Das ist neu in Microsofts Exchange Server 2016

Der 2016er Exchange-Server bringt keine fundamentalen Neuerungen – aber nützliche Detailverbesserungen.

von Konstantin Pfliegl 19.01.2016 07:55

Es ist mal wieder so weit: Seinem traditionellen Dreijahres-Turnus entsprechend hat Microsoft eine neue Version des Mail- und Groupware-Servers Exchange Server veröffentlicht. Seit Kurzem ist der Server mit dem Zusatz «2016» erhältlich.

Trotz des Cloud-Hypes hält Microsoft an einer On-Premise-Version von Exchange Server fest, also an einer Kaufversion, die eine Firma auf ihren eigenen Servern ausführt. Parallel dazu bietet Microsoft unter der Bezeichung «Exchange Online» eine Mietversion in der Cloud an.

Auch in Zeiten von Instant-Messaging-Diensten und Collaboration-Tools ist die E-Mail in den meisten Unternehmen nach wie vor das Kommunikationsmedium Nummer eins – sowohl in der internen wie in der externen Kommunikation. Und die­­se sensi­blen Daten haben immer noch viele Unternehmen lieber auf den eigenen Servern im eigenen Gebäude liegen. Gerade in den aktuell rechtlich unsicheren Zeiten, Stichwort Safe Harbor, dürfte der Markt für eine Kaufsoftware wie Exchange Server 2016 noch immer recht gross sein.

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Neuerungen für Anwender im Exchange Server 2016

Bei Exchange Server 2016 handelt es sich weniger um eine komplett neue Version mit fundamentalen Neuerungen als um eine Weiterentwicklung der Vorversion Exchange Server 2013, ergänzt um eine verbesserte Unterstützung für diverse Cloud-Dienste.

Outlook im Browser: Bisher bekannt als Outlook Web Access oder Outlook Web App, hat Microsoft den Webzugriff in «Outlook on the Web» umbenannt und umfangreich überarbeitet. Outlook im Browser: Bisher bekannt als Outlook Web Access oder Outlook Web App, hat Microsoft den Webzugriff in «Outlook on the Web» umbenannt und umfangreich überarbeitet. © Microsoft

Outlook on the Web: Microsoft hat den Webzugriff auf Exchange Server, bislang bekannt unter den Namen Outlook Web Access oder Outlook Web App, in «Outlook on the Web» umbenannt.
Die Oberfläche wurde überarbeitet und soll sich ausser mit Microsoft Edge und dem Internet Explorer 11 auch mit den neuesten Versionen von Google Chrome und Firefox sowie mit dem Apple-Browser Safari ohne grössere Einschränkungen nutzen lassen. Zudem wurde die Weboberfläche dahingehend optimiert, dass man sie auf Smartphones und Ta­blets mit den Mobilbetriebssystemen Android und iOS pro­blemlos nutzen kann, ohne dass die Installation der Outlook-App erforderlich wäre.

Die Funktion «Sweep» ermöglicht auf der Weboberfläche den einfacheren Umgang mit E-Mails eines bestimmten Absenders. So lassen sich Nachrichten dieses Absenders eine festgelegte Anzahl an Tagen aufbewahren, man kann nur jeweils dessen aktuellste Nachricht aufheben oder auch alle Nachrichten löschen.

Microsoft Outlook 2016: Die meisten Unternehmen dürften beim Einsatz des 2016er-Servers auch die neueste Outlook-Version verwenden. Microsoft Outlook 2016: Die meisten Unternehmen dürften beim Einsatz des 2016er-Servers auch die neueste Outlook-Version verwenden. © Microsoft

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Verbesserte Suche: Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Suche, die Microsoft komplett überarbeitet hat. Die Such­architektur basiert dabei auf den Erfahrungen, die Microsoft mit Office 365 gesammelt hat. Die meisten Suchergebnisse sollen laut Microsoft in weniger als einer Sekunde zur Verfügung stehen. Bereits bei der Eingabe eines Suchbegriffs in Outlook 2016 oder in Outlook on the Web erscheinen passende Vorschläge – basierend auf den Kontakten, mit denen man häufig kommuniziert, dem Inhalt des Postfachs und früheren Suchanfragen.

