«Wir wollen neue Technologietrends aufspüren»

Die Fincons Group ist Dauerbrenner in den Top 500 von Computerworld. CEO Michele Moretti und Deputy CEO Francesco Moretti erläutern ihre Strategie.

von Michael Küng*, Georges Sarpong 05.10.2017 14:31

Der Systemintegrator Fincons Group bietet massgeschneidertes IT-Business Consulting für Unternehmen an. Das italienisch-schweizerische Unternehmen konnte in den letzten Jahren seine lokale und internationale Präsenz deutlich ausbauen und will noch weiterwachsen. Wie, erklären CEO Michele Moretti und Deputy CEO Francesco Moretti in diesem Interview.

Auf Expansionskurs: Francesco Moretti (l.), Deputy CEO, mit Vater 
Michele Moretti, CEO der Fincons Group Auf Expansionskurs: Francesco Moretti (l.), Deputy CEO, mit Vater Michele Moretti, CEO der Fincons Group © zvg

Computerworld: Können Sie ein wenig über die Geschichte der Fincons Group und ihre Präsenz in der Schweiz erzählen?

Michele Moretti: Die Fincons Group ist eine schweizerisch-italienische Unternehmensgruppe, die seit 34 Jahren im Informations- und Kommunikationstechnologiemarkt tätig ist. Wir sind ein Systemintegrator für wichtige internationale Software-Hersteller und bieten auf dem Markt kundenspezifische Lösungen auf Grundlage von Standardpaketen an. Seit mehr als 20 Jahren sind wir in der Schweiz präsent. Lugano war unsere erste schweizerische Niederlassung und seit 2007 haben wir unseren Unternehmenshauptsitz in Bern. Der schweizerische Umsatzanteil lag letztes Jahr bei beachtlichen 40 Prozent von einem Gesamtumsatz von 95 Millionen Franken. Trotz unseres starken und stetigen Wachstums in der Schweiz (in Bern, Zürich und Lugano), in Italien (Mailand, Verona, Rom, Bari und Catania) und auf internationaler Ebene (London, New York und Los Angeles) bleiben wir weiterhin unseren Werten bei der Kundenbetreuung und dem entschlossenen Streben nach Innovationen treu. Als wir in den schweizerischen Markt eingestiegen sind, haben wir unsere Kenntnisse und unsere Leidenschaft für unsere Arbeit sowie die Bereitschaft, den Markt zu absorbieren und in ihn zu investieren, mitgebracht.

CW: Wie haben Sie in der Schweiz einen Fussabdruck hinterlassen und welche Innovationen bringen Sie in den Schweizer Markt?

Francesco Moretti: Wir streben nach langfristigen Kundenbeziehungen, bei denen wir von unseren Kunden lernen und sie gemäss ihren Bedürfnissen unterstützen. Nicht der kurzfristige Umsatz steht im Mittelpunkt, sondern wir investieren unsere Ressourcen so, dass einzigartige und funktionale Ergebnisse entstehen. Da wir Unternehmenseigentümer sind, können wir unabhängig entscheiden, wann wir in Wachs­tum investieren. Somit können wir unseren Kunden mass­geschneiderte Lösungen und Dienstleistungen anbieten. Wir planen zudem den weiteren Ausbau unserer schweizerischen Präsenz und investieren, insbesondere an unserem Hauptsitz in Bern und in unserem Büro in Zürich, in Mitarbeitende, Rekrutierung und Innovationen.

CW: Welche Rolle spielt die Fincons Group am internationalen Markt?

Francesco Moretti: Im Mai letzten Jahres eröffneten wir unseren Standort in London. Der britische Markt gilt als Eintrittspunkt nach Europa für innovative Produkte und Lösungen aus den USA. Darüber hinaus unterhalten wir seit April dieses Jahres brandneue Büros in New York und Los Angeles, die für uns strategisch wichtig sind. Der Fokus unseres internationalen Geschäfts liegt zunächst auf der Rundfunk- und Medienbranche sowie dem Finanzdienstleistungssektor. Anschliessend streben wir die Ausweitung auf die anderen vertikalen Branchen an, die ebenfalls von uns bedient werden. Das Ziel unserer Internationalisierung ist es, unser Angebot und das Smart-Shore-Modell zu exportieren und unser exponentielles Wachstum weiter voranzutreiben. Zudem wollen wir neue Technologietrends aufspüren, indem unser Netzwerk an hochinnovativen Partnerschaften weiter ausbauen.

CW: Welche Alleinstellungsmerkmale helfen Ihnen dabei, Ihre internationale Präsenz zu steigern?

