Smart City: Vision und Realität

Die komplett vernetzte, abfall- und CO2-freie Stadt ist noch eine Utopie. Die ICT-Branche arbeitet jedoch kräftig an deren Realisierung. Auch in der Schweiz.

von Susann Klossek 15.08.2016 11:25

Schon heute lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten – bis zum Jahr 2030 werden es voraussichtlich 60 Prozent sein. Die Ballungszentren müssen mit globalen Entwicklungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografischem Wandel fertig werden, aber auch mit den Begleiterscheinungen des steigenden Wohlstands umgehen. Der ICT-Branche bietet sich damit ein riesiges Marktpotenzial: Gefragt sind innovative Technologien und Konzepte, die den steigenden Bedarf an effizienten sowie nachhaltigen Lösungen decken, insbesondere für die Sektoren Verkehr, Energie und Logistik. Aufgrund der Dynamik der Städte und den unterschiedlichen Innovationszyklen der interagierenden Sektoren stellt dies sowohl die Unternehmen als auch Politik und Forschung vor grosse Herausforderungen.

GreenCity Zürich - auf dem Arial der Sihl-Papierfabrik entsteht das erste Stadtquartier, das alle Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt
Bild: Losinger Marazzi AG GreenCity Zürich - auf dem Arial der Sihl-Papierfabrik entsteht das erste Stadtquartier, das alle Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt Bild: Losinger Marazzi AG

Wirtschaft malt goldene Zukunft

Ende Mai haben sich in Berlin Wirtschaft und Politik zur Konferenz «Creating Urban Tech» versammelt und eine Art Manifest erarbeitet, wie Städte unter Nutzung modernster Technologien in Zukunft aussehen könnten. An der Konferenz nahmen Vertreter grosser Konzerne wie Telekom, SAP und Siemens, aber auch Start-ups teil. Im Folgenden die wichtigsten Thesen kurz zusammengefasst.

  • Vernetzung: Städte im Jahr 2030 sollen komplett vernetzt sein, egal, ob es sich um Strassenbeleuchtung, Ampeln, Abfallcontainer oder Banken handelt. Sensoren und Benutzerschnittstellen steuern zum Beispiel den Energieverbrauch nach tatsächlichem Bedarf und liefern Statusinformationen an Verwaltungen, Stromversorger oder Entsorgungsfirmen
  • Verkehr und Logistik: Mobilität ist in der Stadt der Zukunft zur Dienstleistung geworden. Der Autoverkehr ist aus den Stadtzentren weitgehend verbannt, private Verkehrsmittel wurden durch Sharing-Systeme ersetzt. Dabei sind Elektromotoren Standard. Verkehrsregelungssysteme richten sich anhand von Datensammlungen nach den Verkehrs- und Wetterbedingungen sowie nach wirtschaftlichen Zahlen. Je näher ein Fahrzeug ans Stadtzentrum kommt, desto kleiner muss es sein. Lieferdienste arbeiten zusammen, verschiedene Fahrten zur selben Adresse werden überflüssig. Über Peer-toPeer-Netzwerke von Stadtbewohnern stehen bereits getestete, optimale Routen bereit.
  • Effizienz und Umwelt: Die Stadt im Jahr 2030 soll weitgehend ohne Abfall und CO2 -Emissionen auskommen. Kunststoff ist vollständig wiederwertbar und die Energie stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Via Smart Grids wird Energie ressourceneffizient verteilt und verwendet. Gleichzeitig hat die Verwertungsrate zugenommen und Herstellungsprozesse sowie Wertschöpfungsketten wurden entsprechend angepasst. Auch die Errichtung von Gebäuden wird dank neuer Verfahren wie dem 3D-Druck wirtschaftlicher.
  • Arbeit: Der Arbeitsplatz der Zukunft hat sich durch die Automatisierung stark verändert. Medizinische Diagnosen beispielsweise werden von Computersystemen erledigt. Auch  Verwaltungstätigkeiten sind im Jahr 2030 grösstenteils automatisiert – dazu auch flexibel und transparent für die Bürger. Die Menschen erhalten aufgrund offener Führungskulturen mehr Freiheit und Zeit, um kreativ sein zu können. Home Office und Projektarbeit werden an der Tagesordnung sein.
  • Politik: Politik und Verwaltung denken nicht mehr in kommunalen Grenzen, da ihre Daten in vernetzten Systemen bereitstehen. Sie erfüllen die Anforderungen ihrer Städte und Regionen pragmatisch und nicht mehr konkurrenzbetont. Das alles begünstigt Wachstum sowie Innovationen und öffnet Märkte, die für wichtige Unternehmen und Investoren gross genug sind. Schliesslich wird auch die Bürgerbeteiligung stärker gefördert. Dank Digitalisierung sind die Bewohner aktiv an politischen Systemen und Vorgängen beteiligt. Sogar Nicht-Wahlberechtigte sollen künftig aufgrund neuer  partizipativer Modelle mitentscheiden können. Jeder Bewohner wird von Politik und Business ähnlich wie ein Start-up umworben und dazu ermuntert, sich an der Entwicklung der von ihm benutzten Lösungen zu beteiligen.
  • Sicherheit: Datengestützte Vorhersagen verhindern in der Smart City Kriminalität, lautet eine These des Manifests. Bürger sollen selbst in Problemzentren so gut integriert sein, dass  die Kriminalität stark zurückgeht. Angesichts der negativen Entwicklungen in europäischen Grossstädten und der schwierigen Lösungsfindung hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik eine äusserst optimistische Vorstellung. Ebenfalls utopisch: Auch persönliche Daten werden sicherer sein und jeder kann selbst entscheiden, ob er der Nutzung seiner Daten durch die Behörden zustimmen will oder nicht. Immerhin räumen die Manifest-Ersteller ein, dass durch die zunehmende Digitalisierung auch neue Risiken entstehen. Je mehr Hardware und Infrastruktur vernetzt werden, desto mehr Ziele haben Kriminelle für IT-basierte Angriffe.
  • Innovation: Die Innovationsrate wird steigen, weil etablierte Unternehmen von Start-ups lernen und ihre Erkenntnisse für die gemeinsame Entwicklung von Technologien und Geschäftsmodellen zur Verfügung stellen. Dafür sind allerdings auch die gemeinsame Nutzung von Daten und Programmierschnittstellen seitens der Stadtverwaltungen sowie Netzwerke erforderlich, in denen mehrere Städte und Regionen  zusammenspannen. Diese müssen wiederum die Beteiligung von Investoren zulassen und Vorschriften vereinheitlichen.