Wenn man Outlook 2016 nutzt und der Client online ist, dann verwendet die Suche automatisch den Index der flotten Server und es werden alle E-Mails durchsucht, nicht nur die gecachten Nachrichten. In Outlook on the Web ist nun auch eine Suche im eigenen oder in fremden Kalendern möglich.

Die überarbeitete Sucharchitektur (eDiscovery) funktioniert nun asynchron und dezentral. Damit ist die Suche schneller und nutzt standardmässig mehrere Server.

Verbesserte Suche: Microsoft hat die Sucharchitektur in Exchange Server 2016 komplett überarbeitet. Verbesserte Suche: Microsoft hat die Sucharchitektur in Exchange Server 2016 komplett überarbeitet. © Microsoft

Kollaboratives Arbeiten: In Outlook 2016 und Outlook on the Web lassen sich Dateien, die in Microsofts Cloud-Diensten OneDrive for Business oder SharePoint 2016 gespeichert sind, in Nachrichten als Link einfügen anstatt als herkömmliche Datei. Die Versionsverwaltung der Datei erledigt dann der jeweilige Dienst. Dabei werden die Zugriffsrechte für eine Datei automatisch gesetzt, sodass der Empfänger die verlinkte Datei wie einen herkömmlichen Anhang direkt öffnen kann. Die Zugriffsrechte lassen sich vor dem Senden anpassen.

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CAS, MAPI und Cloud mit dem Exchanger Server 2016

Microsoft hat die Architektur des 2016er-Exchange-Servers vereinfacht und die Client Access Server (CAS) abgeschafft. Diese waren bislang für die Abwicklung sämtlicher Client-Verbindungen zuständig, haben die Authentifizierung übernommen und die üblichen Zugriffsprotokolle wie IMAP (Internet Message Access Protocol) und SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) zur Verfügung gestellt. Im neuen Exchange Server übernehmen die Mailbox-Server die Aufgabe der früheren Client Access Server.

Wenn ein Unternehmen Loadbalancer zur Lastverteilung der Anfragen einsetzt, dann lassen sich diese auch weiterhin nutzen. Auf deren Arbeitsweise hat die Abschaffung der Client Access Server keinen Einfluss.

MAPI/HTTP: Mit Exchange Server 2013 führte Microsoft das neue Verbindungsprotokoll MAPI/HTTP für den Datenaustausch zwischen Exchange Server und Outlook ein. Bislang musste das Protokoll manuell aktiviert werden, ansonsten erfolgte der Verbindungsaufbau über das ältere RPC/HTTP-Protokoll. In Exchange Server 2016 wird standardmässig MAPI/HTTP verwendet.

Einer der Vorteile des neuen MAPI/HTTP-Protokolls gegenüber dem älteren RPC/HTTP: MAPI ist weniger komplex und arbeitet so flotter.

    © NMGZ

Hybrid Cloud: Der neue Exchange Server unterstützt Hy-brid-Szenarien. Dabei können einige Mail-Boxen auf lokalen Servern liegen, andere hingegen in der Cloud. Zudem lassen sich auch bei lokalen Mail-Boxen Cloud-Erweiterungen wie Exchange Online-Archivierung und Azure Rights Management nutzen.

Schutz vor Datenverlust: Microsoft hat die Sicherheitsfunk­tionen für Data Loss Prevention (DLP) erweitert. DLP sorgt dafür, dass zum Beispiel keine sensiblen Firmendaten in fremde Hände gelangen, etwa durch eine manipulierte E-Mail oder gefährliche Anhänge. Sowohl in Outlook als auch in der Webversion erscheinen Hinweise, wenn die Gefahr besteht, dass Daten abgefangen werden.