Michele Moretti: Die Fincons Group zeichnet sich besonders durch ihre technische Expertise und tiefgehende Branchenkenntnisse aus. Wir sind auch stolz auf unsere kontinuier-
lichen Investitionen in Innovationen, Forschung sowie die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, um dem Markt innovative Geschäfts- und Technologielösungen anbieten zu können. Wir können aufgrund unserer schnellen und agilen Entscheidungsprozesse sehr schnell auf Veränderungen des Markts reagieren.

* Michael Küng ist freier Journalist

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CW: In welchen Branchen floriert Ihr Unternehmen hierzulande besonders? Können Sie uns Beispiele nennen?

Francesco Moretti: In der Schweiz sind wir besonders aktiv in den Bereichen Finanzdienstleistung, Transport und öffentliche Verwaltung. Zusätzlich haben wir eine hervorragende Erfolgsbilanz in anderen Branchen wie der Fertigungsindustrie, der Medienindustrie und dem Energieversorgungssektor vorzuweisen. Fincons’ Fähigkeiten und Erfahrungen werden stark nachgefragt, da unsere Schweizer Kunden beispielsweise gerne ihre User Experience mithilfe der Digitalisierung verbessern sowie mobile Portal- und Social-Media-Technologien einsetzen möchten.

    © Screen: jst/nmgz

CW: Sie haben das Smart-Shore-Modell erwähnt. Worum handelt es sich hierbei genau und was sind dessen Stärken?

Michele Moretti: Unsere Kunden schätzen an unserem Smart-Shore-Modell insbesondere die Kapazitäten und Expertise unseres Delivery Centers, das im italienischen Bari behei­matet ist. Von diesem Standort aus bieten wir App­likationsentwicklung und System Building an. Die Bezeichnung «smart» bezieht sich auch auf den Effizienzgrad, der sehr viel höher ist als bei anderen Offshore-Alternativen. Das Modell basiert auf der Kombination aus einer Präsenz von Experten beim Kunden vor Ort, wie zum Beispiel Projektmanager und Business-Analysten, und der Nutzung des Delivery Centers in Bari, wo weitere 400 Beschäftigte arbeiten. Viele namhafte Schweizer Unternehmen haben bereits die Entwicklung wichtiger Projekte an das Smart Shore Delivery Center in Bari vergeben.

Francesco Moretti: Unsere Kunden profitieren auch von der geringen Mitarbeiterfluktuation, die ihnen Kontinuität, Qualität und die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Fachkräften verspricht. Daher ist die Mitarbeiterpflege einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren. Nur durch motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter können wir unseren Kunden ein qualitativ hochwertiges Leistungsversprechen geben und die langfristige Verfügbarkeit von Fachkräften gewährleisten.

CW: Wie sehen die mittel- und langfristigen Ziele Ihres Unternehmens aus?

Michele Moretti: Wir werden lokal weiterhin in die Schweiz und in Innovationen für unsere Kunden investieren sowie die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben und weiter expandieren. Die Ausweitung unserer globalen Präsenz wird von zwei entscheidenden Prinzipien bestimmt: Zum einen werden wir die Neukundenakquise und den Erhalt unserer hohen Wachstumsraten vorantreiben, die entscheidend für den Erfolg unseres Unternehmens sind. Zum anderen ist es von zentraler Bedeutung für den zukünftigen Erfolg unseres Unternehmens, auch weiterhin am Puls neuer, innovativer Technologietrends zu bleiben, um unseren Kunden neue massgeschneiderte Lösungen und Dienstleistungen anbieten zu können.

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Über Michele und Francesco Moretti

Die Fincons Group ist eine schweizerisch-italienische Unternehmensgruppe, die seit 34 Jahren im ICT-Markt tätig ist. Der System­integrator bietet kundenspezifische Lösungen auf Grundlage von Standardpaketen an. Seit mehr als 20 Jahren agiert das Unternehmen in der Schweiz. Die erste Schweizer Niederlassung wurde in Lugano gegründet. Seit 2007 befindet sich der Unternehmenshauptsitz in Bern. Das Unternehmen ist unter der Leitung von ­Michele Moretti zu einem anerkannten multinationalen Konzern im IT-Sektor herangewachsen. Sein Familiensinn veranlasste ihn dazu, seinen Sohn Francesco Moretti in das Geschäft zu involvieren, in dem dieser heute als Deputy CEO arbeitet. Vater und Sohn bestimmen die strategische Ausrichtung des Unternehmens und bringen das Geschäftswachstum voran. (Quelle: Fincons Group)

Ergebnisse der BPI-Studie