Gegenwart: wenig Konkretes

Bereits 2012 hat der Bund das Konzept «Smart City Schweiz» eingeführt. Doch konkrete oder gar umgesetzte Projekte gibt es noch wenige, verglichen etwa mit asiatischen Städten wie  dem südkoreanischen Seoul. Allerdings gibt man sich in Asien  hinsichtlich Datensicherheit auch bedeutend gelassener.  Welche Projekte hierzulande – auch in unseren Nachbarländern – momentan in der Pipeline oder der Umsetzungsphase sind, veröffentlicht die Interessengemeinschaft IG Smart City regelmässig auf www.smartcity-schweiz.ch. Zudem veranstaltet die IG mehrmals jährlich Workshops, um den SmartCity-Ansatz weiterzuentwickeln.

Gundelfingerfeld Basel - auch auf dem ehemaligen Sulzer-Fabrikgelände entsteht ein Pilotprojekt der 2000-Watt-Gesellschaft
Bild: Solar Agentur Gundelfingerfeld Basel - auch auf dem ehemaligen Sulzer-Fabrikgelände entsteht ein Pilotprojekt der 2000-Watt-Gesellschaft Bild: Solar Agentur

Ende Juni trafen sich Vertreter aus Industrie und Verwaltung zum Stand der Dinge. Im Fokus stand unter anderem die Smart Community – ein Teilbereich einer Stadt, der als Basis  für die künftige Entstehung einer Smart City dienen soll. Als Beispiele wurden unter anderem der Pariser Vorort Issy mit  seinem intelligenten Stromnetz genannt, sowie der Stadtteil La Confluence in Lyon mit Fokus auf Gebäude, Mobilität und  Monitoring. Die grössten Herausforderungen bei der Entwicklung von Smart Communitys: die Verbindung aller Komponenten und ihrer Benutzer sowie die Verknüpfung von  Bauwesen und Daten. Das erfordert einen Systemintegrator, der sämtliche Komponenten eines Subsystems zusammenführt und sicherstellt, dass diese auch miteinander funktionieren. Dabei muss der Integrator wissen, welche Daten wo und wann gesammelt werden müssen. Er muss Smart-Community-Infrastruktur und technische Systeme entwerfen und implementieren können und schliesslich auch die analysierten Daten verwenden, um den Betrieb und die Interaktion von verschiedenen Technologien und Systemen zu optimieren.

