Digitalisierung: Maschinen übernehmen die Hälfte aller Tätigkeiten der Menschen

Es sei damit zu rechnen, dass rund die Hälfte aller herkömmlichen Tätigkeiten vom Menschen zur Maschine übergehen, meint der Philosoph und Physiker Ludwig Hasler in einem Interview.

von SDA 06.03.2017 07:49

Die digitalisierte Arbeitswelt, in der die Maschine vieles besser macht als der Mensch, ist eine Tatsache, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt. «Die Zukunft der meisten Berufe wird auf eine Symbiose von Mensch und Maschine hinauslaufen», sagt der Philosoph und Physiker Ludwig Hasler im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».

Ludwig Hasler Ludwig Hasler © Videostill: jst/nmgz

Denn: «Alles, was mit Datenmengen zu tun hat, schafft die Maschine besser», so Hasler. Deshalb sei damit zu rechnen, dass rund die Hälfte aller herkömmlichen Tätigkeiten vom Menschen zur Maschine übergehen. Bedroht seien «klassische Männerjobs, die nichts als Kraft und Geradeausdenken brauchen.»

Dennoch geht der Denker, der beim Wirtschaftsdachverband Economiesuiesse in der Gruppe «Digitalisierung» mitarbeitet, davon aus, dass die Arbeit den Menschen auch künftig nicht ausgehen wird. Denn: «Auch Roboter geben krass zu tun.»

Kontrolle unabdingbar

Am Beispiel von Drohnen führt er aus, dass es viele neue Jobs brauche, wenn Drohnen «nicht allzu viel Unfug anrichten» sollen. Sie bräuchten «Unmengen von Kontrolle».

Dazu braucht es vor allem Informatiker, die Unternehmen jedoch lieber im billigen Ausland anheuern. Dem hält Hasler entgegen, dass die Schweiz dennoch interessant bleibt: «Es kehren auch Industrien zurück, die Robotik betreiben statt Massenproduktion.» Dazu brauche es nicht allein Informatik, «auch Bio-Tech, Nano-Tech, Neurologie».

Zudem werde vor allem im Dienstleistungsbereich die «algorithmische Welt» zusehends «unheimlich», weil sie aseptisch, durchkontrolliert und rationalisiert sei. «Der Störfall Mensch wird aus dem Verkehr gezogen», sagt Hasler. Laufe aber alles reibungslos, sei es «zum Verzweifeln langweilig». Dann könne der aufmerksame, lustige oder knorrige Mensch plötzlich wieder zum Wettbewerbsvorteil werden.

Grundsätzlich sei es mit der Digitalisierung wie mit jedem technologischen Schub: «Wer Akteur bleiben will, freundet sich mit dem neuen Zauber an, ohne sich ihm auszuliefern», sagt Hasler. Nur so seien die Menschen Herren und nicht Knechte der digitalen Werkzeuge.

Digitalisierung in der Industrie