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Umstieg auf Microsoft Exchange Server 2016

Als Administrator eines 2013er-Exchange-Servers muss man sich bei einem Umstieg oder einer Erweiterung der vorhandenen Server auf die 2016er-Version keine Sorgen machen, dass nun plötzlich alles anders ist. Die grundlegende Struktur und der Aufbau der Mail-Server sind auch in der 2016er-Generation weitgehend gleich geblieben.

Microsoft Outlook 2016: Zu den vielen kleinen Neuerungen zählt zum Beispiel die Link-Vorschau in E-Mails. Microsoft Outlook 2016: Zu den vielen kleinen Neuerungen zählt zum Beispiel die Link-Vorschau in E-Mails. © Microsoft

Der neue Exchange Server läuft laut Microsoft auf Windows Server 2012 und Windows Server 2012 R2 – jeweils in der Standard- und der Datacenter-Version. Die ActiveDirectory-Struktur sowie die Domänen-Controller müssen mindestens auf Basis von Windows Server 2008 laufen.

Dass der Windows Server 2016 den neuen Exchange Server unterstützen wird, ist bislang nicht offiziell bestätigt. Man kann aber davon ausgehen, dass der neu erschienene Exchange Server auch auf dem für die zweite Jahreshälfte erwarteten Microsoft Windows Server 2016 läuft. Die Kompatibilität dürfte Microsoft mit einem entsprechenden Update rechtzeitig nachreichen.

Neue Server mit dem 2016er-Exchange-Server lassen sich ohne Weiteres in eine vorhandene Server-Umgebung mit dem 2010er- oder dem 2013er-Exchange-Server integrieren. Voraussetzung: Bei der 2010er-Version muss mindestens das Update Rollup 11 in­stalliert sein, bei der 2013er-Version das Cumulative Update 10. Ältere Exchange-Versionen benötigen eine weitere Exchange-Organisation.

Als Clients werden auf Windows-Rechnern die Mail-Programme Microsoft Outlook 2010 mit Update KB2965295, Outlook 2013 sowie das neu erschienene Outlook 2016 unterstützt. Das 2016er-Outlook dürfte in Firmen mit Exchange Server 2016 auch der meistverwendete Client sein.

Unter Mac OS ist ein Exchange-2016-Zugriff mit den beiden Anwendungen Outlook für Mac 2011 und Outlook für Mac für Office 365 möglich. Umfangreiche Details zu den Lizenzierungsmöglichkeiten des Exchange Servers und zu den Server- und Clientzugriffslizenzen finden Sie auf der entsprechenden Microsoft-Webseite.

Wer keinen eigenen Server betreiben möchte, kann den Exchange Server auch als Software as a Service (SaaS) in der Microsoft-Cloud mieten. Dafür verlangt Microsoft je nach Funktionsumfang im Jahresabonnement 3,40 Euro oder 6,70 Euro pro Nutzer und Monat zuzüglich Mehrwertsteuer.

Jedes Online-Postfach umfasst 50 GByte und unterstützt E-Mails mit einer Grösse von bis zu 150 MByte. Der Zugriff erfolgt über Outlook oder über Outlook on the Web.

Updates und Testversion

Für den Exchange Server soll es laut Microsoft alle drei Monate kumulative Updates mit Fehlerbehebungen und diversen Funktionsverbesserungen geben. Das erste kumulative Update für Exchange Server 2016 hat Microsoft noch für das erste Quartal 2016 angekündigt.

Microsoft stellt auch vom 2016er-Exchange-Server eine deutschsprachige Testversion bereit. Diese lässt sich zu Evaluierungszwecken 180 Tage lang kostenlos ausprobieren. Der Download der Testversion ist 1,7 GByte gross. Die Systemvoraussetzungen sind die gleichen wie für die lizenzierte Version.

Weitere Infos

Technische Informationen zu Exchange Server 2016

Download der 180-Tage-Testversion

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