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Fortschrittliche «Energiestädte»

Der Smart-City-Ansatz dürfte in der Schweiz im Energiebereich am weitesten fortgeschritten sein. Als Energiestadt werden Schweizer Städte und Gemeinden bezeichnet, die mittels moderner Technologie Ressourcen effizient und umweltschonend nutzen. Dabei wird die Stadt als integriertes Energiesystem betrachtet, Raum- und Energieplanung müssen miteinander verknüpft und mit Energieversorgern und intelligenter Mobilität (z B. Elektroautos) koordiniert sein. Die intelligente Mobilität ist wiederum in ein Gesamtsystem mit Mobilitätsmanagement, kombinierter Mobilität und intelligenter Verkehrssteuerung eingebunden. Energiestadt gehört zum Programm EnergieSchweiz des Bundesamts für Energie (BFE), das die Entwicklung von Smart-City-Projekten in helvetischen Städten fördert.

Das Smart-Metering-System Smart-me wertet Energiedaten wie Strom, Wasser, Wärme, Gas aus der Cloud heraus aus und steuert Geräte via Smartphone, Tablet und PC.
Bild: smart-me Das Smart-Metering-System Smart-me wertet Energiedaten wie Strom, Wasser, Wärme, Gas aus der Cloud heraus aus und steuert Geräte via Smartphone, Tablet und PC. Bild: smart-me

Das BFE unterstützt Smart-City-Leuchtturmprojekte mit der «gläserner Werkstatt» im Rahmen seiner Energiestrategie 2050. In den Projekten werden Technologien aus der Forschung in der Praxis getestet und  bekannt gemacht. Ein Beispiel dafür ist das von Regio Energie Solothurn betriebene Hybridwerk Aarmatt, das überschüssigen Strom aus dezentraler Produktion in eine andere Energieform umwandelt. Mit von der Partie ist das SoftwareHaus InnoSolv. Inzwischen gibt es über 400 Energiestädte in  der Schweiz und dem grenznahen Ausland. 35 davon haben die höchste Auszeichnung für Energiestädte erreicht, den «European Energy Award Gold».

ICT in der Schlüsselrolle

Klar ist: Ohne ICT gibt es keine Energiewende und keine Chance, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Schon vor drei Jahren sagte die Climate Group in ihrer Studie «Smart 2020» voraus, dass durch den klugen Einsatz von ICT weltweit siebenmal mehr Tonnen CO2 gespart werden können, als der ICT-Sektor selbst verursacht.

Energieverbraucher innerhalb von Gebäuden wie Heizungen, Beleuchtungen und energieintensive Geräte lassen sich praktisch komplett mit ICT vernetzen und steuern. Hier ist auch der Bund gefordert, vermehrt Fördergelder für Forschung und Entwicklung im Umfeld von Smart Home und Smart Building bereitzustellen, wie der Telko-Verband asut  bereits vor einigen Jahren gefordert hat.

Ein praktisches Beispiel, wie die Energiewende vorangetrieben werden könnte, ist eine im März vorgestellte Smartphone-App der Hochschule Luzern und IDS Schweiz. Wenn anstelle grosser Kraftwerke künftig viele kleine Sonnenkollektoren oder Flusskraftwerke unseren Strom erzeugen, sind neue Messstellen, Informationen und Leitungen nötig, um das elektrische Energienetz versorgungssicher steuern zu  können. Trafostationen müssten daher öfter geschaltet werden. Doch das Umlegen der Schaltelemente ist ein gefährliches, mitunter tödliches Unterfangen. René Meier vom Kompetenzzentrum Distributed Secure Software Systems der  Hochschule hat zusammen mit IDS ein intelligentes Software-System zur Erweiterung bestehender Leittechniksysteme entwickelt.

Das System soll Energietechniker per Smartphone-App sicher und gezielt durch die Schaltungen führen. Für das Projekt «Smart Energies – Energiemanagement der Zukunft» hat Meiers Forschungsgruppe die Arbeiten der Schaltteams in kleinste Schritte unterteilt. Die App stellt diese als Boxen in einer Art Baukastensystem zu geführten und  synchronisierten Arbeitsabläufen zusammen. «Bisher haben  die Energietechnikerinnen und -techniker die Unterlagen auf  Papier mitgeschleppt», erklärt Meier. Das Produkt, das von der Kommission für Technologie und Innova tion (KTI) gefördert wird, soll 2018 markttauglich sein.

