld.ch

Die neue Installation basiert auf Red Hat Linux als Betriebssystem, DB2 Blu als Datenbank, SAS Grid Manager und als Frontend SAS Visual Analytics. Mit den Komponenten soll das Data Warehouse für zukünftige Anforderungen gerüstet sein, insbesondere für höhere Geschwindigkeit, mehr Varianz in den Daten und höhere Volumen. Die Kollegen profitieren bereits von der neuen Technologie, sagte Daniel Meier. Der Projektleiter Fachbereich bei der Baloise Group hat im April letzten Jahres einen ersten Release bei der Kfz-Versicherung ausgerollt. Seitdem habe es sechs weitere Releases gegeben, alle im Sachversicherungsgeschäft. Die optimierte Infrastruktur zeigt sich an der Kundenfront in neuen Produkten. Innerhalb eines Jahres hat Baloise Group hat Versicherungen für unter andere Armbanduhren und gegen Cybercrime-Schäden lanciert.