Treiber und Hindernisse

Es gibt zahlreiche Gründe für den Transformationsprozess zur intelligenten Stadt. Eine Studie der School of Management and Law der ZHAW nennt als wichtigste Treiber: Ressourcen- und Kosteneffizienz, innovative Unternehmen, Ressourcenknappheit, Steigerung der Lebensqualität, zunehmende Bevölkerungsdichte im urbanen Raum, Wettbewerbsfähigkeit und neue Möglichkeiten durch Synergien/Vernetzung. Der realen intelligenten Stadt stehen allerdings ebenso viele Barrieren im Wege: fehlende politische Rahmenbedingungen, zögernde Geldgeber, fehlender Konsens zwischen den Parteien, Nichtgewährleistung der Wirtschaftlichkeit bzw. nicht ersichtlicher Mehrwert sowie mangelnde Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Ein Beispiel dafür ist der geplante Vorzeigeneubau für das Basler Amt für Umwelt und Energie. Mit 51 Prozent Ja-Stimmen wurde der Bau des Verwaltungsgebäudes in der Basler  Innenstadt Anfang Juni nur knapp gutgeheissen. Unter anderem störten sich die zahlreichen Gegner an den Gesamtkosten von rund 20 Millionen Franken. Dabei soll der Neubau 90 Prozent weniger Energie verbrauchen als das bisherige, asbestverseuchte Gebäude. Eingebaut werden die modernsten IT-gesteuerten Heizungsanlagen sowie Bautechniken wie Holzskelett und Recyclingbetondecken, eine Regenwasseranlage für die Toilettenspülungen und Photovoltaikanlagen. Alles in allem also ein Projekt, das Basel auf dem Weg zur Smart City voranbringen wird.

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Bessere Bedingungen nötig

Damit Smart-City-Projekte nicht als Fiasko enden, müssen  Datensicherheit und Datenschutz gewährleistet sein. Es braucht klare Regeln fürs Datensammeln und umfangreiche Richtlinien zum Schutz vor Hackerangriffen, dazu eine verstärkte Standardisierung von Geräten und Datenformaten. Eine ausreichende Speicherkapazität sowie die Verschlüsselung und Übertragung von Daten muss flächendeckend sichergestellt sein.

Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Laut der ZHAW-Studie sollte sich die öffentliche Hand vermehrt an Smart-City-Projekten beteiligen, müssten bürokratische Hindernisse abgebaut und die Zusammenarbeit der wichtigsten Akteure bei Smart-City-Projekten besser koordiniert werden. Gleichzeitig dürfen auch gesellschaftliche und soziale Herausforderungen nicht unterschätzt werden. So gilt es etwa, die demografische Struktur der Bevölkerung und kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen. Auch nicht IT-affine Personen oder jene, die bis dato kein Internet oder Smartphone nutzen, müssen mit einbezogen werden, um eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern. «Und auch die Forschung selbst  muss sich darauf einstellen, vernetzter und interdisziplinärer die Herausforderungen von Smart Citys anzupacken», schreiben die ZHAW-Studienautoren. Sie fokussiere sich derzeit noch zu stark auf die technologischen Dimensionen.

Wir können alles ausser Deutsch

Der kürzlich in der Schweiz gegründete Verband CityZen will sich bei der Planung, Integration und Umsetzung von Smart-City-Projekten einbringen. Er versteht sich als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Anliegen im Bereich Smart  City, indem er interessierten Städten den Wissens- und Erfahrungsschatz von Unternehmen vermittelt. Laut Aussage  des Verbands sind Unternehmen heute kaum mehr in der  Lage, ein Smart-City-Projekt im Alleingang zu Ende zu bringen. Nur eine Gruppe mit mehreren Firmen könne den Anforderungen genügen. Ausserdem lasse sich keine Lösung, welche die Bezeichnung «smart» verdient, isoliert betrachten. Bei deren Entwicklung müssten die vielfältigsten Einflüsse berücksichtigt werden, die eine Stadt ausmachen. 

Dem Verband, der eng mit Forschungsabteilungen der  EPFL, der Universität Genf sowie der FHS zusammenarbeitet, haben sich die Bau- und IT-Unternehmen EcoWaste, Innobridge, Losinger Marazzi, Schréder, SixSq, SPIE und  Swisstraffic angeschlossen. Die Mitglieder beanspruchen  für sich, sämtliche Schlüsselbereiche einer intelligenten  Stadt abzudecken, dazu gehören Strategie, Mobilität, Parkinfrastrukturen, Energie, Abfallmanagement, Smart Building, Security und Data Management. CityZen nimmt ständig neue Mitglieder auf – je nach der Entwicklung von Bereichen wie künstliche Intelligenz, kognitive Systeme, Big Data oder Internet der Dinge.

Der Verband ist bisher jedoch nur in der französischen Schweiz tätig und sämtliche Informationen auf der Verbandswebseite liegen ausschliesslich auf Französisch vor. Dieser Umstand dürfte der allgemeinen Vernetzung nicht unbedingt  zuträglich sein. Eine Ausweitung der Aktivitäten auf die  Deutschschweiz sei aber vorgesehen.

Mit der App PubliBike lassen sich schweizweit Stationen für E-Bikes und Velos finden. 
Bild: PubliBike Mit der App PubliBike lassen sich schweizweit Stationen für E-Bikes und Velos finden. Bild: PubliBike

Konzentration aufs Wesentliche

Der Nutzen einer «Smart City» ist unumstritten. Den meisten Städten fehlen jedoch die Strukturen und Kompetenzen, um  die komplexen Einführungs- und Evaluationsprozesse zu bewältigen. Hier könnten ICT-Unternehmen helfen. In der Studie «Smart City: Essentials for City Leaders» haben Swisscom  und die private Wirtschaftshochschule IMD die Erfolgsfaktoren von Smart-City-Projekten herausdestilliert. Daraus ist das  Analyse-Tool «Smart City Piano» entstanden, mit dem Projekte  bewertet werden können. Dafür wird zum einen das Potenzial  eingeschätzt, zum anderen soll das Tool die optimale Vorbereitung der Rahmenbedingungen des Projekts ermöglichen, insbesondere die Aspekte der politischen Regulierung. Hinzu  kommen praktische Informationen, um die Umsetzung unter optimalen Bedingungen zu verwalten. Die Idee: Städte können sich so auf relevante Projekte konzentrieren und langsam die Metamorphose zur intelligenten Stadt vollziehen.

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Smart-City Projekte (Auswahl):

Smartnet

Bild: Stadt St. Gallen Bild: Stadt St. Gallen

In einem halbjährigen Pilotprojekt haben die St. Galler Stadtwerke ein strahlungsarmes Funknetz mit LoRaWAN-Technologie (Long Range Wide Area Network) getestet, das mit dem St. Galler Glasfasernetz  die Voraussetzung für eine effiziente und ökologische  Stadt schaffen soll. Dem Stadtparlament wurde nun eine Vorlage unterbreitet, um die ganze Stadt mit der Technologie auszustatten. St. Gallen wäre damit die  erste Stadt der Schweiz mit flächendeckendem  Funknetz für das Internet der Dinge.
www.stadt.sg.ch

Urban Hive

Bild: Urban Hive Bild: Urban Hive

Unter diesem Namen hat sich eine Gruppe von Unternehmen zusammengetan – aus der IT-Branche sind Microsoft, Cisco und Arcade dabei –, die Städten und Regionen massgeschneiderte Lösungen aus den Bereichen Internet of Everything, Smart  Energie/Lightning/Parking, Crowdsourcing, Cross Industry Innovation, Access Control, Community  Dialogue, Infrastructure Planning, Online Translation und Smart City Consulting anbietet.
www.urbanhive.ch

ParkU

Bild: ParkU Bild: ParkU

Auf der Parkplatzbörse lassen sich freie Parkplätze finden und anbieten, in Echtzeit oder im Voraus buchen und bargeldlos bezahlen – online oder per App. Mit der «Sesam»-Technologie erhalten Autofahrer via Smartphone auch Zugang zu beschränkten Parkflächen.
www.parku.ch

SmartShuttle

Bild: PostAuto Schweiz AG Bild: PostAuto Schweiz AG

Die PostAuto Schweiz AG wird ab diesem Sommer mit der Stadt Sion, dem Kanton Wallis und der EPFL während zwei Jahren zwei autonome Postautos  testen. Die von Navya entwickelten Fahrzeuge werden zu 100 Prozent elektrisch angetrieben.
www.postauto.ch

Windkanal Dübendorf

Im Windkanal der EMPA und der ETH Zürich lassen sich Wind- und Wärmesituationen in Städten simulieren und Möglichkeiten erproben, das Stadtklima auf natürlichem Weg zu verbessern sowie «Wärmeinseln» zu vermeiden.
www.empa.ch

Kompetenzzentrum BlueFactory

Bild: CPI Frima Bild: CPI Frima

Mit der BlueFactory soll in Fribourg ein Ort der Kreativität und der Innovation entstehen. Ins Kompetenzzentrum aufgenommen werden ausschliesslich wissenschaftlich ausgerichtete Unternehmen/ Plattformen und innovative Technologien mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dabei sind Firmen aus der IT, Industrie, Forschung, Technologie-Spin-offs der Uni Fribourg, Elektroautohersteller oder Coaching-Plattformen für Jungunternehmen.
www.bluefactory.ch

Smart-me

Das Smart-Metering-System wertet Energiedaten wie Strom, Wärme, Gas oder Wasser aus der Cloud  heraus aus und steuert Geräte via Smart phone,  Tablet oder PC. Unterstützt werden rund 1000 verschiedene Geräte. Für sein Smart-Metering-Projekt wurde Smart-me mit dem Axpo Energy Award ausgezeichnet.
www.smart-me.com

HitchHike

Bild: HitchHike Bild: HitchHike

HitchHike ist eine Gesamtlösung für Institutionelle zur Förderung von Fahrgemeinschaften. Im Fokus stehen vor allem Pendlerströme, weil dort das Potenzial für Synergien auf gleichen Fahrstrecken besonders gross ist. Typische Kunden: Unternehmen oder Städte.
www.hitchhike.ch

PubliBike

Mit der App lassen sich in der ganzen Schweiz Stationen für E-Bikes und Velos finden, die rund um die Uhr ausgeliehen und an jeder beliebigen Station  wieder abgegeben werden können.
www.publibike.ch

Verkehrsanalyse

Bild: Villedepully Bild: Villedepully

Swisscom entwickelt mit der Stadt Pully (VD) ein Beobachtungszentrum für urbane Mobilität. Mit anonymisierten, aggregierten Mobilfunkdaten werden  Verkehrsaufkommen und Verweildauer im Stadtzentrum gemessen und analysiert. Weitere Simulationsmodelle sollen entwickelt werden, um vorausschauende Verkehrsprognosen zu ermöglichen.
www.pully.ch

Gundeldinger Feld Basel

Aus dem ehemaligen Fabrikgelände von Sulzer entstand ein Pilotprojekt der 2000-Watt-Gesellschaft. Alle Gebäude werden energiesparend optimiert und zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. 2015 gabs dafür den Schweizer Solarpreis.
www.gundeldingerfeld.ch

Licht nach Bedarf

Bild: EWZ Bild: EWZ

Das EWZ sorgt zusammen mit Elektron schon seit  zwei Jahren für intelligente Strassenbeleuchtung in Zürich. LED-Leuchten und Radarsensoren ermöglichen eine bewegungsabhängige Steuerung der Lichtintensität und sorgen so für mehr Verkehrssicherheit bei geringerem Energieverbrauch.
www.elektron.ch

GreenCity

Zürich Mit dem GreenCity-Projekt von Losinger Marazzi auf dem Areal der ehemaligen Sihl-Papierfabrik entsteht das erste Stadtquartier der Schweiz, das alle Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt. Neben energieeffizientem Bau wartet es mit einer 100 Prozent erneuerbaren Energieversorung, Grid-Stromnetz, Carsharing-Standorten und Elektroautoparkplätzen auf.
www.greencity.ch

SmartTraffic

Bild: Swisstrafic Bild: Swisstrafic

Die Lösung BlueScan von Swisstraffic zählt, misst  und analysiert Menschen sowie Verkehr und liefert  Daten zu Wartezeiten, Loyalitätsraten, Einkaufs-  und Verweilzeiten, Lärm- und Luftverschmutzung etc. in städtischen Arealen.
www.bluescan.ch

Weitere Pilotprojekte

Die Car-Sharing-Plattformen catchacar und Sharoo; das Ende Mai eröffnete Forschungsgebäude NEST der Empa; EWZ-Testläufe mit Elektrofahrzeugen; das  Projekt der ETH Lausanne, eine Flotte autonomer Shuttles in das System des öffentlichen Verkehrs zu integrieren und z. B. einen bedarfsorientierten Dienst zu ermöglichen; Energieprojekt Heissluftturbine Düdingen; diverse Regelpooling-Projekte an Wasserversorgungs- und Kläranlagen; Stromspeichernetzwerk tiko; Stromverbrauchsanalyse- und Social-PowerProjekte von Smart City Winterthur; Elektro-Trolleybus-Projekt TOSA in Genf sowie velofreundliche Lichtsignalanlagen im Kanton Basel-Stadt.